Panorama

Klärung der SchuldfrageProzess um Concorde-Absturz endet

03.12.2010, 14:15 Uhr

Mehr als zehn Jahre nach dem Absturz einer französischen Concorde bei Paris endet das Verfahren um die Schuldfrage. Es geht darum, ob der Unfall zu verhindern gewesen wäre - und auch um eine juristische Aufarbeitung der verhängnisvollen Umstände des Todesflugs.

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Am 25.7.2000 stürzte die Concorde der französischen Fluggesellelschaft Air France in Gonesse in der Nähe des Pariser Flughafens Charles de Gaulle kurz nach dem Start ab. (Foto: picture alliance / dpa)

Ein riesiger Feuerball über der Pariser Vorort- Gemeinde Gonesse beendete am 25. Juli 2000 das Leben von 113 Menschen. Der Absturz der brennenden Air France-Concorde nach eineinhalb Minuten Flug zertrümmerte zugleich einen Mythos: Denn der 62 Meter lange "fliegende Bleistift" galt bis dahin als Symbol für Fortschritt und technische Perfektion - und auch als sicherstes Flugzeug der Welt. Gerade deswegen stand schnell die Suche nach der Ursache im Mittelpunkt des Interesses. Was lief schief?

Rund zehn Jahre später will ein Strafgericht in Pontoise bei Paris die Schuldfrage endgültig klären. Vorausgegangen war ein Ende Mai abgeschlossener viermonatiger Verhandlungsmarathon. Dabei hatten sich Ankläger auf drei Hauptakteure konzentriert: Zwei Mechaniker und einen leitenden Ingenieur.

Metallstück oder Fahrbahnschaden?

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Kisten mit Beweismaterial und Prozessunterlagen stehen im Gericht in Pontoise (Archivbild vom 02.02.2010). (Foto: dpa)

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Concorde beim Start über ein Metallstück rollte, das ein zuvor abgeflogener Jet der Fluggesellschaft Continental verloren hatte. Es löste eine verhängnisvolle Kettenreaktion aus: Die Lamelle ließ einen Reifen am Fahrwerk der Concorde platzen, Gummiteile durchschlugen einen Flächentank des Flugzeugs, und das ausströmende Kerosin fing Feuer.

Die Verteidigung der US-Airline Continental behauptet dagegen, dass die Concorde bereits brannte, bevor sie die Titan-Lamelle überrollte. Ursache soll eine Unebenheit in der Startbahn gewesen sein. Wie die Unfallermittler auch hält die Anklage das für falsch und hat für zwei Continental-Mechaniker 18 Monate Haft auf Bewährung gefordert. Sie waren für die Montage der Lamelle verantwortlich.

Urteil mit symbolischer Bedeutung

Concorde-Absturz
Spezialisten suchen im Trümmerfeld nach Wrackteilen (Archivbild vom 26.07.2000). (Foto: picture alliance / dpa)

Der damalige Chef des Concorde-Programms - der heute 80-jährige Henri Perrier - soll mit zwei Jahren Haft auf Bewährung büßen. Er soll die Anfälligkeit des Überschall-Jets gekannt haben.

Für die meisten Hinterbliebenen hat das Urteil eigentlich nur noch symbolische Bedeutung. Etwa 700 Angehörige der Opfer von Flug AF 4590 einigten sich kurz nach der Katastrophe mit Air France und deren Versicherung auf Entschädigungen. Nach Schätzungen flossen 173 Millionen Euro. Unter den Opfern waren 97 Deutsche: Den Flug nach New York hatte die schleswig-holsteinische Reederei Deilmann gechartert.

Das Unglück hatte damals auch das Ende der Concorde eingeläutet: Drei Jahre nach dem Absturz stellten die Betreiber British Airways und Air France den Betrieb ein. Dass ein modernes Flugzeug nicht zwangsläufig abstürzen muss, wenn Trümmer Tragflächen durchschlagen, zeigte sich vor wenigen Wochen bei der Notlandung einer australischen A380. Der Airbus der Fluggesellschaft Qantas landete trotz diverser Probleme sicher, obwohl Teile eines explodierten Triebwerks eine der Tragflächen getroffen hatten.

Quelle: Ralf E. Krüger, dpa