Panorama

Hygiene-Skandal in Niedersachsen Tönnies lagerte Fleisch in Ratten-Kühlhaus

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Die Nager bevölkerten das Kühlhaus mehrere Monate lang.

(Foto: picture alliance/dpa)

In einem Kühlhaus für Lebensmittel in Niedersachsen könnten fünf Monate lang Ratten gehaust haben - pikant dabei: Die Einrichtung wurde sporadisch auch vom Fleischkonzern Tönnies genutzt.

Nach den Negativschlagzeilen rund um den Coronavirus-Ausbruch beim Fleischkonzern Tönnies wird das Unternehmen nun wieder in einem Fall genannt, bei dem vielen der Appetit auf Fleisch vergehen dürfte. So soll "sporadisch" Tönnies-Fleisch in einem niedersächsischen Kühlhaus gelagert haben, das von Ratten befallen wurde, die monatelang jeglicher Bekämpfung trotzten. Allerdings scheint Tönnies hier in erster Linie Opfer mangelnder Hygiene seitens des Kühlhaus-Betreibers und nicht selbst verantwortlich für den Nager-Befall zu sein. Das Unternehmen versichert, dass betroffenes Fleisch sichergestellt worden sei.

Der Fall schwelt bereits seit Monaten, am Mittwoch gab es eine neue Entwicklung, als das Verwaltungsgericht Osnabrück einen Eilantrag zweier Firmen zurückwies, die sich gegen harte Auflagen der Justiz zur Wehr setzen wollten. Demnach gab es schon im Januar dieses Jahres Hinweise darauf, dass sich in dem Haus im niedersächsischen Dissen die Nager tummelten. Gegenmaßnahmen blieben demnach monatelang erfolglos, im April wurde dann der Veterinärdienst auf das Problem aufmerksam.

"Es seien Kotpillen, Laufwege, Fellreste und Anzeichen für Nestbau der Ratten in einem Umfang gefunden worden, der auf eine sehr große Rattenpopulation hindeute", heißt es in einer Mitteilung des Verwaltungsgerichtes. Maßnahmen zur Bekämpfung hätten keinen Erfolg gezeigt, die Ratten "bevölkerten" das gesamte Gebäude. Im Juni ordnete das Gericht an, sämtliches Fleisch aus dem betroffenen Zeitraum zu vernichten und zwang den Fleischzerlegebetrieb LVD Fleisch GmbH, die Produktion sofort einzustellen. Auch die EU-Zulassung musste das Unternehmen abgeben.

Ratten trotzten "massiv erhöhten Maßnahmen"

Das Unternehmen war aber nur Mieter des Kühlhauses, das einer Firma namens Nagel Transthermos gehört. Dort schiebt man dem Mieter die Verantwortung für das Hygiene-Desaster zu, wie das "Haller Kreisblatt" berichtet. Als Vermieter habe man keinen Zutritt zu dem Gebäudeteil gehabt, wird ein Unternehmenssprecher zitiert. Im Januar habe dann die turnusmäßige Kontrolle des eigenen Schädlingsbekämpfers stattgefunden, der auf den Rattenbefall aufmerksam wurde. Aber auch dessen "massiv erhöhten Maßnahmen zur Schädlingsabwehr" blieben anscheinend erfolglos.

Das traf dann auch den Tönnies-Konzern, der, wie dessen Sprecher André Vielstädte dem "Kreisblatt" sagte, die Einrichtung "sporadisch in einem geringen Umfang für beispielsweise die Lagerung von Waren" in Anspruch nahm. Mit dem Zerlegebetrieb LVD Fleisch habe man keine Geschäfte gemacht. Tatsächlich wurde Fleisch auch in dem von Ratten befallenen Teil des Gebäudes gelagert, dies sei aber sicher gestellt worden sei, wie Vielstädte, aber auch der Sprecher des Landkreises Osnabrück, Burkhard Riepenhoff, der Zeitung übereinstimmend sagten. Dennoch muss erst noch ermittelt werden, ob möglicherweise anderes Fleisch aus dem Kühlhaus in den Handel gelangte. Kühlhaus-Betreiber Nagel-Transthermos kündigte derweil an, den betroffenen Standort in Dissen zu schließen.

Quelle: ntv.de, vpe