Panorama

Verheerendes Zugunglück in Frankreich Weiche war offenbar defekt

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Ein entgleister Zug liegt im Bahnhof von Brétigny-sur-Orge.

(Foto: dpa)

In Frankreich ist das Entsetzen groß: Bei einem Zugunglück sterben mindestens sechs Menschen, den Rettungskräften bietet sich ein apokalyptischer Anblick. Unglücksursache ist vermutlich ein technisches Problem, in ganz Frankreich muss nun das Schienennetz kontrolliert werden.

Ein defektes Verbindungsteil an einer Weiche war vermutlich die Ursache des schweren Zugunglücks bei Paris. Das Stahlelement hätte eigentlich zwei Schienenteile zusammenhalten sollen, erklärte ein Bahnverantwortlicher. Es habe sich aus noch ungeklärter Ursache gelöst. Nun sollen schnellstmöglich alle vergleichbaren Verbindungsteile im französischen Schienennetz überprüft werden, es sollen rund 5000 sein.

Bei dem Unglück am Bahnhof von Brétigny-sur-Orge waren am späten Freitagnachmittag mehrere Waggons eines Intercity-Zuges aus den Gleisen gesprungen. Mindestens sechs der 385 Reisenden starben. 30 Menschen mussten nach Regierungsangaben stationär in Krankenhäusern behandelt werden, acht mit schweren Verletzungen. Ärzte sprachen zudem von Dutzenden Leichtverletzten. Vermutlich werde sich die Opferbilanz noch verschlimmern, sagte Innenminister Manuel Valls am Freitagabend.

"Wie ein kleines Erdbeben"

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Bis in den späten Abend stehen Rettungshelikopter bereit, um die Verletzten in die umliegenden Kliniken zu bringen.

(Foto: AP)

Den Augenzeugen und mehr als 300 Rettungskräften an der Unglücksstelle bot sich ein Bild des Grauens. "Das Bahnsteigdach ist eingestürzt. Vier Waggons sind total zerfetzt", berichtete der sozialistische Parlamentarier Michel Pouzol im Radio. Es sei ein "apokalyptischer Anblick". Der Bürgermeister des betroffenen Ortes, Bernard Decaux, sprach von Panik rund um den Bahnhof.

Dass sich keine noch größere Katastrophe ereignete, war laut der staatlichen Eisenbahngesellschaft SNCF allein dem Lokomotivführer zu verdanken: Als er das erste Holpern des Zuges bemerkte, habe der Mann rasch alle Warnsysteme aktiviert und dadurch den Schienenverkehr in der Gegend gestoppt, sagte SNCF-Chef Guillaume Pepy. Dadurch verhinderte er offenbar einen Frontalzusammenstoß mit einem entgegenkommenden Zug.

Ein in der Nähe der Unfallstelle wohnender Eisenbahner im Ruhestand berichtete dem Sender RTL: "Das hat sich wie ein kleines Erdbeben angefühlt. Es gab einen heftigen Stoß, aber keinen großen Lärm." Andere Anwohner sprachen von einem großen "Bums".

Verletzte auch auf dem Bahnhof

"Es flogen überall Trümmerteile und Schotter herum", berichtete ein 22 Jahre alter Augenzeuge, der zum Unglückszeitpunkt in der Bahnhofsbar saß. Teller seien auf den Boden gekracht, eine Frau sei durch die Schockwelle fünf Meter durch die Luft geschleudert worden. Nicht nur im Zug selbst, sondern auch auf dem Bahnhof habe es Verletzte gegeben.

Zuletzt hatte 2011 ein schweres Zugunglück Frankreich erschüttert. Damals stieß ein Lastwagen an einem beschrankten Bahnübergang nördlich von Rennes mit einem Regionalzug zusammen - zwei Menschen starben und 45 wurden verletzt. 2002 starben bei einem Brand in einem Schlafwagen eines Nachtzugs auf der Strecke zwischen Paris und München in Nancy zwölf Menschen.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle zeigte sich bestürzt über die Nachrichten zu dem "furchtbaren Zugunglück". "Unser tief empfundenes Mitgefühl ist mit den Angehörigen und Familien der Opfer. Ich wünsche den vielen Verletzten baldige Genesung", kommentierte er.

Quelle: ntv.de, dpa/AFP

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