Panorama

Wehrlosen Mann erschossenUS-Polizist erhält zwei Jahre Haft

06.11.2010, 11:19 Uhr
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In Oakland kam es nach dem Urteil zu Protesten. (Foto: ASSOCIATED PRESS)

Der 22-jährige Oscar Grant wurde am Neujahrstag 2009 mit dem Gesicht nach unten liegend von einem Polizisten erschossen. Ein Richter in Los Angeles spricht den Polizisten vom Vorwurf des Mordes frei - es habe sich um "versehentliches" Schießen gehandelt.

In Kalifornien ist ein ehemaliger Polizist, der einen unbewaffneten Afroamerikaner erschossen hatte, mit einer milden Strafe davongekommen. Ein Richter in Los Angeles verhängte eine zweijährige Haftstrafe gegen den 28-jährigen Johannes Mehserle. Im Juli war der Ex-Polizist von einer Jury der fahrlässigen Tötung schuldig befunden worden. Vom Vorwurf des Mordes wurde er freigesprochen.

Der "Los Angeles Times" zufolge hätte Richter Robert J. Perry eine bis zu 14-jährige Haftstrafe verhängen können. Mehserle sagte aus, er habe einen Elektroschocker statt der Pistole ziehen wollen, und auch der Richter sah den Fall als "versehentliches Schießen" an. Dagegen hatte die Staatsanwaltschaft von einem vorsätzlichen Verbrechen gesprochen.

Angehörige weinen, Richter entschuldigt sich

Angehörige des Opfers zeigten sich schockiert, einige brachen im Gerichtssaal in Tränen aus, als die milde Strafe verkündet wurde. Richter Perry betonte zwar, es gebe "überwältigende" Hinweise, dass Mehserle nicht mit Absicht geschossen habe, entschuldigte sich jedoch für sein Urteil: "Ich verstehe sehr gut, dass meine heutige Entscheidung von vielen Menschen nicht gut aufgenommen werden wird. Das tut mir leid. Ich kann nur sagen, dass ich mein Bestes gegeben habe."

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Nach der Demonstration einiger hundert Menschen kam es zu Krawallen. (Foto: ASSOCIATED PRESS)

Der 22-jährige Afroamerikaner Oscar Grant war am Neujahrstag 2009 in Oakland auf dem Rückweg von einer Silvesterfeier in einer U- Bahnstation in eine Rauferei verwickelt worden. Bei anschließenden Festnahmen kam es zu einem Handgemenge. Der unbewaffnete Grant lag mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden und hatte die Hände auf dem Rücken, als der Polizist den tödlichen Rückenschuss abgab.

Erinnerung an Rodney King

Passanten hatten den Vorfall mit Handy-Kameras aufgenommen. Die Videoaufzeichnungen wurden im Internet und in Nachrichtensendungen verbreitet. Die Tötung des unbewaffneten Afroamerikaners hatte in Oakland zu Protesten, Ausschreitungen und dem Ruf nach einer gründlichen Untersuchung von Polizeibrutalität geführt.

Die Aufnahmen weckten bei vielen Betrachtern Erinnerungen an das Video eines Amateurfilmers von der brutalen Festnahme des Afroamerikaners Rodney King im März 1991, der damals von Autobahnpolizisten mit Schlagstöcken misshandelt worden war. Der Freispruch der vier weißen Polizisten führte 1992 in Los Angeles zu schweren Rassenunruhen, bei denen mehr als 50 Menschen ums Leben kamen.

Quelle: hvo/dpa