Panorama

Niederlage im Latex-Handschuh-StreitPauli scheitert vor Gericht

23.10.2012, 20:05 Uhr
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Pauli: "Aufgrund dieses Artikels, den ich in dieser Weise nie wollte, ist so viel losgetreten worden an Schmähungen, Beleidigungen." (Foto: dpa)

Die Webseite von "Bild" nennt die frühere Fürther Landrätin Pauli "durchgeknallte Frau" und unterstellt ihr, in "Domina-Posen" aufgetreten zu sein. Nicht alles davon ist rechtswidrig. Davon zeigt sich jetzt das Oberlandesgericht München überzeugt.

Die ehemalige Fürther Landrätin

Gabriele Pauli hat in einem Rechtsstreit um ihre Fotos in Latex-Handschuhen eine

Schlappe erlitten. Das Oberlandesgericht München wies die Klage der Politikerin

gegen einen Beitrag von "Bild.de" ab, in dem sie kurz nach Veröffentlichung

der Fotos 2007 als "durchgeknallte Frau" bezeichnet worden war. Der Senat

ließ eine Revision nicht zu.

Die Vorsitzende Richterin

Eva Spangler betonte in der Berufungsverhandlung, sie halte die Bezeichnung zwar

für ehrverletzend. Der Autor habe die Aussage jedoch vor dem Hintergrund gemacht,

dass Pauli damals viele Karrierechancen hatte und sich somit die Frage gestellt

habe, "wie man sowas machen kann". "Wir glauben, es ist keine Schmähung."

Pauli klagt auch gegen Bayrischen Rundfunk

In erster Instanz hatte

das Landgericht Traunstein in dem Bericht eine unzulässige Schmähkritik gesehen

und die weitere Verbreitung verboten. Zudem war das Landgericht im Mai der Meinung,

die Bezeichnung "Domina-Posen" sei nicht von den Tatsachen gedeckt. Es

hatte aber Paulis Forderung nach eine Entschädigung von 5000 Euro zurückgewiesen.

Pauli betonte, sie habe

die Veröffentlichung der für das Magazin "Park Avenue" aufgenommenen Bilder

so nie gewollt. "Aufgrund dieses Artikels, den ich in dieser Weise nie wollte,

ist so viel losgetreten worden an Schmähungen, Beleidigungen." Irgendwann müsse

das gestoppt werden, sagte die 55-Jährige.

Die heute fraktionslose

Landtagsabgeordnete wehrt sich in einem zweiten Verfahren dagegen, dass die Bilder

vom Bayerischen Rundfunk im Politikmagazin "Kontrovers" verwendet wurden.

Das Urteil zu diesem Fall wird zu einem späteren Zeitpunkt erwartet. Das Münchner

Landgericht hatte in erster Instanz die Klage gegen den BR abgewiesen: Pauli müsse

die Veröffentlichung dulden, da die Bilder zur Zeitgeschichte gehörten.

Am Sturz Stoibers beteiligt

Pauli wurde 2006 bundesweit

bekannt, weil sie zum Sturz des damaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber von

der CSU beitrug. Pauli warf ihm damals vor, ein Problem mit Frauen in politischen

Ämtern zu haben. Zuvor geriet schon Stoibers Büroleiter in der Staatskanzlei unter

Beschuss, weil er den Auftrag verfolgte, Pauli "etwas anzuhängen". Stoiber

erklärte Anfang 2007 seinen Rücktritt.

Noch nach Veröffentlichung

der Fotos kandidierte Pauli für den CSU-Vorsitz, blieb aber ohne Chance. Wenig später

trat sie aus der CSU aus. Im Juni 2008 wurde sie für ein Jahr Mitglied der Freien

Wähler, heute sitzt sie als Parteilose im Landtag.

Quelle: ntv.de, dpa