Panorama

Kammweg durch Erzgebirge und VogtlandWandern für Grenzgänger

27.05.2011, 11:04 Uhr
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Felslandschaften und bewaldete Höhen - durch das Erzgebirge führt nun auf einer Länge von 289 Kilometern ein neuer Weitwanderweg, der Kammweg, der Sachsen und Thüringen verbindet (Foto: picture alliance / dpa-tmn)

Der neue Kammweg führt weit in den Osten. Durchs Erzgebirge und Vogtland lässt die Route das Wandern immer wieder zur Grenzerfahrung werden - bei einem Abstecher nach Tschechien oder Bayern. Die Route ist ein "Qualitätsweg". Das bedeutet: viele naturbelassene Wege, wenig Asphalt und eine abwechslungsreiche Route.

Pfeifenmännchen, Schwibbögen, Engelchen - dies sind die Bilder, an die beim Erzgebirge viele gleich denken. Skilangläufern dürfte noch die Gegend um Oberwiesenthal und Annaberg-Buchholz ein Begriff sein. Dass man in dem ostdeutschen Mittelgebirge an der Grenze zu Tschechien auch sehr gut wandern kann - das können Urlauber künftig auf dem neuen Kammweg auskundschaften. Der 289 Kilometer lange Weitwanderweg durch Erzgebirge und Vogtland verbindet die Länder Sachsen und Thüringen.

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Links oder rechts? Beim Wandern im Erzgebirge geht es schnell hoch auf Höhen um 1000 Meter. (Foto: picture alliance / dpa-tmn)

Seit Januar trägt die Route das Gütesiegel Qualitätsweg des Deutschen Wanderverbands. Das bedeutet unter anderem: viele naturbelassene Wege und Pfade, wenig Asphalt und eine abwechslungsreiche Route durch Wiesen und Wälder. Der Start am östlichen Ende liegt in Geising.

Auf der Einstiegsetappe bietet das Erzgebirge gleich die ersten schweißtreibenden Herausforderungen, etwa den 905 Meter hohen Kahleberg. Kurz darauf wird es auf dem böhmisch-sächsischen Gebirgskamm international: Am Grenzübergang Neurehefeld kann man eine Stippvisite in Tschechien machen.

Allerdings gibt es hinter dem Länderwappen nur ein paar baufällige Häuser und mehrere Billigsupermärkte, die auf den Verkauf von Alkohol, Zigaretten und Kleidung setzen. Dann doch lieber weiterwandern - zunächst auf einer ehemaligen Bahntrasse in Richtung Holzhau und Sayda und schließlich in das Spielzeugdorf Seiffen. Hier sind die typischen Holzfiguren allgegenwärtig: Dutzende Werkstätten gibt es in dem Ort.

Freilichtmuseum Saigerhütte

Der Kammweg verlässt das bunte Dorf in Richtung Olbernhau, wo das große Freilichtmuseum Saigerhütte die Arbeitsschritte der Buntmetallurgie zeigt. Vom 16. Jahrhundert an wurden hier Silber und Kupfer verarbeitet. Nach Rübenau und Kühnheide führt die Route weiter durch das Tal der "Schwarzen Pockau". Der Weg verläuft entlang eines künstlichen Kanals aus dem 17. Jahrhundert. Er brachte einst Wasser als Energiequelle zu Bergbaugruben.

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Neue Alternative für Wanderer, die gerne Grenzen überschreiten: Der Kammweg führt durch Sachsen und Thüringen, Abstecher nach Bayern und sogar nach Tschechien sind problemlos möglich. (Foto: picture-alliance/ dpa-Grafik)

Weiter geht es über den 890 Meter hohen Hirtstein mit - gutes Wettervorausgesetzt - großartiger Fernsicht nach Jöhstadt und nach Oberwiesenthal auf den 1215 Meter hohen Fichtelberg. Hinter Johanngeorgenstadt geht es raus aus dem Erzgebirge und Richtung Vogtland. Erst wird der sächsische Teil durchquert, dann der thüringische. Spätestens wenn die Route kilometerlang auf den ehemaligen Kolonnenwegen der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze führt, wird hier die jüngste Geschichte greifbar: Viele Befestigungen sind noch erhalten, im kleinen Dorf Mödlareuth ist sogar noch ein Stück des gefürchteten früheren Todesstreifens an der Mauer zu sehen.

Viele Befestigungen sind noch erhalten, im kleinen Dorf Mödlareuth ist sogar noch ein Stück des früheren Todesstreifens an der Mauer zu sehen. Hier verläuft seit Jahrhunderten die Grenze zwischen Bayern und Thüringen als Bachlauf mitten durch den Ort - und in den Zeiten der DDR trennte die fast unüberwindbare Mauer die Bewohner auf beiden Seiten. Ein Museum zeigt die bewegte Geschichte von "Little Berlin", in dem Freiluftareal sind neben etwa 50 Metern Mauer noch Wachtürme, Grenzzaun und der ehemalige Todesstreifen mit Hundefreilaufanlage zu sehen.

Noch eine Etappe, dann ist das westliche Ende des Kammwegs erreicht, Blankenstein. Der Ort ist ein wahres Drehkreuz des Wanderns, hier treffen auch Rennsteig, Frankenweg und Fränkischer Gebirgsweg aufeinander.

Quelle: Andrea Löbbecke, dpa