Panorama
(Foto: dpa)
Freitag, 29. Oktober 2010

Alice Schwarzer hakt nach: Urlaub mit Freundin gespendet

Die Spenden sollten Frauen in Not helfen. Die Frage, was er wohl Gutes damit bewirkt habe, kann der Chef des gemeinnützigen Vereins Hatun & Can offenbar nicht beantworten. Nun steht der 41-Jährige vor Gericht.

"Emma"-Chefredakteurin Alice Schwarzer hatte die Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Spendenbetrüger ins Rollen gebracht: Vor dem Berliner Landgericht begann nun der Prozess gegen den Vorsitzenden des Frauennothilfe-Vereins Hatun & Can. Der Vereinschef soll Spendengelder erschlichen und einen Teil davon für seinen privaten Luxus ausgegeben haben. Dessen Anwalt stellte erst einmal einen Befangenheitsantrag gegen die Strafkammer und wies gleich zum Auftakt des Prozesses die Anklage als rechtswidrig zurück.

Noch bevor die Anklage am Landgericht verlesen wurde, stellte Verteidiger Hubert Dreyling seinen Befangenheitsantrag. Knapp zwei Stunden lang trug er vor, warum er die Vorwürfe für "absurd, boshaft und abenteuerlich" hält. Der 41-jährige Vereinschef habe sich nicht bereichert. Vielmehr habe er viele Helfer, die Hartz IV-Leistungen bezogen, in bar und schwarz bezahlt, sagte der Anwalt. Der Angeklagte selbst habe in erbärmlichen Verhältnissen gelebt. Zudem sei er als Vertrauensmann des Verfassungsschutzes in Bordellen und Bars unterwegs gewesen.

Dreyling warf den Richtern vor, seinen Mandanten vorverurteilt zu haben. "Die Berliner Justiz hat Alice Schwarzer einen roten Teppich ausgelegt", sagte Dreyling. Die Verteidigung werde behindert. Die Staatsanwaltschaft wies den Vorwurf einer willkürlichen Anklage zurück.

Schwarzer spendete eine halbe Million Euro

Der Vereinschef sitzt seit Ende März in Untersuchungshaft. Auch die Frauenrechtlerin Schwarzer gehörte zu den Spendern. Sie überwies eine halbe Million Euro auf das Vereinskonto. Das Geld hatte sie bei einer Prominentenausgabe der RTL-Show "Wer wird Millionär?" mit Günter Jauch gewonnen. Als sie später nachfragte, was der Verein mit dem Geld Gutes getan habe, erhielt sie nach eigenen Angaben keine klare Auskunft. Da erstattete sie Strafanzeige. Laut Anklage bekamen nur wenige Frauen Unterstützung.

Insgesamt 690.000 Euro soll der Angeklagte mit falschen Angaben zum Vereinsgeschehen erschlichen haben. Einen Teil des Geldes soll er privat verbraucht haben, etwa für Hotels und Reisen mit seiner Freundin.

Der Verein Hatun & Can war 2006 nach dem "Ehrenmord" an der Berliner Deutsch-Türkin Hatun Sürücü gegründet worden. Er soll Frauen helfen, die von Zwangsheirat und Gewalt bedroht werden, und wurde nach Hatun und ihrem kleinen Sohn benannt, der nach dem Mord in eine Pflegefamilie kam.

Quelle: n-tv.de

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