Panorama

Schunkeln, Raufen, Beißen Oktoberfest vor Gericht

Sechs Millionen Besucher, sechs Millionen Liter Bier - trotzdem geht es meistens friedlich zu auf dem Münchner Oktoberfest. Doch manchmal schlägt die gute Laune um - oder es passieren überraschende Missgeschicke. Da fliegt dann eine Schweinshaxe durchs Zelt, oder jemand verletzt den Nachbarn beim Schunkeln auf der Bierbank. Nicht selten werden die Auseinandersetzungen anschließend vor Gericht ausgetragen. "Das Oktoberfest ist jedes Jahr wieder eine Bereicherung für den Geschäftsanfall des Amtsgerichts München - sowohl zahlenmäßig als auch wegen der kuriosen Sachverhalte", sagt Gerichtssprecherin Ingrid Kaps.

Erst dieses Jahr verurteilte das Amtsgericht eine Frau zu 500 Euro Schmerzensgeld. Sie hatte beim Tanzen, Schunkeln und Singen auf einer Bank das Gleichgewicht verloren und fiel einem Mann in den Rücken, der gerade zum Trinken ansetzte - er schlug auf den Bierkrug und beschädigte sich einen Zahn. Die Frau argumentierte vergeblich, sie sei nur umgefallen, weil sie wiederum von einem vorbeilaufenden Besucher angerempelt worden sei.

Eifersucht, Porno und Bisswunden

Fast zur Tagesordnung gehören Taschendiebstähle und Maßkrugschlägereien, bei letzteren geht es oft um Eifersucht. Denn auf der Wiesn fallen bei manchem alle Schranken. Alle Jahre wieder werden Männer erwischt, die Besucherinnen unter den Rock fotografieren, vor zwei Jahren versuchten zwei junge Männer und eine junge Frau gar, im Riesenrad einen Pornofilm zu drehen - sie wurden vorübergehend festgenommen.

Auch Verletzungen durch bissige Besucher gibt es jedes Jahr. Dieses Jahr verbiss sich ein Besucher gleich am dritten Tag derart in den Ringfinger eines Polizeibeamten, dass er nur mit Pfefferspray zum Loslassen gebracht werden konnte. Bilanz: Fünf verletzte Beamte. Durch eine laut Gericht "unechte Bissverletzung" - nämlich durch einen Zahn, den er einem Anderen ausgeschlagen hatte - verlor ein Besucher einen Finger. Er verklagte die Klinik mit Erfolg auf 15.000 Euro Schmerzensgeld.

Zulassungen vergibt der Stadtrat

Eine Niederlage erlitt DJ Ötzi, als er im Jahr 2000 den Gassenhauer "Anton aus Tirol" für sich beanspruchen wollte. Ein österreichischer Konkurrent durfte das Lied laut Urteil durchaus in einem Oktoberfest-Zelt zum Besten geben. Prozesskosten: rund 250.000 Mark bei 1,3 Millionen Mark Streitwert.

Auch der Bayerische Verwaltungsgerichtshof war schon am Zuge. Mindestens zwei Mal wies er Klagen von Betrieben ab, die ihre Zulassung für das Oktoberfest gerichtlich erzwingen wollten - über die Zulassung entscheidet der Stadtrat. Auch der Vorschlag einer Klägerin, durch kollegiales Zusammenrücken der von der Stadt zugelassenen Bewerber doch noch Platz für sie zu schaffen, fand vor Gericht kein Gehör. "Wir haben einen Rechtsstaat - aber hier haben wir auch einen Rechthaberstaat", kommentiert Wiesn-Chefin Gabriele Weishäupl.

Recht auf Wiesn-Gutscheine

Aber auch um kleinere Summen wird im Zusammenhang mit der Wiesn gestritten. So klagte eine Mieterin, weil ihre Vermieter die Kosten für einen Hendl- und einen Bier-Gutschein für den Hausmeister in Höhe von 15,10 Euro auf die Nebenkosten umgelegt hatten. Laut Amtsgericht tat er dies zu Recht: Es handele sich um geldwerte Leistungen an den Hauswart, und in München sei es geradezu üblich, seinen Arbeitnehmern Wiesn-Gutscheine umsonst zu überlassen. Um deutlich mehr Geld ging es bei einem Wirtspaar, das Steuern in Höhe von 1,5 Millionen Euro hinterzogen hatte - die beiden bekamen mehrjährige Haftstrafen.

Auch durch Lebensmittel drohen auf der Wiesn ungeahnte Verletzungsgefahren. Heuer wurde eine chilenische Besucherin durch eine fliegende Karotte verletzt, die ein Amerikaner eigentlich zum Verzehr mit in einen Biergarten genommen hatte. Warum er das Gemüse dann als Wurfgeschoss benutzte, blieb offen.

Von Sabine Dobel, dpa

Quelle: ntv.de

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