Fernreisen liegen im TrendTui erhöht die Sommer-Preise
Reiseveranstalter Tui kündigt für die kommende Sommersaison steigende Preise an. Begründet wird dies mit der Luftverkehrssteuer. Für 2011 sieht der Konzern trotzdem vor allem bei den Fernreisen einen Wachstumsmarkt. Bereits in der laufenden Wintersaison gibt es einen Anstieg bei den Buchungen.
Beim Reiseveranstalter Tui werden die Preise für die kommende Sommersaison angehoben: Urlaubsziele auf der Kurz- und Mittelstrecke würden 2011 im Vergleich zu diesem Sommer um durchschnittlich 2,5 Prozent teurer, sagte Deutschland-Chef Volker Böttcher bei der Vorstellung der Sommerkataloge in Istanbul. Bei Fernzielen müsse mit Aufschlägen von 3 Prozent gerechnet werden. Verantwortlich für die steigenden Preise sei die Luftverkehrssteuer, sagte Böttcher. Sie sei ein ordnungspolitischer Fehler. Ohne die Abgabe wären die Preise nahezu stabil geblieben.
Aber nicht überall wird der Sommerurlaub teurer. So sinken die Preise auf den Balearen um 1 Prozent und auf den Seychellen um 4 Prozent. Die Kanarischen Inseln verteuern sich dagegen um 3,5 Prozent, die Türkei um 6 Prozent. In Asien ziehen die Preise um 7 Prozent an, in Südafrika wegen des ungünstigen Wechselkurses sogar um 9 Prozent.
Auch 1-2-Fly wird teurer
Auch bei der Tui-Marke 1-2-Fly werden die Preise angehoben. Die Preise lägen im Schnitt um 2,5 Prozent über denen in diesem Jahr, sagte Markenchef Oliver Müller-Dukat in Istanbul. In den Tagen zuvor hatten bereits mehrere andere Veranstalter die Preise für die kommende Sommersaison erhöht. Der Grund für die Verteuerung sei, dass Hoteliers und Fluggesellschaften nach dem Ende der Wirtschaftskrise wieder die Preise erhöht haben, hieß es. Außerdem mache die Luftverkehrssteuer Flugreisen teurer. Die Preise für Autoreisen bleiben dagegen stabil. Im vergangenen Jahr hatte 1-2-Fly die Preise noch um sieben Prozent gesenkt.
Im kommenden Sommer startet Tui zudem zwei neue Hotelkonzepte. Die "Puravida Resorts" seien vor allem für Urlauber mittleren Alters mit gehobenen Ansprüchen konzipiert, "Tui Best Family Hotels" lösen die "Schöne Ferien Clubs" ab, die den Bedürfnissen von Familien nicht mehr entsprochen hätten. Speziell auf Zielgruppen zugeschnittenen Hotels gehöre die Zukunft, sagte Böttcher. Als neues Urlaubsgebiet nimmt der größte deutsche Veranstalter nun Jordanien mit zehn Hotels und zwei Rundreisen in sein Sommerangebot auf. Bisher war das Land nur für den Winter buchbar. Insgesamt liefert Tui 35 Kataloge mit mehr als 6500 Hotels in die Reisebüros.
Flotte für Flusskreuzfahrten wird ausgebaut
Grundlage für die beiden neuen Hotelkonzepte waren laut Tui Untersuchungen zu Lebensstilen und Urlaubsbedürfnissen. In den Vier- und Fünf-Sterne-Hotels der Marke "Puravida" sollen die Bereiche für Aktivitäten und für Entspannung klar getrennt sein. Für den Sommer können zwei Hotels in Belek (Türkei) und auf der griechischen Insel Kos gebucht werden. Die 29 Anlagen der Linie "Best Family" bieten meist drei bis vier Sterne und All-Inclusive-Versorgung, Strandlage oder Pool mit Rutsche sowie deutschsprachige Kinderbetreuung.
Als Wachstumsbereich für die kommenden Jahre sieht Tui die Fernreisen. So baut der Veranstalter sein USA-Angebot für den Sommer 2011 im Vergleich zu diesem Jahr um 20 Prozent aus. Urlauber können neben 95 neuen Hotels in den USA und Kanada nun auch eine geführte Motorradtour durch den Westen der Vereinigten Staaten buchen. Für Rundreisen in Australien und Neuseeland erhalten Urlauber als Neuheit einen personalisierten Reiseführer inklusive GPS-Gerät. Und bei den Flusskreuzfahrten versucht Tui, mit dem Ausbau seiner Flotte auf sechs Schiffe den Anschluss an den Trend zu schaffen.
Last-Minute-Buchungen gehen zurück
Die gute Konjunkturlage beschert Tui Deutschland in diesem Winter ein sattes Plus bei den Buchungen. Bisher seien zehn Prozent mehr Reisen verkauft worden als im Vorjahr, teilte der größte deutsche Veranstalter weiter mit. Bei den Fernreisen hätten die Buchungen um 30 Prozent angezogen, für die wichtigen Reiseziele Türkei und Mallorca hätten 15 Prozent mehr Urlauber gebucht als in diesem Sommer. Der Trend zu Last-Minute-Reisen, der den Gewinn der Veranstalter schmälert, sei rückläufig.
Auch für den Sommer 2011 hofft Tui, mehr Reisen zu verkaufen. Böttcher sieht für die kommenden Jahre besonders die Fernreisen als Wachstumsmarkt - obwohl die Luftverkehrsabgabe in diesem Bereich am höchsten ist. Zur Fernreise-Strategie gehört auch die Übernahme des Veranstalters Boomerang Reisen aus Trier. Vor kurzem erwarb Tui 49 Prozent der Anteile an dem Spezialisten für Australien und Neuseeland. In einem weiteren Schritt will Tui sich die Mehrheit der Anteile sichern. Ansonsten seien vorerst keine Zukäufe geplant, erklärte Böttcher. Man wolle organisch wachsen, bei der Spezialtouristik wie Flusskreuzfahrten und bei exklusiven Hotelmarken.
Familienangebot werden betont
Neu im 1-2-Fly-Programm sind die Region Malaga in Andalusien, die Kanareninsel La Gomera und die Inseln Losinj, Pag und Brac in Kroatien. Urlaub in Marokko und Venezuela wird dagegen 2011 nicht mehr in den Sommerkatalogen angeboten. In Venezuela sei das Verhältnis von Preis und Leistung zu schlecht gewesen, erklärte Müller-Dukat, Marokko wurde zu wenig gebucht.
Wie andere Veranstalter wie Neckermann, ITS oder die eigene Mutter Tui betont auch 1-2-Fly für den Sommer 2011 sein Familienangebot. Neu ist hier die Hotellinie "Splash": In der Türkei und Ägypten bietet die Marke im kommenden Sommer sieben Hotels mit großen Pools und jeweils rund zehn Wasserrutschen an. Außerdem können Familien rund ums Mittelmeer und in Ägypten sechs neue "Fun Clubs" und acht neue "Solino Kinderclubs" buchen. Insgesamt bietet 1-2-Fly in seinen acht Sommerkatalogen 1337 Hotels in 22 Ländern an. Das ist rund ein Dutzend weniger als im Sommer 2010.