Panorama

Laptop von Badegast geklaut Sau vom Teufelssee soll geschossen werden

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Die Wildschweine fühlen sich an den Berliner Badeseen pudelwohl.

(Foto: picture alliance/dpa)

Dieser Diebstahl hat Konsequenzen: Weil eine Bache in Berlin wiederholt Badegästen zu nah kommt und einem Mann öffentlichkeitswirksam eine Tüte mit seinem Laptop stiehlt, soll das Tier bald abgeschossen werden. Das Problem ist damit aber nicht behoben.

Vergangene Woche erregten die Bilder eines nackten Mannes, der am Berliner Teufelssee einer Bache und deren Jungtieren hinterherjagte, bundesweit und sogar international Aufmerksamkeit. Das Muttertier, das wohl auf Nahrungssuche war, hatte eine gelbe Tüte im Maul, die dem Badegast gehörte - darin befand sich ein Laptop. Dem Mann gelang es schließlich, der Sau ihre Beute abzuluchsen.

Das amüsante Aufeinandertreffen könnte für das Wildschwein allerdings nun tödlich enden. Wie der RBB unter Berufung auf das zuständige Forstamt Grunewald berichtet, sei das Tier in der Vergangenheit schon mehrmals bei Beutezügen am helllichten Tag negativ aufgefallen. Die Scheu, die Wildtiere eigentlich vor Menschen haben müssten, sei inzwischen verloren gegangen, wird die Leiterin des Amtes, Katja Kammer, zitiert.

Dem Bericht zufolge wird die Bache demnächst "vorrangig entnommen". Das bedeutet, das Tier wird abgeschossen. Man habe es mit einer "besonders intelligenten Sau" zu tun, sagte Försterin Kammer dem Sender. Die Jagd dürfe aber erst dann vonstattengehen, wenn deren Frischlinge sechs Monate und älter sind und selbstständig überleben können. Wenn dann die Badesaison beendet ist und sich weniger Menschen in dem Gebiet aufhalten, könne mit der "Entnahme" begonnen werden.

Das zugrundeliegende Problem wird durch den Abschuss allerdings nicht gelöst sein. Denn der amüsante Vorfall ist in der Hauptstadt keine Seltenheit. Immer wieder kommen Wildschweine in Wohngebiete oder an Badeseen, um nach Futter zu suchen. Derk Ehlert von der Berliner Senatsverwaltung sagte in der vergangenen Woche, da sich die beliebte Badestelle am Teufelssee mitten im Wald befinde, sei es nicht verwunderlich, dass sich Mensch und Tier dort begegnen. "Wenn Menschen Essen mit an den See bringen, können die Tiere das aus 1000 Meter Entfernung riechen." Das Wildschwein sei es vermutlich gewohnt, in Plastiktüten Nahrung zu finden. Da viele Leute abends Reste liegen ließen, kämen in der Dunkelheit auch Füchse, Waschbären, Marder und Dachse zur Nahrungssuche ans Ufer, sagte Ehlert.

Und im Sommer sei eine solche Begegnung auch vor Einbruch der Dunkelheit nicht unwahrscheinlich: Die Tiere wüssten, dass es in den früheren Abendstunden mehr Futter abzugreifen gebe. Die Begegnung sei für den nackten Mann nicht ganz ungefährlich gewesen. Denn ein bedrohtes Wildschwein wisse sich zu verteidigen, sagte Ehlert. "Vor allem, wenn es denkt, dass ihm seine Nahrung weggenommen wird." Försterin Kammer ergänzte im Gespräch mit dem RBB, dass die gegenwärtige Hitze die Tiere an die Wasserstellen lockt. "Sie müssen sich in die Situation des Schweines hineinversetzen: Die Sonne knallt auf das schwarze Fell. Dann ziehen sie sich in die Nähe von Wasser oder in einen Sumpf zurück."

Quelle: ntv.de, fzö/dpa