Panorama

Eine Million an ProstituierteVier Jahre Haft für Beamten

13.10.2008, 18:34 Uhr

Liebe macht blind, unter Umständen auch arm und bringt einen Ulmer Beamten nun auch noch für vier Jahre ins Gefängnis.

Seine Liebe zu einer Prostituierten bringt einen Ulmer Beamten ins Gefängnis. Um das Verhältnis zu der heute 31- Jährigen zu finanzieren, hatte der Sachbearbeiter 580.000 Euro veruntreut. Das Landgericht Ulm verurteilte ihn dafür zu vier Jahren Haft. Er sei von der Frau abhängig gewesen, sagte der 47-Jährige. "Ich war verliebt und völlig vernarrt." Allerdings hätte der Mann durch erhebliche Sicherheitsmängel bei der Behörde leichtes Spiel gehabt, räumte die heutige Leiterin der Wohngeldstelle ein.

Einem Gutachten zufolge leidet der heute 47-Jährige seit Jahren an einer starken Persönlichkeitsstörung. Er habe in seinem ganzen Leben nie eine Beziehung zu einer Frau aufbauen können und wollte die Prostituierte um jeden Preis an sich binden. Die Frau sei zu seinem einzigen Halt im Leben geworden. Deshalb war ihm schließlich jedes Mittel recht, um sie an sich zu binden, sagte der Gutachter.

Wie eine Sucht

Er habe die Prostituierte aus dem Rotlichtmilieu befreien wollen, betonte der Angeklagte. Dafür habe sie 2000 Euro im Monat gefordert. Zunächst brachte er das Geld privat auf: Er verkaufte sein Haus und nahm hohe Kredite auf. Frühmorgens trug er zusätzlich zu seinem Beamtenjob Zeitungen aus und angelte Leergut aus Mülleimern, um das Pfand einzulösen. Insgesamt kamen so mehr als 400.000 Euro zusammen.

Im Jahr 2003 hatte er die Idee, mit falschen Angaben Wohngeld an die Prostituierte auszuzahlen. Der Mann veranlasste 295 Überweisungen über insgesamt 580 000 Euro. Obwohl er nicht einmal Akten über die 295 Zahlungsvorgänge anlegte, flog der Betrug erst vier Jahre später auf. Die Stadt Ulm hat nach eigenen Angaben als Reaktion auf den Vorfall schärfere Kontrollen eingeführt.

Keine Gegenleistung

Innerhalb von zehn Jahren erhielt die Frau rund eine Million Euro von dem Beamten. Allerdings dachte sie nicht daran, aus dem Rotlichtmilieu auszusteigen. Sie baute mit dem Geld ein Bordell im bayerischen Kempten auf. Gerne hätte er regelmäßig Sex mit der Prostituierten gehabt, sagte der 47-Jährige in dem Verfahren. Dazu sei es nur zu Beginn der Bekanntschaft einige Male gekommen. Später habe sie intimen Kontakt immer abgelehnt.