Die Juden und JesusStreit um Karfreitagsgebet
Die Wiederzulassung der Karfreitagsfürbitte, in der Katholiken für die Erleuchtung der Juden beten, sei ein Rückfall in längst überwunden geglaubte Zeiten, kritisiert der Vizepräsident des Zentralrats der Juden.
Vertreter von Juden und Katholiken haben Papst Benedikt XVI. mangelnde Rücksicht gegenüber den Juden vorgeworfen. Die Wiederzulassung der Karfreitagsfürbitte, in der Katholiken für die Erleuchtung der Juden beten, sei ein Rückfall in längst überwunden geglaubte Zeiten, rügte der Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Salomon Korn, in der "Frankfurter Rundschau". Gerade von einem deutschen Papst erwarte er mehr Rücksicht auf die Sensibilität der Juden bei diesem Thema.
Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, hat die Karfreitagsbitte ebenfalls scharf kritisiert: "Die Karfreitagsfürbitte impliziert eine subtile Aufforderung zur Judenmission, die ich als brüskierend, überheblich und als deutlichen Rückschritt im christlich-jüdischen Dialog bezeichnen muss", erklärte Knobloch auf Anfrage in München.
Der Papst hatte die Karfreitagsfürbitte für den außerordentlichen lateinischen Ritus neu formuliert. Die Bitte, die nur in wenigen Gemeinden gesprochen wird, lautet nach einer Übersetzung von Radio Vatikan: "Wir wollen beten für die Juden. Dass unser Gott und Herr ihre Herzen erleuchte, damit sie Jesus Christus erkennen, den Heiland aller Menschen."
Der Zentralrat der Juden sieht in dieser Passage einen indirekten Aufruf zur Judenmissionierung, was der Vatikan aber zurückweist. Der Theologieprofessor und katholische Vorsitzende des Gesprächskreises Juden und Christen, Hanspeter Heinz, nannte das Verhalten des Vatikan unglaublich rücksichtslos. Er könne nur hoffen, dass der christlich-jüdische Dialog auf regionaler Ebene diese massive Störung überwindet, sagte Heinz er dem Blatt.
"Für die treulosen Juden"
Das Karfreitagsgebet geht zurück auf das Konzil von Trient, das Mitte des 16. Jahrhunderts einige Dekrete beschloss, um der Herausforderung durch die Reformation zu begegnen. Dort wurde unter anderem die Karfreitagsfürbitte "für die treulosen Juden" (pro perfidis Iudaeis) beschlossen. Erst Papst Johannes XXIII. ließ am Karfreitag 1959 das Wort "perfidus" weg. Später wurde es offiziell gestrichen.
Im Messbuch von 1970 wurde die Karfreitagsfürbitte vollständig überarbeitet und modernisiert. Dort hieß es nun: "Lasst uns beten für die Juden, zu denen Gott, unser Herr, zuerst gesprochen hat: Er bewahre sie in der Treue zu seinem Bund und in der Liebe zu seinem Namen, damit sie das Ziel erreichen, zu dem sein Ratschluss sie führen will."
Benedikt XVI. ließ den alten Messritus aus der Zeit vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962 bis 1965) im vergangenen Jahr als außerordentliche Form wieder zu. Damit stellte sich die Frage, wie mit der alten Karfreitagsbitte verfahren wird. Benedikt veränderte die Fürbitte. Statt "Für die Bekehrung der Juden" (pro conversione Iudaeorum) soll nun "für die Juden" ("pro Iudeis") gebetet werden, "damit sie Jesus Christus erkennen". Weiter heißt es in der Fürbitte: "Allmächtiger ewiger Gott, der Du willst, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen, gewähre gnädig, dass beim Eintritt der Fülle aller Völker in Deine Kirche ganz Israel gerettet wird."