Panorama

Nachlass der KaiserinSissis Bilder kommen unter den Hammer

16.09.2014, 16:41 Uhr
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Auch das Bild "Kronprinz Rudolf von Österreich" von Tadeusz Ajdukiewicz steht zum Verkauf. (Foto: dpa)

Fans von Sissi können demnächst Bilder aus dem Besitz der Kaiserin ersteigern. Wer sein Konto plündern kann, hat Chancen bei der Auktion erfolgreich zu sein. Manche Bilder gibt's ab 3000 oder 4000 Euro.

Es ist so etwas wie ein kaiserliches Familienalbum: Kaiser Franz Joseph I., seine Frau Elisabeth ("Sissi") und auch ihr Sohn Rudolf hoch zu Ross, das Töchterchen Marie Valerie mit leicht trotzigem Blick. Das Münchner Auktionshaus Neumeister versteigert Gemälde aus kaiserlichem Nachlass. Am 24. September kommen bei der Versteigerung in München rund 100 Gemälde und Grafiken aus dem Besitz der ehemals regierenden Häuser in Bayern und Österreich unter den Hammer, die bislang im Privatbesitz von Nachkommen waren.

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(Foto: dpa)

"Keine Geldnot, keine familiären Zwistigkeiten", sagte der Kunsthistoriker Rainer Schuster vom Auktionshaus zum Verkaufsgrund. "Es ist eine Platzfrage." Und so sind Gemälde, die einst in den Schlössern der Habsburger und Wittelsbacher hingen, nun für jedermann zu haben, der ein paar tausend Euro dafür hinblättern will. "Es ist eine ganz besondere Gelegenheit, diese einzigartige, aus mehreren Nachlässen entstandene Gemäldesammlung versteigern zu dürfen", sagt die Inhaberin des Auktionshauses, Ingrid Stoll.

Das mit Abstand teuerste Bild ist ein Porträt der Kaisertochter Marie Valerie als Kind mit vorwurfsvollem Gesichtsausdruck. Das Gemälde von Hans Makart ist auf 40.000 bis 50.000 Euro taxiert. "Der Kaiser ließ es für seine Frau malen, die in der Zeit viel auf Reisen war", sagte Schuster. "Die Botschaft: Willkommen zurück in Wien, aber fahr nicht mehr so oft weg."

"Das Kind ist abgrundtief hässlich"

Geschichten wie diese stecken hinter vielen der Bilder, die derzeit im Ausstellungsraum des Hauses in der Nähe der Pinakotheken zu sehen sind. Das Porträt von "Sissis" Sohn Rudolf als stattlicher Kronprinz (Taxe: 10.000 bis 15.000 Euro) beispielsweise ist auf das Jahr 1889 datiert, das Jahr, in dem der Kaisersohn sich und seine junge Geliebte Mary Vetsera in der Nacht zum 30. Januar im Schloss Mayerling erschoss. Noch kurz vor diesem tragischen Ereignis hatte Rudolf dem Maler Tadeusz Ajdukiewicz Modell gestanden.

"Es ist ein Zeugnis der letzten Lebenstage", sagt Stoll. Eine weitere Tragödie aus dem Hause Habsburg hat der ungarische Maler Miklós Barabás festgehalten, der die kleine Erzherzogin Sophie in einem weißen Bett, umgeben von Rosen und Lilien zeigt (Taxe: 3000 bis 4000 Euro). Es ist ihr Totenbett. "Gnädigerweise hat er ein mehr schlafendes als verstorbenes Kind gemalt", sagt Schuster. Das Kind starb im Alter von nur zwei Jahren. "Sophie starb in den Armen ihrer Mutter", das Bild von ihr auf dem Totenbett stamme "nachweislich aus dem Privatbesitz der Kaiserin".

Auch Bilder der wenig geliebten Zweitgeborenen Gisela und ihrer Kinder sind zu sehen. Das schlechte Verhältnis zwischen der Kaisertochter und ihrer Mutter zeigt sich nach Angaben Schusters in einem einzigen Satz, den die Kaiserin nach der Geburt von Giselas Kind, ihrem Enkel, nach Wien telegrafierte: "Das Kind ist sehr lebendig, aber abgrundtief hässlich. Es gleicht seiner Mutter sehr." Neben den Habsburgern sind auch zahlreiche Porträts der bayerischen Herrscherfamilie, der Wittelsbacher, zu sehen. Ein Bildnis von "Märchenkönig" Ludwig II. ist auf 3000 bis 4000 Euro taxiert, ein Porträt des ersten bayerischen Königs Maximilian I. Joseph auf 2500 Euro.

Quelle: ntv.de, Britta Schultejans, dpa