Das Wandern ist des Deutschen LustVerband verliert Mitglieder
Wandern gehört zu den liebsten Freizeitbeschäftigungen der Deutschen. Trotzdem laufen dem Wanderverband die Mitglieder weg. "Viele meinen, sie müssten allein bleiben, nutzen aber dennoch unsere Infrastruktur", klagt der Vereinssprecher.
Wandern gehört zu den liebsten Freizeitbeschäftigungen der Deutschen. Nach einer Erhebung des Wanderverbandes bezeichnen 34 Millionen Menschen das Wandern als ihr Lieblingshobby im Freien. Der 1883 in Fulda gegründete Verein selbst hat in seinen 58 regionalen Gliederungen 600.000 Mitglieder. Die Wanderer sind im Durchschnitt 48 Jahre alt.
In Deutschland gibt es 300.000 Kilometer Wanderwege, mit kleineren Routen kommt man sogar auf 400.000 Kilometer. Das ist das zehnfache des Erdumfanges. Wollte ein Wanderer alle diese Wege erlaufen und wäre täglich zwölf Stunden ohne Pause unterwegs, müsste er mehr als 18 Jahre stramm marschieren - jeden Tag.
Mitgliederverlust wegen Bindungsangst
Trotz der Popularität des Wanderns verliert der Deutsche Wanderverband Mitglieder. "Es gibt die gesellschaftliche Entwicklung, keine Bindung einzugehen. Das spüren auch wir", sagte Vereinspräsident Hans-Ulrich Rauchfuß zur Eröffnung des 109. Deutschen Wandertages im nordwesthessischen Willingen. Deshalb solle die Mitgliederwerbung, gerade im Internet verstärkt werden. Der Verein erwartet bis zur Schlusskundgebung am Montag mehrere Zehntausend Gäste. Höhepunkte der Veranstaltung ist ein großer Festumzug am Sonntag.
Zahlen zur Entwicklung wollten Rauchfuß und Vereinssprecher Jörg Haase nicht nennen. "Es ist nicht gerade sprießend, sondern stagnierend bis rückläufig", sagte Haase. "Viele meinen, sie müssten allein bleiben, nutzen aber dennoch unsere Infrastruktur." Deshalb gebe es zwar viele Wanderer, aber weniger Mitglieder. "Alle Vereine verlieren Mitglieder", sagte Rauchfuß. Gerade Jugendliche würden sich eher abkapseln und allein sein. "Aber wenn sie dann junge Erwachsene sind, erinnern sie sich an schöne Kindheitserinnerungen und kehren zum Wandern zurück."
Im Vordergrund der Veranstaltung stünden die Themen Qualität und Gesundheit, sagte Verbandsgeschäftsführerin Ute Dicks. Im Rahmen des Wandertages würden deshalb die ersten "Gesundheitswanderführer" ihre Zeugnisse erhalten. "Das sind 39 erfahrene Wanderer, darunter neun Physiotherapeuten, die Menschen zur Bewegung zurückbringen sollen. Sie sollen den Weg von der Couch in die Natur weisen." Viele Menschen würden sich kaum bewegen, dann könne eine lange Wanderstrecke der Gesundheit schaden. "Deshalb wollen wir mit kontinuierlichen Aufbaukursen den Weg zurück zur Bewegung zeigen."