Panorama

Zweites LebenTelefonzellen für den Privatgebrauch

30.04.2014, 10:38 Uhr
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Michendorfer Mosaik - gut 3000 alte Telefonzellen lagert die Telekom nahe Potsdam. (Foto: Google Maps)

Handys haben sie aus dem Straßenbild nahezu verdrängt: In Brandenburg lagern Tausende ausrangierte Telefonzellen. Doch Liebhaber und Nostalgiker müssen auf Quasselbuden nicht verzichten. Es braucht nur einige Euros - und Muskelkraft.

Jahrzehntelang sind sie fester Bestandteil des Straßenbilds. Doch mit dem Siegeszug der Handys werden sie zur Rarität. Im brandenburgischen Michendorf nahe Potsdam lagert die Deutsche Telekom Tausende ausrangierter Telefonzellen. Den immer wieder bei dem Konzern auflaufenden Verkaufsanfragen gibt das Unternehmen nun nach.

Seit Ende vergangenen Jahres können Liebhaber der Fernsprech-Zellen die gelben oder magenta-farbenen Häuschen kaufen. 450 Euro kostet das gelbe Original "TelH78", das magenta-graue Modell "TelH90" ist schon für 350 Euro zu haben, sagte Telekom-Sprecher Georg von Wagner dem "Tagesspiegel". Bislang seien aber erst wenige Exemplare verkauft.

Allerdings müssten Interessenten die 250 und 350 Kilogramm schweren Ungetüme selbst abholen. Insgesamt 3000 kaputte oder nicht mehr benötigte Zellen aus dem Bundesgebiet lagert das Unternehmen dem Bericht zufolge auf dem offiziell als "Fernmeldezeugamt Berlin, Außenstelle Potsdam" bezeichneten Areal. "Die Zellen werden zur weiteren Verwendung dort gelagert und aus defekten Telefonzellen werden neue zusammengebaut und wieder zum Einsatz im gesamten Bundesgebiet bereitgestellt", sagte von Wagner.

Einziges Lager in Deutschland

Es sei das einzige Lager der Telekom in Deutschland, hieß es weiter. Noch immer nähmen die zehn Mitarbeiter wöchentlich neue Telefonzellen an. "Teilweise sind die Unterbringungen noch komplett zu gebrauchen", sagte von Wagner. "Wenn sie defekt sind, schauen unsere Techniker, welche Teile wiederverwendet werden können: Das können Außenteile einer Unterbringung sein, es können aber auch nur Glasscheiben sein oder die Telefonie-Einheit."

Die Nutzungsmöglichkeiten kennen indes kaum Grenzen. Und nicht immer müssen es Duschen oder Unterstellräume sein. Auch im Sinne ihrer eigentlichen Bestimmung - wenn auch modernisiert - finden die Häuschen noch Verwendung. Immer stärker werde das Interesse für den Indoor-Einsatz, sagte der Unternehmensprecher: um in modernen Büroräumen ein ruhigeres Telefonieren mit dem Handy zu ermöglichen. Am häufigsten indes würden aus den ausrangierten Telefonzellen öffentliche Mini-Bibliotheken.

Quelle: ntv.de, jwu