Panorama

Unmutsriese und ZauberkönigWalter Schmidinger ist tot

29.09.2013, 10:33 Uhr
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(Foto: picture-alliance/ dpa)

Von den Kritikern wurde er oft als der "Meister der leisen Töne" bezeichnet. Walter Schmidinger feierte große Erfolge auf den großen deutschsprachigen Bühnen. Zu seinem Repertoire gehörten die gebrochenen Seelen, die zerrissenen Charaktere, die Narren und die Liebenden.

Der Theaterschauspieler Walter Schmidinger ist tot. Er starb im Alter von 80 Jahren, wie das Berliner Ensemble mitteilte. Der österreichische Schauspieler arbeitete mit vielen großen Theaterregisseuren zusammen und galt als Meister der Zwischentöne. Seit 2003 gehörte er zum Berliner Ensemble. Er habe dort vor allem in Rollen von Regisseur Robert Wilson große Erfolge gefeiert, teilte das Berliner Ensemble mit. "Mit seiner Stimme, mit seinem Sprachgefühl und mit seiner Sprechkunst war er einzigartig.

Schmidinger wurde am 28. April 1933 in Linz geboren. Er arbeitete zunächst als Verkäufer und Dekorateur in einem Tuchwarengeschäft und spielte nebenbei an der Volkshochschule in einer Laientheatergruppe. Sein Talent fiel auf, und er bekam ein Stipendium für das Max-Reinhardt-Seminar in Wien. Von dort wurde der Schüler Helene Thimigs ans Theater in der Josefstadt engagiert. 1954 ging er nach Bonn und danach ans Düsseldorfer Schauspielhaus. Als weitere Stationen seiner Bühnenkarriere folgten die Münchner Kammerspiele, die Schaubühne Berlin, das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg und Auftritte bei den Salzburger Festspielen und am Wiener Burgtheater.

"Schmidinger wirkt immer wie ein Überraschungsgast auf der Bühne. Ihm ist alles zuzutrauen", schrieb "FAZ"-Kritiker Gerhard Stadelmaier einmal in einem Porträt. Zu Schmidingers Repertoire gehören die gebrochenen Seelen, die zerrissenen Charaktere, die Narren und die Liebenden. Große Erfolge feierte der Schauspieler, dem Werktreue wichtiger ist als "die Sucht am Theater, um jeden Preis zu gefallen", als Weinberl in Nestroys "Einen Jux will er sich machen", als Malvolio in Shakespeares "Was ihr wollt", als Leonce in Büchners "Leonce und Lena" oder als Salieri in Peter Shaffers "Amadeus". Vom Münchner Residenztheater verabschiedete sich Schmidinger 1984 unter großem Applaus in der Rolle des Shylock in Shakespeares "Kaufmann von Venedig".

Von München nach Berlin

1984 wechselte er von München nach Berlin, wo der Schauspieler bis 1993 am Schillertheater u.a. in den Titelrollen von Lessings "Nathan der Weise", Hofmannsthals "Der Unbestechliche" oder Shakespeares "König Lear" auf der Bühne stand. Für seine Darstellung des "eingebildetsten Kranken aller Zeiten" in der Uraufführung von Thomas Bernhards "Elisabeth II" erhielt Schmidinger, der offen über seine eigene manisch-depressive Erkrankung spricht, grandiose Kritiken. Nach der Schließung des Schillertheaters Ende 1993 ging er 1995 trotz zahlreicher Angebote aus Wien an Thomas Langhoffs Deutsches Theater Berlin.

Schmidinger, der als Schauspieler mit Regisseuren wie Peter Zadek, Klaus Michael Grüber, Robert Wilson, Luc Bondy und Ingmar Bergman zusammenarbeitete, hat auch eigene Inszenierungen gemacht. In Österreich, wo seine Auftritte eher selten sind, führte er 1995 am Wiener Volkstheater bei Ibsens "Hedda Gabler" Regie. Auf der Bühne war er 1996 in Klaus Maria Brandauers Lehar-Inszenierung "Land des Lächelns" und 2002 in dessen "Hamlet"-Inszenierung am Burgtheater zu sehen. Bei den Salzburger Festspielen spielte er an der Seite von Helmuth Lohner und Otto Schenk in der Regie von Peter Stein in Raimunds "Alpenkönig und Menschenfeind". Zudem war er in Klaus Maria Brandauers Berliner Inszenierung der "Dreigroschenoper" in der Rolle des Pastors Kimball zu sehen.

Gastrollen in mehreren TV-Krimis

Seit Anfang der 70er-Jahre spielte Schmidinger auch immer wieder im Fernsehen. So übernahm er Gastrollen in "Tatort", "Derrick" und "Der Alte". Auch an einigen Fernsehspielen (z.B. "Fast wie im richtigen Leben", "Spiel im Schloss", "Kir Royal", "Opernball") wirkte er mit. Im Kino begann seine Karriere 1973 mit einer kleinen Nebenrolle in Maximilian Schells "Der Fußgänger". Es folgte eine Vielzahl von Filmrollen, Hans Christian Schmids "Requiem" lief 2005 im Programm der Berlinale.

Quelle: ntv.de, dsi/dpa/apa