Panorama

Mit einem Sprung zerbrach der ScheinZweifel an Gildos Selbstmordabsicht

22.10.2009, 10:58 Uhr
Rex-Gildo
Warum Rex Gildo vor zehn Jahren aus dem Toilettenfenster sprang, weiß niemand eindeutig. (Foto: picture-alliance/ dpa)

Zehn Jahre nach seinem Tod glauben Wegbegleiter Rex Gildos nicht an Selbstmord. Wenn er hätte sterben wollen, hätte er seinen Freitod besser inszeniert, glauben sie.

Diejenigen, die Rex Gildo am Samstagabend des 23. Oktober 1999 nach dem Sprung aus einem Toilettenfenster sahen, waren entsetzt. Auf dem Rasen vor dem Appartmenthaus in der Münchner Ottostraße lag der Schlagersänger blutüberströmt, das Toupet vom Kopf gerutscht. Rex Gildo lebte in diesem Moment noch. Doch obwohl in den folgenden Stunden bis zu 20 Ärzte in der Münchner Uniklinik um sein Leben kämpften, starb er drei Tage später an einem Herz-Kreislauf-Versagen. Zu seinem zehnten Todestag bestehen aber Zweifel an einem absichtlichen Selbstmord.

Es ist gut so, sagten nach dem Bekanntwerden der Todesnachricht manche - Rex Gildo habe doch selbst nicht mehr gewollt. Doch viele derer, die ihn näher kannten, sagen bis heute, er sei nicht lebensmüde gewesen - sein Tod sei mehr ein Unfall oder Versehen. Doch was genau den für seine "Fiesta Mexicana", die "Hossa"-Rufe und die solariengebräunte Haut bekannten Sänger letztlich zum Sprung trieb, wird auf immer unklar bleiben.

Er war ein Zugpferd

Ludwig Franz Hirtreiter, so sein richtiger Name, war nach seiner geschönten Biographie bei seinem Tod 60 Jahre alt, tatsächlich aber 63 Jahre. Der Tag des Unglücks hatte begonnen, wie so viele Tage in den Jahren zuvor. Hirtreiter war als Rex Gildo von einer Möbelkette gebucht worden und sollte in Bad Vilbel singen. 3000 Menschen kamen. Obwohl sein erster Nummer-1-Hit "Speedy Gonzales" da schon 37 Jahre alt war, sein letzter Top-Ten-Hit "Der letzte Sirtaki" auch schon 24 Jahre zurücklag und die meisten seiner 25 Millionen verkauften Platten schon längst bei seinen Fans verstaubten, war Rex Gildo noch immer ein Zugpferd. Misslungene Auftritte in den Jahren davor, die zu Gerüchten über Alkoholprobleme und Medikamentenabhängigkeit führten, änderten daran nichts.

Auch sein letzter Auftritt missglückte. Mit der Begründung, Gildo habe einen Virusinfekt, hatten die Veranstalter schon vorsorglich die geplante Autogrammstunde abgesagt. Seinen Gesangsauftritt brachte der Sänger mehr schlecht als recht über die Bühne. Als er mit seinem Geliebten Dave, den der mit einer Cousine verheiratete Frauenschwarm als seinen Chauffeur ausgab, in München ankam, eskalierte die Lage. Rex Gildo schien verwirrt, sein Freund alarmierte den Notarzt. Als dieser an die Badezimmertür klopfte, sprang Rex Gildo die acht Meter aus dem zweiten Stock.

Zweifel an der Selbstmord-Theorie

Warum Rex Gildo wirklich sprang, weiß niemand eindeutig. War es seine Angst vor Ärzten? War es ein Beziehungsstreit? Wusste er nicht mehr, was er tat? Sängerin Cornelia Froboess, die zusammen mit Rex Gildo in einigen seiner 30 Filme spielte, bezweifelte in einer Dokumentation der ARD Suizidabsicht: "An Selbstmord glaube ich überhaupt nicht." Komponist Ralph Siegel sagte in dem Film, Rex Gildo habe zwar springen, aber sicher nicht sterben wollen.

Auch der Konzertveranstalter Manni Schulte, der jahrelang mit Rex Gildo zusammen arbeitete, schließt dies aus. Wenn Rex Gildo hätte Selbstmord begehen wollen, dann hätte der so um sein Aussehen besorgte Sänger seinen Freitod inszeniert, sagte Schulte. "Er hätte sich geschminkt und sein schickstes Jacket angezogen und vorher noch zehn Minuten überlegt, ob er lieber das rote oder das blaue nehmen soll." Solch ein Tod, bei dem sein Toupet verrutscht und seine Kleidung blutverschmiert ist, das hätte er nie ertragen, glaubt der Konzertveranstalter.

Schulte widerspricht auch dem nach dem Tod verbreiteten Bild des einsamen, tieftraurigen Künstlers. Tatsächlich sei Rex Gildo in der Schlagerbranche einer der nettesten gewesen, "er hat immer versucht, für andere Verständnis aufzubringen". Viele Fans lieben und verehren ihn deshalb bis heute, zu seinem Todestag sind Gedenkfeiern geplant. Auch zum Grab auf dem Münchner Ostfriedhof werden wie so häufig vor allem weibliche Anhänger kommen. Sie träumen dort vom ewig jungen "sexy Rexy" - seine letzte Ruhestätte teilt dieser aber mit Fred Miekley, seinem vor ihm verstorbenen langjährigen Manager und Lebensgefährten.

Quelle: Ralf Isermann, AFP