Panorama

Richter raten zu VergleichWWF muss Kritik aushalten

16.06.2012, 03:24 Uhr
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Die Umweltstiftung WWF sieht sich zu Unrecht an den Pranger gestellt und bringt deshalb einen kritischen Buchautor vor Gericht. Das meint jedoch, dass sich die Organisation zumindest einen Teil der Kritik gefallen lassen müsse.

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Der WWF soll mit Umweltzerstörern kooperieren, das macht sich nicht gut. (Foto: picture alliance / dpa)

In einem Rechtsstreit zwischen der Umweltstiftung WWF (World Wide Fund For Nature) und dem kritischen Buchautor Wilfried Huismann hat das Landgericht Köln eine gütliche Einigung empfohlen. "Das Gericht schlägt vor, dass innerhalb von einer Woche den Parteien per Fax ein Vorschlag für eine gütliche Einigung zugeleitet wird", sagte die Vorsitzende Richterin Margarete Reske.

Der WWF - Markenzeichen Panda - will eine einstweilige Verfügung gegen das "Schwarzbuch WWF" erwirken. 13 Einzelpunkte sollen nicht weiter verbreitet werden dürfen.

Die Punkte wurden in einer fünfstündigen Sitzung detailliert durchgegangen. Dabei ließ das Gericht durchblicken, dass es einen Teil der 13 Punkte nachvollziehen kann, einen Teil aber auch nicht. Keine der beiden Parteien würde hundertprozentig Recht bekommen. "Der WWF muss sich auch Kritik gefallen lassen", sagte Reske. Das Gericht würde höchstens einzelne Formulierungen aus dem Buch verbieten, aber nicht die von Huismann geäußerte Kritik an sich. Verkündungstermin ist der 20. Juli.

Argumente statt Klagen

In einem gesonderten Punkt kam bereits ein Vergleich zustande: Huismann und der Verlag verpflichteten sich, Aussagen einer bestimmten WWF-Funktionärin in einer zweiten Auflage nicht zu wiederholen. Verlagsjustiziar Rainer Dresen sagte, diese Sache sei völlig nebensächlich. Der entscheidende Vorwurf des Buches laute, dass der WWF zu industrienah sei. Damit müsse sich der WWF argumentativ auseinandersetzen anstatt dagegen zu klagen.

Huismann wirft dem WWF vor, viel zu eng mit Umweltzerstörern wie Ölkonzernen und sogar mit Militärdiktaturen zu kooperieren. Der WWF hält dagegen, wer wirklich etwas erreichen wolle, dürfe nicht nur demonstrieren, sondern müsse auch Kompromisse aushandeln. Mit reiner Opposition erreiche man gar nichts für die Umwelt.

Gutes Verkaufsargument

Dresen sagte, der massive Widerstand des WWF gegen das Buch habe dazu geführt, dass es dem Verlag nun aus den Händen gerissen werde. Die erste Auflage sei schon so gut wie weg. Einige große Buchhändler verkaufen die restlichen Exemplare zurzeit jedoch nicht mehr, da der WWF sie darüber informiert hat, dass es rechtliche Vorbehalte gebe.

In der Sitzung am Landgericht ging es unter anderem um den Punkt, ob der WWF an einem Runden Tisch mit dem Gentechnik-Riesen Monsanto zusammenarbeitet. Der WWF argumentiert, dass er zwar ebenso wie Monsanto Mitglied des Runden Tisches sei, deshalb aber noch nicht mit dem Konzern zusammenarbeite. Monsanto ist der weltgrößte Agrar- und Biotechnikkonzern und unter anderem wegen seines gentechnisch veränderten Saatguts umstritten.

Huismann hatte seine Recherchen auch in einem Film mit dem Titel "Der Pakt mit dem Panda" verarbeitet, der vor einem Jahr, am 22. Juni 2011, in der ARD lief. Gegen einige Aussagen daraus hat der WWF vor dem Landgericht Köln bereits eine einstweilige Verfügung erwirkt. Huismann sagte, der WDR habe dagegen Widerspruch eingelegt.

Quelle: ntv.de, dpa