Panorama

Ausnahmezustand in Berlin Schwere Unwetter

Ein Unwetter mit heftigem Platzregen und Sturmböen hat am Freitagabend Berlin in den Ausnahmezustand versetzt: Straßen wurden überschwemmt, der Verkehr war teilweise lahm gelegt und zwei Open-Air-Konzerte mussten abgesagt werden. Die Feuerwehr musste zu über 650 Einsätzen ausrücken, teilte der Lagedienst mit. Die Feuerwehr rief über Berlin den Ausnahmezustand der Kategorie 1 aus.

Haupteinsatzgebiete waren Treptow-Köpenick, Friedrichshain und Steglitz. Durch das Gewitter liefen zahlreiche Keller voll, mehrere Bäume wurden entwurzelt. In Köpenick wurde durch Sturmböen das komplette Dach eines Zweifamilienhauses weggeweht. Ebenfalls in Köpenick schlug nach Angaben der Polizei ein Blitz in eine Laube ein, es entstand aber nur geringer Sachschaden.

Zwischen 17.00 und 18.00 Uhr prasselten in Berlin-Adlershof mehr als 30 Liter pro Quadratmeter nieder. Das entspricht nach Angaben des Wetterdienstes Meteomedia etwa der Hälfte der Regenmenge, die im Juli durchschnittlich in Berlin fällt. Die Wassermassen drangen auch in U-Bahntunnel ein, so dass der Verkehr unterbrochen wurde. Nach Angaben eines Sprechers der Berliner Verkehrsbetriebe war die U-Bahn-Linie 5 rund eine Stunde teilweise blockiert. In den U-Bahnhof Weberwiese in Berlin-Friedrichshain drang so viel Wasser ein, dass der Bahnhof zeitweise gesperrt werden musste. Kurze Zeit später ging dann auf der Linie U9 am Bahnhof Güntzelstraße nichts mehr. Wasser hatte dort für einen Kurzschluss in einer Weiche gesorgt.

Den Regengüssen fielen aus Sicherheitsgründen das geplante deutsch-afrikanische Konzert im Rahmen der Fußball-WM sowie die Italienische Nacht bei den Classic Open Air Festival zum Opfer. Die FIFA sagte das Konzert auf der Fanmeile aus Sicherheitsgründen ab, weil die Bühne völlig durchnässt war und Probleme mit der Elektrik befürchtet wurden. Auf der Fanmeile am Brandenburger Tor stand das Wasser knöcheltief.

Parkhaus überflutet

Im nordhessischen Korbach sind am Freitag nach heftigen Regenfällen mehrere Parkhäuser, Straßen und Keller überflutet worden. Mindestens 39 Autos blieben im Wasser liegen oder schwammen weg, wie die Polizei berichtete. Innerhalb einer halben Stunde seien 60 Liter Wasser pro Quadratmeter gefallen. Nach ersten Schätzungen entstand Sachschaden in Millionenhöhe.

In einem Parkhaus schwammen 28 Autos im 1,50 Meter tiefen Wasser. Sechs Pkw trieben in einer Straße im Wasser, fünf Fahrzeuge blieben in den Fluten stecken. Mehrere Wagen wurden ineinander geschoben. Betroffen waren etliche Tiefgaragen von Firmen und Privatleuten. Zwei Bäche in der Innenstadt waren nach dem kräftigen Regen über die Ufer getreten, die Kanalisation konnte die Wassermassen nicht fassen. Straßen wurden wegen Überflutung gesperrt.

Überschwemmte Straße und Stromausfälle

Bereits in der Nacht zum Freitag sorgten Gewitterstürme und schwere Regenfälle in weiten Teilen Deutschlands für überschwemmte Straße und Stromausfälle. Neun Menschen wurden durch Blitzschläge verletzt. Von Hamburg über Stuttgart bis nach Oberbayern mussten Polizei und Feuerwehr zu zahlreichen Einsätzen ausrücken. Hunderte Straßen und Keller wurden überflutet. Zahlreiche entwurzelte Bäume blockierten den Verkehr.

Bei einem Blitzeinschlag auf einem Sportplatz in Hamburg-Bahrenfeld wurden acht Fußballspieler leicht verletzt und mussten vorsorglich in ein Krankenhaus. In Stuttgart wurde eine Frau durch einen Blitz verletzt. Nach Polizeiangaben war der Blitz offenbar in einen Bauzaun gefahren, dessen Tor die 22-Jährige gerade öffnete, um ein Fahrzeug durchzulassen.

In Göppingen in Baden-Württemberg standen mehrere Tiefgaragen in der Innenstadt unter Wasser. Allein hier musste die Feuerwehr rund 60 Mal ausrücken, da innerhalb einer Stunde rund 100 Liter Wasser pro Quadratmeter gefallen waren. "Dort schwimmen die Fahrzeuge regelrecht und berühren teils mit den Dächer die Decken der unteren Etagen", sagte ein Feuerwehrsprecher.

Im Stuttgarter Raum schlug ein Blitz in ein Stellwerk der Bahn ein. Da die elektronischen Signale danach ausgefallen waren, mussten die S-Bahnen zeitweise mit Schrittgeschwindigkeit fahren.

In Südhessen wurden Straßen durch entwurzelte Bäume blockiert. In Lampertheim (Kreis Bergstraße) schlugen Blitze in zwei Wohnhäuser ein. Menschen kamen nicht zu Schaden. Starke Regenfälle überschwemmten auch die Autobahn 14 zwischen Nossen-Nord und Döbeln-Ost in Sachsen. Zahlreiche Autos steckten in den Fluten fest. Mehrere Autofahrer mussten von der Feuerwehr aus ihren Wagen befreit werden.

Gut 60 Keller wurden in den bayerischen Landkreisen Berchtesgaden und Traunstein überflutet. Nach Angaben der Polizei wurden zudem zahlreiche Bäume entwurzelt. Sie blockierten Straßen oder landeten auf Autos. In Detmold in Nordrhein-Westfalen wurden zwei Häuser von Blitzen getroffen. In zwei Stadtteilen fiel der Strom zeitweise aus.

Quelle: n-tv.de