Panorama

Papstbesuch belebt Streit Religion in Frankreich

Kaiser Napoleon, so meinen Spötter, muss sich in seinem Grab im Invalidendom herumgedreht haben, als vor der Kulisse der Goldkuppel ein vielstimmiges Halleluja erklang und Papst Benedikt XVI. mit Hunderttausenden eine Messe feierte. Der französische Kaiser hatte gegen zwei Päpste Krieg geführt und sich dann auf einen Kompromiss eingelassen, der schließlich 1905 in ein Gesetz über die Trennung von Kirche und Staat in Frankreich mündete. Benedikts Besuch in Frankreich hat den seit einiger Zeit schwelenden Streit um die Stellung der Religion in Frankreich nun wieder aufleben lassen.

An der grundsätzlichen Trennung zwischen Kirche und Staat will der Papst zwar nicht rütteln und zitiert gleich das passende Bibelwort: "Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist". Aber etwas mehr Einfluss für die katholische Kirche, die auch in Frankreich unter Priestermangel und leeren Kirchen leidet, wäre ihm doch ganz recht. Die Kirche sehe ihre Aufgabe vor allem in der Erziehung und bei der Bekämpfung der Armut, sagte Benedikt.

Einfluss der Kirche schwindet

Tatsächlich haben katholische Schulen einen guten Ruf in Frankreich - selbst atheistische Intellektuelle schicken ihre Kinder gern auf katholische Privatschulen. Aber ansonsten schwindet der Einfluss der Kirche in Frankreich schon deswegen, weil es keine Kirchensteuer gibt, und die Kirche allein auf Spenden der Gläubigen angewiesen ist.

Der konservative französische Präsident Nicolas Sarkozy zählt zwar nicht zu den zehn Prozent der praktizierenden Katholiken seines Landes, aber er sieht in den Religionsgemeinschaften grundsätzlich wichtige Gesprächspartner des Staates. Genau dies bringt die sozialistische Opposition in Rage, die das Fundament der französischen "Laizität", der Trennung von Kirche und Staat erschüttert sieht. "Religion ist Privatsache, auch wenn der Staat Religionsfreiheit garantiert", betonte Sozialistensprecher Julien Dray.

Benedikt hat vermutlich nicht gefallen, dass Sarkozy die katholische Kirche auf eine Stufe mit dem tibetanischen Buddhismus des Dalai Lama stellt, den er in Anwesenheit des Papstes eigens erwähnt. Aber immerhin räumte Sarkozy den Religionsgemeinschaften grundsätzlich das Recht ein, bei heiklen Fragen wie etwa in der Bioethik mitzureden.

Muslime bringen Religion ins Gespräch

In den vergangenen Monaten waren es ohnehin eher die Muslime als die Katholiken, die die Frage nach der Stellung der Religion in Frankreich wieder aufgebracht haben. Erst kürzlich annullierte ein französischer Richter eine Ehe unter Muslimen, weil die Braut Jungfräulichkeit vorgetäuscht hatte. Ein Prozess wegen eines Raubüberfalls wurde auf Bitte des Verteidigers verschoben, der auf den labilen Zustand seines Mandanten im Fastenmonat Ramadan hingewiesen hatte.

Während Sarkozy bei seinem Besuch im Vatikan noch betont hatte, das Frankreichs Wurzeln "vor allem christlich" seien und ein Lehrer bei der Vermittlung von Werten "niemals den Pfarrer ersetzen kann", hielt er sich in Paris mit Komplimenten an die Katholiken zurück. Ob sein Dialogangebot an die Kirche in Frankreich Früchte trägt, wird sich bei der nächsten Debatte etwa über Sterbehilfe oder Leihmütter zeigen.

Ulrike Koltermann, dpa

Quelle: n-tv.de