Skandal in Fritzlar weitet sich ausZehn Ministranten missbraucht?
Die Staatsanwaltschaft prüft weitere Ermittlungen gegen einen Priester aus dem nordhessischen Fritzlar, der zehn Ministranten über mehrere Jahre missbraucht haben soll. Es könnte aber noch weitere Opfer geben, der Geistliche sitzt bereits in Haft.
Im Fall eines unter Missbrauchsverdacht stehenden Pfarrers der katholischen Kirchengemeinde im hessischen Fritzlar sind neue Einzelheiten zum Ausmaß bekanntgeworden. Der in Untersuchungshaft sitzende 49-Jährige soll über viele Jahre hinweg zehn Ministranten sexuell bedrängt haben. Dies sagte Rechtsanwältin Meike Schoeler, die Missbrauchsbeauftragte des betroffenen Prämonstratenser-Ordens.
Die Staatsanwaltschaft Kassel hatte bislang lediglich von mehr als 30 Taten an Kindern und Jugendlichen gesprochen und sich zur Zahl der Opfer nicht geäußert. Die Behörde will nun zusammen mit der Polizei die Ermittlungen vertiefen und ergründen, ob sich das ihnen bekannte Ausmaß der Straftaten bestätigt - oder es noch mehr Opfer gibt.
Geständiger Priester
Der geständige Priester war am Donnerstag festgenommen worden. Bei den Vernehmungen hatte er die bislang bekannten Taten eingeräumt und Namen seiner Opfer genannt. Der Ordenspriester war bereits im Mai nach einem Anfangsverdacht von seinen Aufgaben in der Seelsorge entbunden worden. Im Mai hatte das Bistum die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Damals berichtete Schoeler von einem Beschwerdebrief von Eltern. Demnach soll der Priester auf Jugendfreizeiten darauf bestanden haben, dass Messdiener duschten und er zuguckte, wenn sie nackt unter der Dusche standen. Von sexuellen Körperkontakten und Übergriffen sei aber nichts bekannt, sagte Schoeler, die als Ansprechpartnerin für Opfer fungiert.
Der Missbrauchsverdacht hatte sich am Dienstag bei einer Hausdurchsuchung erhärtet. Dabei seien bei dem 49-Jährigen Fotos gefunden worden, auf denen nackte Ministranten zu sehen waren. Die Taten haben sich nach bisherigen Erkenntnissen zwischen 1994 und 2001 ereignet. Die Behörde forderte mögliche weitere Opfer auf, sich zu melden. Der Geistliche hatte auch an einer Schule in Fritzlar Religionsunterricht gegeben. Von dort habe es aber keine Beschuldigungen gegeben, sagte Schoeler.
Das Bistum Fulda zeigte sich in einer Stellungnahme schockiert. Das weitere Vorgehen werde mit dem Abt des Prämonstratenser-Ordens abgestimmt.