Panorama

90 Jahre nach Zarenmord Romanows rehabilitiert

Der Oberste Gerichtshof Russlands hat den letzten Zaren, Nikolaus II., mitsamt Familie 90 Jahre nach deren Ermordung durch die Bolschewiki rehabilitiert. Die Herrscherfamilie sei ein Opfer politischer Repression, urteilten die Richter in Moskau. Nach dem Ende der Sowjetunion war die Rehabilitierung der im Juli 1918 in den Wirren der Russischen Revolution erschossenen Zarenfamilie mehrfach verweigert worden. Die russisch-orthodoxe Kirche hatte den letzten Zaren mit seiner deutschstämmigen Frau und den fünf Kindern im Jahr 2000 heilig gesprochen.

In den vergangenen Jahren hatte die Justiz mehrfach eine Rehabilitierung der Romanows, die deren Nachfahren anstrebten, verweigert. Die Begründung lautete, es habe kein Gerichtsurteil oder sonst eine öffentliche Entscheidung über die Erschießung gegeben. Deshalb war der Mord nur als Straftat auf der Grundlage "lokaler Willkür" und nicht als politisches Verbrechen gewertet worden. Dagegen sind in Russland nicht nur Monarchisten davon überzeugt, dass der Revolutionsführer Lenin den Befehl zur Ermordung gab.

Die Zarenfamilie wird bis heute in weiten Teilen der Bevölkerung verehrt. Zum 90. Jahrestag der Ermordung kamen in diesem Sommer mehr als 30.000 orthodoxe Gläubige in der Stadt Jekaterinburg im Ural zum Gebet an der Blutskirche zusammen, die am Tatort steht. In der Nähe waren 1991 die sterblichen Überreste von Nikolaus II., seiner Frau Alexandra Fjodorowna sowie deren drei Töchter entdeckt worden. Die Zarenfamilie war 1998 in St. Petersburg zur letzten Ruhe beigesetzt worden. Zuletzt konnten auch die Überreste von Thronfolger Alexej und der vierten Schwester Maria zweifelsfrei identifiziert werden.

Das Moskauer Patriarchat lobte die Gerichtsentscheidung als wichtige symbolische Handlung, die die von Präsident Dmitri Medwedew geforderte Überwindung des "Rechtsnihilismus" im Land beschleunige. "Damit bricht der moderne russische Staat mit den revolutionären Traditionen", teilte ein Kirchensprecher mit.

Quelle: ntv.de