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Mehr als 600 in Europa Zahl der Kältetoten steigt

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Auch in Moskau leiden die Menschen unter den extremen Temperaturen.

dpa

Die extreme Kälte hat vor allem Osteuropa und den Balkan weiter fest im Griff. Insgesamt sterben mehr als 600 Menschen an Erfrierungen oder defekten Heizungen. Im Kosovo kommen zehn Menschen unter einer Lawine um. In Sarajevo stürzt das Dach der Olympia-Halle ein.

Die Zahl der Kältetoten in Europa ist auf mehr als 600 gestiegen. Allein in Polen wurden nach amtlichen Angaben 15 weitere Todesfälle durch Erfrieren oder defekte Heizungen registriert. In dem Land fielen die Temperaturen in der Nacht vielerorts auf minus 30 Grad. Die Polizei zählte sechs Todesfälle durch Erfrieren. Nachdem durch Brände und Erstickungen infolge von defekten Heizungen neun Menschen ums Leben kamen und 26 verletzt wurden, sagte Feuerwehrsprecher Pawel Fratczak, dies sei die "tragischste" Episode seit dem Jahreswechsel.

Seit Beginn der Kältewelle Ende Januar, die besonders hart Osteuropa und den Balkan trifft, wurden in Polen 82 Kälteopfer gezählt. In der Ukraine, wo allein 135 Kältetote registriert wurden, geben die Behörden seit vergangenem Dienstag keine neuen Zahlen mehr heraus. Die Zahl von mehr als 600 Todesopfern schließt die Angaben der Behörden in Russland mit ein. In Tschechien, wo es bisher rund 30 Kältetote gab, wurde in der Ortschaft Kvilda ein Rekordtief von minus 36,5 Grad gemessen.

Die Donau ist ab Österreich stromabwärts für den Schiffsverkehr vollständig gesperrt. In der Umgebung des Hafens Silistra, unweit der Mündung ins Schwarze Meer, fror die Donau auf einer Länge von elf Kilometern, was seit dem Winter 1984/85 nicht mehr der Fall war.

Zehn Tote im Kosovo

Im Kosovo tötete eine Lawine zehn Menschen. Die Schneemassen hatten in dem Dorf Restelica südlich der Stadt Prizren ein Haus mit elf Menschen verschüttet, wie Medien in Pristina unter Berufung auf die Rettungsmannschaften berichteten. Ein fünfjähriges Mädchen sei aus den Schneemassen gerettet worden. Der Regierungschef des Kosovos, Hashim Thaci, machte sich vor Ort ein Bild von der Katastrophe. In dem Dorf liegt der Schnee zweieinhalb Meter hoch, die Zufahrtswege waren unpassierbar. Die 500 Meter breite Lawine hatte zwölf Häuser verschüttet.

In Rumänien wurde eine Luftbrücke für Ortschaften eingerichtet, die nicht über den Landweg versorgt werden konnten. Mehr als tausend Soldaten waren im Einsatz. In den beiden ostrumänischen Provinzen Vrancea und Buzau waren nach Behördenangaben 30.000 Menschen von der Außenwelt abgeschnitten. Ihnen drohten Nahrungsmittel und Trinkwasser auszugehen. Die rumänischen Behörden zählten bisher fast 70 Todesopfer. Im Dorf Carligul Mic in Buzau reichte die Schneedecke bis zu den Dächern der Häuser. Feuerwehrleute und Freiwillige halfen den Bewohnern, den Weg zu ihren Häusern freizuschaufeln.

In der bosnischen Hauptstadt Sarajevo stürzte das Dach der "Skenderija"-Olympiahalle ein. Das berichtete die Zeitung "Dnevni Avaz". Nach ersten Informationen sei niemand zu Schaden gekommen. In der Halle waren während der Olympischen Winterspiele 1984 die Eishockey- und Eislaufwettbewerbe ausgetragen worden. Nach dem Bürgerkrieg (1992-1995) war sie zu einer Ausstellungshalle umgebaut worden. In Sarajevo hatte es in den vergangenen Tagen heftig geschneit.

In der montenegrinischen Hauptstadt Podgorica lagen 50 Zentimeter Schnee, ein Rekord seit einem halben Jahrhundert. Aus Albanien und Serbien wurden ebenfalls neue Todesopfer gemeldet, womit die Zahl der Kältetoten auf dem Balkan auf mehr als 50 anstieg.

Quelle: n-tv.de, AFP

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