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Anschnallen im Reisebus ist Pflicht Viele fahren ohne Gurt

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1992 sterben 21 Menschen beim schwersten Unglück der vergangenen Jahre bei Donaueschingen.

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In Reisebussen müssen sich Fahrgäste schon seit Längerem anschnallen. Allerdings wird die Regelung sträflicherweise oft lax gehandhabt. Dabei können die Gurte bei einem Unfall schlimme Folgen verhindern.

Vielen Reisenden ist nicht geläufig, dass auch in Bussen eine Anschnallpflicht gesetzlich vorgeschrieben ist. Das gilt sogar grundsätzlich für alle Mitfahrer, also auch die Servicekräfte oder einen Reiseleiter an Bord. Servicekräfte dürfen allerdings, um ihre Aufgaben zu erfüllen, ihren Sitzplatz verlassen. Der Reiseleiter hingegen darf nur kurz aufstehen, etwa um bei Schulklassen ordnend einzugreifen.

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Im März 2010 sterben zwei Busreisende auf der A8 bei Ulm.

(Foto: picture alliance / dpa)

Für die Reisenden ist es selbstverständlich erlaubt, im Gepäcknetz verstaute Dinge zu holen oder die Bordtoilette zu benutzen. Aber auch hier gilt: Der Gurt darf nur kurz gelöst werden und muss sofort danach wieder angelegt werden. Anders sieht es allerdings bei Linienbussen aus. Für diese gibt es bisher keine Gurtpflicht. Der Gesetzgeber plant eine entsprechende Regelung.

Fahrer in der Pflicht

Für Versicherungen ist es also durchaus nachvollziehbar, wenn bei einem Unfall zwei oder drei Personen nicht angeschnallt sind. Sind es aber zehn oder mehr, dann können Sachverständige davon ausgehen, dass der Fahrer seiner Aufsichtspflicht nicht nachgekommen ist. Ein Busfahrer kann unter Umständen sogar persönlich haftbar gemacht werden. Deshalb haben viele moderne Reisebusse, wie man es auch vom Pkw kennt, inzwischen akustische Warnsignale im Cockpit. Diese informieren den Fahrer, wenn Reisende nicht angeschnallt sind.

Die Gurtpflicht für Reisebusse wurde in Deutschland zum 1. Januar 1999 gesetzlich verankert. Seit dem 1. Oktober 1999 sind die Hersteller von Reisebussen verpflichtet, ihre Fahrzeuge mit Gurten auszurüsten. Eine Nachrüstpflicht für ältere Busse gibt es wegen technischer und wirtschaftlicher Probleme allerdings nicht. Auf EU-Ebene gibt es seit Mai 2006 eine Pflicht zum Anschnallen in Reisebussen. Sie gilt streng genommen auch für Linienbusse und Nutzfahrzeuge. Allerdings wurden zunächst alte Fahrzeuge von der neuen Regelung ausgenommen, die noch nicht über Sicherheitsgurte verfügen.

Viele Busunglücke mit zahlreichen Toten

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Hier haben die Gurte wahrscheinlich Schlimmeres verhindert: Im Juli 2010 stirbt ein Mensch bei diesem Unfall auf der A42.

(Foto: picture alliance / dpa)

Hintergrund der gesetzlichen Pflicht zum Anschnallen waren einige schwere Busunglücke in den 90er Jahren. Der schwerste Unfall ereignete sich am 6. September 1992 bei Donaueschingen. Nach einem Zusammenstoß mit einem Pkw kam ein Reisebus von der Fahrbahn ab und knallte gegen eine Leitplanke. 21 Menschen starben, 32 weitere wurden verletzt. Am 5. September 1993 geriet ein Bus auf der A2 bei Magdeburg ins Schleudern, kippte auf die Mittelleitplanke und wurde teilweise aufgerissen. Vier Reisende starben bei dem Unfall. Im Januar 1994 kam ein mit 50 Skiausflüglern besetzter Reisebus auf  der Autobahn München-Salzburg von der Fahrbahn ab. Sechs Menschen starben, 14 wurden verletzt, einige von ihnen schwer.

Auch nach der Einführung der Gurtpflicht kam es immer wieder zu schweren Unfällen. Im November 1999 prallte ein Schulbus in Ostbrandenburg gegen einen Baum. Vier Kinder und der Fahrer wurden getötet. Allerdings galt hier für den Linienbus keine Anschnallpflicht. Im August 2003 stürzte auf der A9 bei Sachsen-Anhalt der Bus einer 23-köpfigen Reisegruppe eine Böschung hinab. Fünf Tote und 19 Verletzte waren die Folge. Die Reise zu einer Ostseekreuzfahrt nach Kiel fand so ein jähes, schreckliches Ende.

2010 gab es mehrere Unfälle mit Reisebussen, bei denen Menschen starben. Am 14. März 2010 kam auf der A8 in der Nähe von Ulm ein Bus mit 51 Menschen von der Fahrbahn ab. Zwei Menschen starben bei dem Unglück. Am 18. Juli 2010 stürzte ein Bus auf der A42 bei Kamp-Linfort eine Böschung hinab. 25 Personen wurden leicht verletzt, ein Mensch starb. Die vorgeschriebenen Gurte verhinderten allerdings Schlimmeres.

Einer der letzten schweren Busunfälle in Deutschland ereignete sich am 27. September 2010. Ein polnischer Reisebus war auf der A10 südlich von Berlin von der Fahrbahn abgekommen und gegen einen Brückenpfeiler geprallt. Dabei starben 13 Insassen.

Quelle: n-tv.de

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