Panorama
Sonntag, 21. November 2010

Kondome hui, Williamson pfui: Positive Signale aus dem Vatikan

Historische Worte vom "Heiligen Vater": Benedikt XVI. ist nicht mehr grundsätzlich gegen Präservative. Es gebe begründete Einzelfälle, in denen die Anwendung in Ordnung sei, sagt das Kirchenoberhaupt in einem neuen Buch. Zudem äußert er sich auch zu der Rehabilitierung des umstrittenen Holocaust-Leugners Williamson.

Benedikt XVI.
Benedikt XVI.(Foto: dpa)

Papst Benedikt XVI. hat im Kampf gegen Aids eine historische Wende der katholischen Kirche vollzogen und die Benutzung von Kondomen für "begründete Einzelfälle" für erlaubt erklärt.

Wenn es darum gehe, die Ansteckungsgefahr zu verringern, könne der Einsatz von Kondomen "ein erster Schritt sein auf dem Weg hin zu einer anders gelebten, menschlicheren Sexualität", sagte der Papst in einem Gespräch mit dem Publizisten Peter Seewald, das kommenden Mittwoch in Buchform erscheinen wird. Bislang vertrat die katholische Kirche trotz massiver öffentlicher Kritik die Position, dass auch im Kampf gegen die weitere Ausbreitung von Aids der Einsatz von Präservativen nicht gestattet werden dürfe.

Der Papst sagte in dem Gespräch, die katholische Kirche sehe die Verwendung von Kondomen "natürlich nicht als wirkliche und moralische Lösung an". Ein begründeter Einzelfall für eine Ausnahme von dieser Haltung könne aber etwa der Fall sein, dass Prostituierte ein Kondom verwenden. Dies könne dann "ein erster Schritt zu einer Moralisierung" sein und könne helfen ein Bewusstsein zu entwickeln, "dass nicht alles gestattet ist und man nicht alles tun kann, was man will".

UN begrüßt Äußerungen

Der Holocaust-Leugner Williamson: Offenbar war Benedikt XVI. nicht über seine Äußerungen informiert.
Der Holocaust-Leugner Williamson: Offenbar war Benedikt XVI. nicht über seine Äußerungen informiert.(Foto: REUTERS)

Das UN-Programm gegen Aids (UNAIDS) hat die Aussagen von Papst Benedikt XVI. zum Gebrauch von Kondomen gewürdigt. Dass das Oberhaupt der katholischen Kirche die Nutzung von Präservativen in Einzelfällen für erlaubt erklärt habe, sei ein "entscheidender und positiver Schritt nach vorn", erklärte UNAIDS-Chef Michel Sidibe. "Dieser Schritt erkennt an, dass ein verantwortungsvolles Sexualverhalten und der Gebrauch von Kondomen eine wichtige Rolle bei der Vorbeugung von HIV spielen", hieß es in der Erklärung.

Er habe im Jahr 2009 weitreichende Diskussionen mit dem Vatikan zur Vorbeugung von HIV und Aids geführt, erklärte Sidibe. "Gemeinsam können wir eine Welt ohne neue HIV-Infektionen und ohne Diskriminierung schaffen", hieß es.

"Ich hätte ihn nicht rehabilitiert"

Neben der Kondomfrage spricht Benedikt XVI. in dem Buch auch über die Rücknahme der Exkommunikation des Bischofs Richard Williamson von der erzkonservativen Piusbruderschaft im Jahr 2009. Er hätte den Kirchenbann nicht zurückgenommen, wenn er über die Holocaustleugnung Williamsons informiert gewesen wäre. Wenn er gewusst hätte, dass der Bischof die Existenz der Gaskammern der Nazis leugnet, hätte er ihn nicht teilrehabilitiert, so der Papst.

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Die Teilrehabilitierung von vier Bischöfen der erzkonservativen Piusbrüder, darunter Williamson, hatte das Verhältnis zwischen katholischer Kirche und Judentum schwer belastet. Vor allem in Deutschland hatte das Vorgehen des Papstes völliges Unverständnis hervorgerufen. Den Pius-Brüdern wird unter anderem vorgeworfen, hinter die Reformen des Zweite Vatikanische Konzils (1962-1965) zurückzuwollen, die als Grundlage einer gemeinsamen Zukunft von Katholiken und Juden gelten, wie Benedikt in der Vergangenheit mehrfach betonte.

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Quelle: n-tv.de