Panorama

Supermarkt-Erpresser Verdächtiger ist "exzentrischer Einzelgänger"

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Polizeivizepräsident Stürmer demonstriert, wie viel Ethylenglykol der Verdächtige mutmaßlich verbraucht hat.

(Foto: picture alliance / Felix Kästle/)

Die Ermittler sind sicher, den Supermarkt-Erpresser gefasst zu haben. Nach der Festnahme am Freitag habe sich der Tatverdacht "von Stunde zu Stunde weiter verdichtet", sagt Polizeivizepräsident Stürmer. Entwarnung wollen die Behörden noch nicht geben.

Im Fall der Erpressung mehrerer Handelsketten mit vergifteten Lebensmitteln haben die Ermittler einen 53 Jahre alten Deutschen festgenommen. Der Mann steht unter dringendem Tatverdacht der schweren räuberischen Erpressung. Er wurde am Nachmittag dem Haftrichter vorgeführt, sagte Oberstaatsanwalt Alexander Boger bei einer Pressekonferenz in Konstanz.

Der Mann aus Ofterdingen bei Tübingen war nach Hinweisen aus der Bevölkerung am Freitagnachmittag im Raum Tübingen festgenommen worden. Bisher hat er die Tat nicht gestanden. "Der Täter macht derzeit keine Angaben", sagte der Konstanzer Polizeivizepräsident Uwe Stürmer. Nach einem Verhör durch einen Ermittlungsrichter wurde Haftbefehl erlassen.

Die Festnahme erfolgte am Freitag, nachdem die Polizei den Fall am Donnerstag publik gemacht und Videoaufnahmen des mutmaßlichen Täters veröffentlicht hatte. Im Callcenter der Polizei habe es danach "gebrummt", sagte Stürmer. 1500 Anrufe und 400 Mails seien dort eingegangen, überwiegend von besorgten Bürgern, die um Auskunft gebeten hätten. Aber es seien auch knapp 300 Hinweise darunter gewesen.

Der Tatverdächtige sei durch mehrere Hinweise ermittelt, dann beobachtet und festgenommen worden. Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung in Ofterdingen im Landkreis Tübingen sei eine Flasche mit Ethylenglykol gefunden worden. Derzeit würden weitere Spuren ausgewertet, aber der Tatverdacht habe sich "von Stunde zu Stunde weiter verdichtet". Die Ermittler seien "der festen Auffassung, die richtige Person festgenommen zu haben".

"Keine komplette Entwarnung"

Ethylenglykol war auch in fünf Babygläschen gefunden worden, die der Täter vergiftet hatte. Über diese fünf Gläschen hatte er die Polizei informiert – damit wollte er seinem Erpressungsversuch Nachdruck verleihen. Diese Gläschen wurden nach der Warnung im September sichergestellt. Allerdings habe der Täter nicht ausschließen können, dass die Babygläschen verkauft würden, nachdem er das Ethylenglykol dort eingebracht habe, sagte Stürmer. "Insofern war das schon ein sehr gefährlicher Fall."

Stürmer hielt bei der Pressekonferenz eine ungefähr zur Hälfte gefüllte 0,5-Literflasche hoch, um zu demonstrieren, wie viel Ethylenglykol gefunden wurde. Die fehlende Menge sei vermutlich in die Babygläschen gefüllt worden. Sicher sei die Polizei jedoch nicht. "Wir behalten die Warnmeldung aufrecht, bis wir da Klarheit haben." Durch die Festnahme habe sich die Gefahr vergifteter Produkte reduziert, "aber es wäre vorschnell, schon eine komplette Warnung zu geben", so Stürmer.

Der Polizeivizepräsident beschrieb den Tatverdächtigen als "Person, die in ihrer Biografie durchaus Brüche hat", als Einzelgänger und "exzentrisch". Oberstaatsanwalt Boger sagte, der Mann habe "strafrechtliche Vorbelastungen".

Zu der Frage, warum der mutmaßliche Erpresser im Großraum Konstanz aktiv geworden sei, sagte Stürmer, der Tatverdächtige habe einmal in einer Stadt am Bodensee gewohnt, daher sei ihm die Region nicht unbekannt.

Laut Boger drohen ihm zwischen 5 und 15 Jahren Haft im Fall einer Verurteilung. Boger schloss eine mögliche Beschuldigung auch wegen versuchter Tötung nicht aus. In dem Fall könnte er bei einem Schuldspruch auch zu lebenslanger Haft verurteilt werden.

Quelle: ntv.de, hvo/dpa