Panorama

Brüsseler Gewalttat Täter bedauert sein Handeln

08.04.2012, 18:51 Uhr
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Die U-Bahnstation Bourse/Beurs im Zentrum von Brüssel ist gesperrt. (Foto: dpa)

Einen Tag nach dem tödlichen Angriff auf einen Mitarbeiter des Brüsseler Nahverkehrs spricht der mutmaßliche Täter. Er habe sein Opfer nicht töten wollen, teilt der 28-Jährige mit. In der belgischen Hauptstadt herrscht unterdessen noch immer Stillstand. Das Innenministerium will künftig mehr Sicherheitsleute in Bussen und Bahnen einsetzen.

Der junge Mann, der einen Mitarbeiter des Brüsseler öffentlichen Nahverkehrs getötet haben soll, stand unter Alkoholeinfluss. Das teilte die Brüsseler Staatsanwaltschaft mit. Zudem habe er den 56-jährigen Angestellten des Brüsseler Nahverkehrsunternehmens STIB nicht töten wollen.

Der STIB-Mitarbeiter wollte am Samstagmorgen einen Unfall zwischen einem Bus und einem Auto dokumentieren. Der Auto-Fahrer kam Medienberichten zufolge nach durchfeierter Nacht aus einer Diskothek, als er sich offenbar noch betrunken hinter das Steuer setzte, eine rote Ampel missachtete und mit seinem Auto in den Bus krachte. Am Unfallort traf der 56-Jährige auf einen herbeigerufenen Bekannten des leicht verletzten Fahrers.

Wie der Unfallfahrer hatte der Kumpel noch Alkohol im Blut. Er redete auf den STIB-Mann ein, der Ton wurde offenbar schärfer, schließlich schlug der 28-Jährige dem STIB-Mitarbeiter ins Gesicht. Die Autopsie bestätigte, dass der Angreifer seinem Opfer nur einen einzigen Schlag mit der bloßen Faust in die Augengegend versetzte. Wenig später starb der zweifache Vater im Krankenhaus. Der zunächst geflüchtete Täter stellte sich der Polizei und gestand den Angriff.

"Ich bedaure mein Handeln und ich hätte nie geglaubt, dass es dazu führen würde", ließ der Verdächtige laut Belga über seine Anwälte ausrichten. Er denke an die Familie des Opfers. Gegen ihn wird nicht wegen Mordes sondern wegen Körperverletzung mit Todesfolge ermittelt.

Fast 1000 Tote in einem Jahr

Aus Protest gegen den tödlichen Angriff auf ihren Kollegen streiken die Mitarbeiter der öffentlichen Brüsseler Nahverkehrsbetriebe inzwischen den vierten Tag in Folge. Die Tat hat eine Diskussion über die Sicherheit in Bussen und Bahnen in Brüssel entfacht.

Bei einem Krisentreffen mit dem STIB-Management und Gewerkschaftsvertretern kündigte Innenministerin Joëlle Milquet an, die Anzahl der Beamten in Bereitschaft zu verdoppeln, bis ab Juni 400 zusätzliche Polizisten zum Einsatz kommen. Um die Gewalt auf Bahnhöfen sowie in Bussen und Bahnen einzudämmen, sollen zudem 50 neue Sicherheitsleute bei den Verkehrsbetrieben eingesetzt werden.

Im Jahr 2010 wurden im öffentlichen Nahverkehr in Brüssel 773 Passagiere und 193 Mitarbeiter angegriffen. Vier Brüsseler Bezirksbürgermeister hatten bereits im Dezember die Regierung zum Handeln aufgefordert. Demnach nahm die Zahl aller Straftaten im Nahverkehrssystem im Jahr 2010 im Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozent auf 3155 Delikte zu. Die Bürgermeister forderten eine stärkere Präsenz der Polizei.

Quelle: ntv.de, dpa