Panorama

2,7 Millionen Nutzer im VisierPolizei führt Razzia gegen boerse.bz durch

04.11.2014, 17:12 Uhr
imageVon Roland Peters
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Wird schon seit Monaten nicht mehr betreut: Die Seite boerse.bz. (Foto: boerse.bz / Screenshot n-tv.de)

14.000 TV-Serien, 30.000 Videospiele und 60.000 Kinofilme: In ganz Deutschland durchsucht die Polizei Wohnungen wegen des Download-Portals boerse.bz. 2,7 Millionen Nutzer sind im Zuge der Großrazzia potenziell im Visier der Ermittler.

Erst gibt es die Razzia gegen Kinox, nun gegen ein weiteres Download-Portal: Im Zuge von Ermittlungen wegen illegaler Verbreitung von Filmen und Musik im Internet hat die Polizei 121 Wohnungen im gesamten Bundesgebiet durchsucht. Bei der Razzia in 14 Bundesländern nahmen die Beamten unter anderem Computer, Festplatten und eine Vielzahl von CDs und DVDs mit, wie die federführende Staatsanwaltschaft Köln mitteilte. Einige der Tatverdächtigen zeigten sich demnach kooperationsbereit. Durch die Auswertung der Beweismittel hoffen die Ermittler nun auf weitere Erkenntnisse über die Raubkopierszene - und damit wohl auch über die Millionen Nutzer der Seite.

Den Verantwortlichen wird den Angaben zufolge vorgeworfen, über einen längeren Zeitraum aktuelle, urheberrechtlich geschützte Kino- und Spielfilme, Musikalben, Software und E-Books über das Portal boerse.bz zum Herunterladen bereitgestellt zu haben - einer überwiegend deutschen Download-Szene mit in diesem Fall rund 2,7 Millionen Nutzern. Dadurch sollen die Uploader monatlich bis zu mehrere Tausend Euro Gewinn eingestrichen haben. Die Nutzer werden auf der Seite auch "Piraten" genannt.

Anzeige hatte die Gesellschaft zur Verfolgung von Urherberrechtsverletzungen e.V. (GVU), erstattet. Der Interessenverband gab an, zuletzt hätten registrierte Nutzer der Seite unter mehr als 11.000 E-Books, rund 30.000 Spielen für Konsolen und PC, mehr als 60.000 Kinofilmen, rund 14.000 TV-Serien und 16.000 Dokumentationen wählen können.

Wie bei Kino.to und Kinox.to

Rechtlich sei den Betreibern wegen der Verlinkung illegaler Inhalte nicht beizukommen, schreibt heise.de, also hätten die Ermittler nach geschäftlichen Verbindungen zwischen Administratoren und Upload-Portalen, sogenannten Sharehostern, gesucht. Demnach war der Fall von Kino.to ähnlich gelagert, weshalb die Gründer zu Haftstrafen verurteilt wurden. Auch das Nachfolgeportal Kinox.to ist deshalb ins Visier von Ermittlern geraten. Zwei der Gründer sind derzeit auf der Flucht, nach ihnen wird gefahndet.

Für die Betreiber von boerse.bz seien Premium-Konten und Werbung die Einnahmequellen gewesen, schreibt golem.de unter Berufung auf die GVU. Die Rechteinhaber, insbesondere die Film- und Musikindustrie, gingen hingegen leer aus. Deshalb lautet der Vorwurf auch auf gewerbsmäßige Verbreitung von urheberrechtlich geschützten Film- und Musikdateien. Die Seite ist noch immer online und enthält eine Forumsoftware, auf der die Inhalte per Links bereitgestellt wurden.

Der betreute Betrieb des Boards wurde von den Administratoren Ende Juli eingestellt und unter der Domain boerse.to wieder aufgenommen. Auch die Nutzerkonten wurden Angaben der boerse.bz-Betreiber zufolge übertragen. Inzwischen sind auf der .to-Domain rund 2,5 Millionen Konten aktiv. Die Seite wird etwa 60.000 Mal pro Tag aufgerufen, berichtet golem.de unter Berufung auf den Bundesverband Musikindustrie.

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Quelle: ntv.de, mit AFP