Panorama

Die Sarrazins und ihre SchnippchenUrsula macht es wie Thilo

26.01.2011, 11:09 Uhr

Den Zeitpunkt für ihr vorzeitiges Ausscheiden aus dem Schuldienst hat sie selbst bestimmt - schon vor Monaten und vor der Kritik an ihr. Darauf legt die Berliner Lehrerin Ursula Sarrazin Wert. Wie ihr Mann Thilo schlägt auch sie zum Schluss eine überraschende Volte.

Thilo-Sarrazin-Ursula
Das Ehepaar Thilo und Ursula Sarrazin: Der Berliner Ex-Finanzsenator weist die wiederholten Vorwürfe gegen seine Frau aus den Jahren 2002 und 2009 zurück. (Foto: picture-alliance/ dpa)

Sie ist genauso streitbar wie ihr Mann Thilo. Das hat die Berliner Grundschullehrerin Ursula Sarrazin jetzt alle Gegner gelehrt. Statt zu Beginn des öffentlichen Proteststurms gleich zu sagen: "Ich will sowieso aufhören", trotzte die 59-Jährige wochenlang den teils heftigen Angriffen auf ihren konservativ-autoritären Unterrichtsstil. Sie sei nicht streng, sondern konsequent, sagte sie über sich in mehreren Interviews.

Dabei hätte Ursula Sarrazin es sich leicht machen können. Denn den Entschluss, früher den Schuldienst zu quittieren, hatte sie nach eigenem Bekunden davor gefasst. So schlug die umstrittene Lehrerin zu guter Letzt allen ein Schnippchen - getreu der Dramaturgie beim Abgang ihres Mannes.

Anfang September hatte der ebenfalls umstrittene Buchautor und Berliner Ex-Finanzsenator genauso überraschend bekanntgegeben, er werde sich aus der Bundesbank zurückziehen. Zuvor hatte ihm jedoch fast die gesamt Politprominenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel über seinen SPD-Parteichef Sigmar Gabriel bis zu Bundespräsident Christian Wulff den freiwilligen Rückzug nahegelegt. Seine eigenwilligen Thesen von mangelnder Intelligenz und Integrationsfähigkeit muslimischer Zuwanderer passten nicht zur politischen Zurückhaltung der Bundesbank.

Wie der Herr, so's Gescherr

Auch Ursula Sarrazin wünschten sich Kollegen und Eltern in den Ruhestand. Sie warfen ihr vor, Kinder anzuschreien, einzuschüchtern und zu beleidigen. Das wies sie stets zurück. So wollte sie auch nicht gehen. "Das ist ein regelrechtes Fertigmachen, und das möchte ich den Leuten nicht einfach durchgehen lassen. Sogar in ausländischen Zeitungen werde ich bloßgestellt und als Lehrerin total infrage gestellt", beschwerte sie sich in der "Bild am Sonntag".

Nun geht die Lehrerin hocherhobenen Hauptes, ohne vor ihren Kritikern einzuknicken. Das hätten seine Frau und er sich schon bei seinem Ausscheiden aus der Bundesbank im Herbst überlegt, sagte Thilo Sarrazin. "Meine Frau wird im September 60. Wäre ich bei der Bundesbank geblieben, wäre sie mit 63 aus dem Schuldienst ausgeschieden." So wollten lieber beide die vorzeitige Berufsaufgabe gemeinsam genießen. "Das ist ja mein endgültiger Berufsstopp, den entscheidet man nicht, nur weil ein paar Leute ihr Mütchen kühlen wollen", erklärte Ursula Sarrazin der "Bild".

Die Beurlaubung eines Beamten sei möglich, sagt der Berliner GEW-Sprecher Peter Sinram. "Keine Arbeit, kein Geld, keine Pensionsansprüche für die Zeit." Im Normalfall müsse ein triftiger Grund dafür genannt werden wie die Pflege der Eltern. Doch auch ohne so einen Grund dürfte der Antrag von Ursula Sarrazin bei der Berliner Schulverwaltung auf offene Ohren stoßen - um des Schulfriedens willen.

Quelle: Kirsten Baukhage, dpa