Panorama

Gedenkfeier in HamburgTränen zum Abschied von Zadek

11.10.2009, 18:03 Uhr

"Auf irgendeine Art ist er immer noch im Theater": In Hamburg haben Freunde und Weggefährten Abschied vom im Juli verstorbenen Theaterregisseur Peter Zadek genommen. Unter den Gästen waren auch Claus Peymann und Udo Lindenberg.

2mx05407-jpg2338148091418235125
"Keine Imitationen vom Leben gezeigt: "Theaterregisseur Jürgen Flimm spricht bei einer Gedenkfeier für Peter Zadek in Hamburg. (Foto: dpa)

"Wann ist es vorbei mit dem Theater? Wenn Ihr mich begrabt. Dann wird es wohl vorbei sein. Aber wer weiß, vielleicht gibt es da auch ein Theater", hatte Peter Zadek in einem seiner letzten Interviews gesagt. Sein Wunsch sollte in Erfüllung gehen: Mit einem bewegenden Fest haben in Hamburg Freunde und Weggefährten Abschied von dem großen Theaterregisseur genommen. In einer Matinee im Schauspielhaus erinnerten unter anderem die Berliner Intendanten Jürgen Flimm und Claus Peymann an den Ausnahmeregisseur, der Ende Juli im Alter von 83 Jahren gestorben war. Zahlreiche Mitglieder seiner "Schauspieler-Familie", darunter Angela Winkler, Eva Mattes, Uwe Bohm, Hannelore Hoger und Otto Sander trugen Texte und Lieder vor.

"Wenn ein Theater spannend ist, auch wenn man es ablehnt, bleibt es im Kopf", zitierte Flimm aus einer Diskussionsrunde mit Zadek. "Er hat uns keine Imitationen vom Leben gezeigt, auch keine der beliebten Reduktionen, sondern er hat uns mit einer heftigen Debatte über das Leben überfallen", meinte Flimm und zitierte nochmals Zadek: "Ob sie buhen, oder klatschen - ist mir egal, solange sie reagieren. Jemand, der sich langweilt, schläft ein." Peymann bezeichnete Zadek als "einen nach innen schauenden Regisseur mit einer großen, tiefen Menschenkenntnis". "Diese unheimliche Freiheit, dass Theater alles kann, die er uns gegeben hat, das ist etwas, wofür wir ihm zu danken haben", sagte der Intendant des Berliner Ensembles.

"Wir haben einen großen Schatz verloren"

2mx40655-jpg7694617295024024337
Auch Udo Lindenberg erwies Peter Zadek die Letzte Ehre. (Foto: dpa)

Musikalisch umrahmt wurde die Gedenkfeier vom israelischen Klarinettisten Giora Feidman, Pianist Charly Wesseler und Sänger Udo Lindenberg. Auch Zadeks Enkel Poppy und Felix Zadek-Ewing trugen ein A-Capella-Stück vor. In Filmausschnitten kam der große "Zauberer" und "Anarchist", der das deutsche Regietheater revolutionierte, selbst zu Wort. "Der Beitrag von Peter zum heilenden Prozess zwischen Juden und Deutschen ist immens", meinte Feidman. Zadek wurde 1926 in Berlin geboren. Die jüdische Familie musste 1933 nach England emigrieren, 1958 kehrte Zadek nach Deutschland zurück. Nach Stationen in Ulm, Bremen und Bochum war Zadek von 1985 bis 1989 Intendant am Hamburger Schauspielhaus und feierte hier seine größten Erfolge.

Sichtlich bewegt betraten die Schauspielerinnen Ilse Ritter und Hannelore Hoger die Bühne. Sie mussten ihren Vortrag mehrmals unterbrechen, weil ihnen die Tränen kamen. "Mit ihm scheint eine ganze Welt zu verschwinden", sagte Ritter. "Aber auf irgendeine Art ist er immer noch im Theater. Das Theater war sein Zuhause. Nur so erschien ihm das Leben sinnvoll", sagte die Schauspielerin. "Wir haben einen großen Schatz verloren", sagte Hoger, die in Ulm ihre Zusammenarbeit mit Zadek begonnen hatte. Sie trug gemeinsam mit Zadeks Lebensgefährtin Elisabeth Plessen sehr persönliche Gedichte vor, die die Schriftstellerin Plessen an ihre große Liebe schrieb: "Es tut auch weh, einen Menschen so zu lieben."

Zu Zadeks größten Erfolgen in Hamburg gehörten "Othello" mit Ulrich Wildgruber und Eva Mattes, Wedekinds "Lulu" mit Susanne Lothar und die Revue "Andi" mit Uwe Bohm. Am St. Pauli-Theater hatte Zadek zuletzt "Der bittere Honig" von Shelagh Delaney und "Nackt" von Luigi Pirandello inszeniert. Sein Versuch, Anfang der 90er Jahre auch im Leitungsteam des Berliner Ensembles mitzuarbeiten, endete allerdings glücklos. Sein Lebenstraum zerplatzte noch im hohen Alter, als er die "Was ihr wollt"-Inszenierung als Einstand einer neuen freien Theaterproduktion krankheitsbedingt absagen musste. Seine letzte Ruhe fand Zadek in Italien, wo er in der Toskana hoch über den Bergen von Lucca ein Sommerhaus hatte.

Quelle: Carola Große-Wilde, dpa