Panorama

TV-Talk über Sex Peitschenhiebe für Journalistin

Rosana el Jami, die Teilzeit für den Sender LBC arbeitete, sagte, der Richter in Dschiddah habe die ursprüngliche Anklage wegen direkter Mitwirkung an der fraglichen Sendung fallengelassen. Sie werde nicht in Berufung gehen, weil ihr dann womöglich eine noch schlimmere Strafe drohe. Ihre Verurteilung bezeichnete El Jami als "Strafe für alle Journalisten".

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Frauen haben in Saudi-Arabien kaum Rechte.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die saudiarabischen Behörden hatten Anfang August angekündigt, dass sie das LBC-Büro in Dschiddah nach der von ihnen beanstandeten Fernseh-Talkshow geschlossen hätten. Dazu sagte die Journalistin, der Sender werde als "illegal" bezeichnet, aber erst kürzlich sei dort der saudiarabische Informationsminister aufgetreten.

Am 7. Oktober hatte ein Strafgericht in Saudi-Arabien den Saudiaraber Masen Abdul Dschawad, der sich in der Talkshow über sein Liebesleben ausgebreitet hatte, zu fünf Jahren Gefängnis und 1000 Peitschenhieben verurteilt. Die Verurteilung erfolgte gemäß der Scharia, dem islamischen Recht, wegen "unmoralischen Verhaltens". Drei Freunde Dschawads, die ebenfalls an der Talkshow teilgenommen hatten, wurden zu jeweils zwei Jahren Haft und 300 Peitschenhieben verurteilt.

Haft und Hiebe für "Mr. Sexy"

Dschawad hatte in der im Juli bei LBC ausgestrahlten Talkshow von seiner Wohnung in Dschiddah aus mit seinen sexuellen Eroberungen angegeben. Der geschiedene Vater von vier Kindern hatte unter anderem erzählt, wie er im Alter von 14 Jahren zum ersten Mal Sex hatte - mit einer Nachbarin.

Das Video-Internetportal YouTube dokumentierte seinen Auftritt, dadurch wurden auch ultrakonservative Kreise im Königreich auf ihn aufmerksam. Ihre Proteste sorgten für Dschawads Verhaftung. Der Sender LBC wird von dem saudiarabischen Milliardär Prinz El Walid ben Talal kontrolliert, zu dessen Medienimperium auch die Fernsehsender der Rotana-Gruppe gehören.

Im islamischen Königreich Saudi-Arabien ist außerehelicher Geschlechtsverkehr streng verboten. Frauen müssen auf der Straße Kopftücher und weite Gewänder tragen. Die Religionspolizei achtet zudem darauf, dass Männer und Frauen, die nicht miteinander verheiratet sind, keinerlei Kontakt miteinander haben.

Quelle: n-tv.de, AFP/dpa