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Es war eine absonderliche Inszenierung, die James Holmes vor Gericht ablieferte - als sei er ein Unbeteiligter.
Es war eine absonderliche Inszenierung, die James Holmes vor Gericht ablieferte - als sei er ein Unbeteiligter.(Foto: dpa)
Sonntag, 29. Juli 2012

Kino-Massaker von Aurora: Todesstrafe für James Holmes?

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Der mutmaßliche Amokschütze gibt Amerika Rätsel auf. Was trieb James Holmes an, als er zwölf Menschen bei einer Kino-Premiere erschoss? Sein erster Auftritt vor Gericht nährte Spekulationen über seinen Geisteszustand. Mal starrte er ins Leere, mal wirkte er verwirrt, mal schläfrig. Am Montag soll Anklage gegen ihn erhoben werden - Todesstrafe nicht ausgeschlossen.

Noch liegt das Motiv des Todesschützen mit den roten Haaren im Dunkeln. Dennoch wird am Montag die Anklage gegen den 24-jährigen Ex-Studenten James Holmes verlesen, der bei einer "Batman"-Vorstellung in den USA aus mehreren Waffen in den Saal feuerte. Zwölf Menschen kamen ums Leben. Bei dem Blutbad am 20. Juli wurden außerdem 58 Zuschauer verletzt. Die Staatsanwaltschaft könnte dafür vor dem Bezirksgericht in Denver die Todesstrafe fordern. Am Wochenende wurden einige der zwölf Opfer beerdigt. US-Medien berichteten, Holmes sei in psychiatrischer Behandlung gewesen.

Kaum zu glauben, dass es sich hierbei um ein und dieselbe Person handelt: Hat James Holmes zwei Gesichter?
Kaum zu glauben, dass es sich hierbei um ein und dieselbe Person handelt: Hat James Holmes zwei Gesichter?(Foto: dpa)

Bei dem Gerichtstermin (Beginn um 17.30 Uhr MESZ) sind diesmal keine Fernsehkameras zugelassen. Beim ersten Termin sahen Millionen Amerikaner einen jungen Mann, der seine Haare rot gefärbt hatte und seltsam abwesend und müde wirkte. Auch dass er seinen Kopf zeitweise nicht gerade halten konnte, nährte Spekulationen über seinen Geisteszustand.

US-Medienberichten zufolge hatte James Holmes der Psychiaterin Lynne Fenton, die auf Schizophrenie und andere psychische Erkrankungen spezialisiert ist, einen Notizblock mit Zeichnungen und Illustrationen des geplanten Massakers zugesandt. Bis heute ist jedoch unklar, ob diese Sendung rechtzeitig eintraf - und ob die Bluttat somit hätte verhindert werden können.

Holmes Anwälte machten geltend, die Aufzeichnungen hätten nicht in die Öffentlichkeit gelangen dürfen. Dies gefährde einen fairen Prozess. Laut dem Sender CNN verlangen die Anwälte, die Papiere zu erhalten. Es handele sich um vertrauliche Mitteilungen zwischen Holmes und seiner Psychiaterin.

In mehreren Bundesstaaten wurden unterdessen am Wochenende Opfer der Bluttat beerdigt. Angehörige in Springfield in Ohio trugen den 27-jährigen Matthew McQiunn zu Grabe, der sich bei dem Massaker schützend über seine Freundin geworfen habe, berichtete die "Washington Post". Die Frau, die durch einen Schuss verletzt wurde, kam ebenfalls zu der Trauerfeier.

"Ich bin ein Joker"

Eine Woche nach dem Kino-Massaker in Aurora nahm die Polizei in der Nähe von Washington einen weiteren möglichen Amokläufer fest. In dessen Wohnung wurden 20 Gewehre und Pistolen sowie große Mengen Munition gefunden, berichtete die Polizei am Freitag. Der Mann habe seinem Arbeitgeber gedroht.

Nach Angaben eines Zeugen habe sich der Verdächtigte am Telefon als "Batman"-Bösewicht Joker ausgegeben - was die Polizei an den mutmaßlichen Todesschützen von Aurora erinnert. "Ich bin ein Joker. Ich werde meine Pistole laden und alle in die Luft sprengen", soll er gesagt haben. Bei seiner Festnahme habe der Mann ein T-Shirt mit dem Aufdruck "Nicht Pistolen töten Menschen - ich töte sie" getragen, ergänzte ein Ermittler.

Der zuständige Polizeichef Mark McGaw sagte, dass es sich vermutlich um eine ernste Gefahr gehandelt habe. "Wir können aber nicht genau ermessen, was wir hier verhindert haben", fügte er hinzu.

Quelle: n-tv.de