"1968" steht für die Studentenproteste in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre, für ihre Vorgeschichte und ihre lange Wirkung bis heute.Bild 1 von 63 Schulen und Universitäten, die Leitbilder von Ehe und Familie, Sitten und Werte seien durch die Ideen von 1968 erschüttert worden, vor allem aber sei der Terrorismus der 70er Jahre eine direkte Folge der "außerparlamentarischen Opposition" von 1968, sagen die Kritiker.Bild 2 von 63 Die positive Sicht auf 1968 betont die "intellektuelle Neugründung der Bundesrepublik" und die überfällige Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit. (Bild vom Münchener Euthanasieprozess)Bild 3 von 63 Nach Jahren des wirtschaftlichen Aufbaus und der politischen Verankerung im Westen verändert sich die Bundesrepublik in den sechziger Jahren nachhaltig.Bild 4 von 63 Der rasche gesellschaftliche und kulturelle Wandlungsprozess, der bereits in den 50er Jahren begann, führt zu massiven Spannungen zwischen den Generationen. (Fans beim Rolling Stones-Konzert in Berlin 1965)Bild 5 von 63 Beatmusik, "Gammler" und Hippies stehen im krassen Gegensatz zu den gesellschaftlichen Erwartungen jener Zeit.Bild 6 von 63 Die junge Generation begehrt gegen tradierte Wertvorstellungen und Strukturen der Väter und Mütter auf. Romantische und revolutionäre Gemeinschaftserlebnisse spielen ebenfalls eine Rolle.Bild 7 von 63 Innenpolitische Krisen, wie etwa die "Spiegel"-Affäre und die Diskussion um die Vergangenheitsbewältigung, werden plötzlich auch in breiten Kreisen der Bevölkerung kontrovers debattiert.Bild 8 von 63 Unstrittig ist inzwischen, dass sich rund um 1968 in der Bundesrepublik und in anderen westlichen Ländern durch einen außerparlamentarisch ausgelösten "Ruck" Grundlegendes verändert hat.Bild 9 von 63 Zu "68" gibt es viele Geschichten, aber keine klare Geschichte.Bild 10 von 63 Im Oktober 1961 fordert der Sozialistische Deutsche Studentenbund demokratischere Hochschulen, frei von Staatsinteressen. Professoren, Assistenten und Studenten sollen gleichberechtigt über Forschung, Lehre, Finanzen und Personal entscheiden. (Bild aus Münster 1968)Bild 11 von 63 Stipendien sollen auch Arbeiterkindern das Studium ermöglichen.Bild 12 von 63 BKA-Beamte durchsuchen im Oktober 1962 Redaktionsräume des "Spiegel". Herausgeber Rudolf Augstein und mehrere Redakteure werden unter dem Vorwurf des Landesverrats verhaftet.Bild 13 von 63 In der darauf folgenden Regierungskrise zieht die FDP ihre Minister zurück, Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß tritt zurück.Bild 14 von 63 Zu Ostern 1963 fordern immer mehr Deutsche ein Ende des Wettrüstens und Abschaffung aller Atomwaffen. (Bild vom Ostermarsch 1968)Bild 15 von 63 Am 28. August 1963 hält der Bürgerrechtler Martin Luther King in Washington vor 250.000 Menschen seine berühmte Rede "I have a dream". Ein Jahr später tritt in den USA das Bürgerrechtsgesetz zur Aufhebung der Rassendiskriminierung in Kraft.Bild 16 von 63 Im Herbst 1964 protestieren auf dem Campus der Universität von Berkeley Studenten gegen das Verbot politischer Aktivitäten und gründen die Free-Speech-Bewegung.Bild 17 von 63 Nach einem Redeverbot für den Schwarzenführer Malcolm X kommt es zu Tumulten. Schließlich wird im Dezember das Verbot der politischen Agitation in Berkeley aufgehoben.Bild 18 von 63 Amerikanische Students for a Democratic Society (SDS) rufen im April 1965 gegen den Vietnamkrieg zum "Marsch auf Washington" auf.Bild 19 von 63 Die Bundesrepublik erreicht die Studentenrevolte im Mai 1965. Nach einem Hausverbot für den Publizisten Erich Kuby demonstrieren Studenten der Freien Universität (Bild von der Gründung 1948) für Redefreiheit.Bild 20 von 63 Neue Protestformen wie "Sit-ins" und "Go-Ins" werden erprobt. John Lennon und seine Frau Yoko One machen daraus das Bed-in. Auch in Frankfurt/Main gehen Studenten für Hochschulreformen auf die Straße.Bild 21 von 63 Im Februar 1966 bringen Berliner Studenten den Verkehr auf dem Kurfürstendamm zum Erliegen. Sie rufen "Amis raus aus Vietnam!". (Bild aus Vietnam)Bild 22 von 63 Nach der Wahl Kurt Georg Kiesingers zum neuen Bundeskanzler einer großen Koalition stehen 468 Unions- und SPD-Abgeordneten lediglich 50 oppositionelle FDP-Parlamentarier gegenüber.Bild 23 von 63 Als Reaktion darauf ruft Rudi Dutschke zum Abschluss der Berliner Vietnamwoche zur Bildung der außerparlamentarischen Opposition auf.Bild 24 von 63 Im Januar 1967 gründet sich in West-Berlin die legendäre Kommune I. Ziel der Bewohner ist die Revolution des Alltags durch die Abschaffung von Privateigentum und Leistungsprinzip. (Im Bild die Räume in der West-Berliner Stephanstraße 60 nach Auszug der WG)Bild 25 von 63 Stattdessen werden freie Liebe und das Lustprinzip propagiert. (Uschi Obermaier 1970)Bild 26 von 63 Am 2. Juni 1967 protestieren vor der Berliner Oper zahlreiche Demonstranten gegen den Besuch des iranischen Schah Reza Pahlewi. Nach Handgreiflichkeiten zwischen Studenten und persischen Geheimpolizisten versucht die Polizei, die Demonstration aufzulösen.Bild 27 von 63 Dabei wird der Student Benno Ohnesorg erschossen.Bild 28 von 63 In großen Schweigemärschen bringen daraufhin Hunderttausende ihre Trauer und ihren Protest zum Ausdruck.Bild 29 von 63 Am 1. November 1967 rufen Studenten in Audimax der FU Berlin die "Kritische Universität" aus. In selbstorganisierten Arbeitsgruppen wollen sie Alternativen zur bestehenden Gesellschaft entwickeln.Bild 30 von 63 In Hamburg entrollen Studenten ein Transparent mit dem Slogan "Unter den Talaren - Muff von 1000 Jahren".Bild 31 von 63 Fast 3000 Menschen treffen sich im Februar 1968 auf der Internationalen Vietnamkonferenz des SDS an der Freien Universität Berlin.Bild 32 von 63 In ihrer Schlusserklärung solidarisieren sie sich mit dem Vietcong und kündigen den Übergang vom Protest zum politischen Widerstand an. (Im Bild der Dichter Erich Fried)Bild 33 von 63 Am 2. April 1968 legen Thorwald Proll, Horst Söhnlein, Andreas Baader und Gudrun Ensslin (v.l.) in zwei Frankfurter Kaufhäusern Feuer - aus Protest gegen den Kapitalismus, die Konsumgesellschaft und den Vietnamkrieg.Bild 34 von 63 Mit der Brandstiftung ist der erste Schritt gemacht vom anarchistischen Politprotest der Studentenbewegung zum politisch motivierten Einsatz von Gewalt, aus dem später der Terror der RAF entsteht.Bild 35 von 63 Am 4. April 1968 wird Martin Luther King in Memphis (Tennessee) ermordet.Bild 36 von 63 Auf die Gallionsfigur des Studentenprotestes in Deutschland, Rudi Dutschke, wird am 11. April 1968 in Berlin geschossen. Dutschke überlebt den Kopfschuss nur knapp.Bild 37 von 63 In vielen Städten kommt es zu schweren Straßenschlachten. Die Wut der demonstrierenden Studenten, Schüler, Arbeiter und Angestellten richtet sich zunehmend gegen den Springer-Konzern und seine "Bild"-Zeitung.Bild 38 von 63 Am 3. Mai erreichen die Studentenproteste in Frankreich ihren Höhepunkt.Bild 39 von 63 Die Sorbonne in Paris wird besetzt, Studenten liefern sich schwere Straßenschlachten mit der Polizei.Bild 40 von 63 "Es ist verboten zu verbieten" - "Genießen ohne Zügel" - "Unter dem Pflaster der Strand": Die Slogans des Pariser Mai 68 ...Bild 41 von 63 ... vereinen mit unerreichtem Witz die Rebellion gegen eine autoritäre Gesellschaft und den Anspruch auf die pure Lust am Leben.Bild 42 von 63 Die Arbeiterschaft solidarisiert sich mit den Studenten und fordert Selbstverwaltung in den Betrieben.Bild 43 von 63 Staatspräsident Charles de Gaulle droht mit dem Ausnahmezustand und setzt Neuwahlen an.Bild 44 von 63 Daraufhin bricht die Protestwelle der Studenten in sich zusammen. Die streikenden Arbeiter erhalten höhere Löhne sowie die Zusage zur 40- Stunden-Woche und nehmen nach und nach die Arbeit wieder auf.Bild 45 von 63 Am 30. Juni gewinnen die Gaullisten die Parlamentswahl mit absoluter Mehrheit.Bild 46 von 63 Auch in Deutschland geht es noch einmal heiß her. Der Bundestag diskutiert die Notstandsgesetze, mit denen die Handlungsfähigkeit des Staates in Krisensituationen gesichert werden soll.Bild 47 von 63 Gewerkschaften und Studenten organisieren einen Sternmarsch auf Bonn. Laut Polizeischätzungen nehmen etwa 22.000, nach Angaben der Veranstalter bis zu 60.000 Menschen teil.Bild 48 von 63 Dennoch verabschiedet der Deutsche Bundestag am 30. Mai 1968 mit einer Zweidrittel-Mehrheit die Notstandsgesetze. Diese Niederlage und die zunehmende Zersplitterung führen schließlich zum Niedergang der APO.Bild 49 von 63 In der Nacht auf den 21. August 1968 marschieren Truppen des Warschauer Paktes mit gut 7.000 Panzern in die Tschechoslowakei ein und schlagen den "Prager Frühling" nieder.Bild 50 von 63 Das Projekt eines "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" wird durch politische Verhältnisse nach Moskauer Vorbild ersetzt.Bild 51 von 63 Auch in der DDR protestieren Menschen gegen den Einmarsch in die CSSR. Sie werden mit hohen Gefängnisstrafen, Strafversetzungen und tiefen Eingriffen in die Biographien, etwa durch die Verweigerung eines Studiums, bestraft.Bild 52 von 63 In den USA stellt sich Lyndon B. Johnson nicht zur Wiederwahl, …Bild 53 von 63 … in Frankreich tritt de Gaulle im April 1969 zurück. (Im Bild mit seiner Frau Yvonne)Bild 54 von 63 Vom 15. bis 17 . August spielen 32 Bands und Solisten auf einem Feld in White Lake (New York) beim Woodstock Music and Art Festival. Die Hippie-Subkultur ist im Mainstream angekommen.Bild 55 von 63 Im November 1969 demonstrieren in Washington 250.000 Menschen gegen den Vietnamkrieg. Der Krieg endet erst 1973.Bild 56 von 63 Gemeinsam waren den Bewegungen in den USA, Westeuropa und selbst im sowjetischen Machtbereich (Bild aus Warschau) der Protest gegen den Vietnamkrieg, der Kampf gegen die herrschenden Autoritäten insbesondere in den Bereichen Bildung und Erziehung, ...Bild 57 von 63 ... für die Gleichstellung von Minderheiten sowie der Einsatz für mehr sexuelle Freiheiten.Bild 58 von 63 In Deutschland entstehen infolge von 1968 neue Gesellschaftsmodelle und -konzepte. (Kinderladen in Bochum 1971)Bild 59 von 63 Sozialbewegungen wie die Frauenbewegung, die sexuelle Revolution, die Schwulenbewegung, Ostermarsch- und Friedensbewegung, die Gründung der Grünen in der Bundesrepublik, sie alle verdanken ihre Initialzündung den 68ern.Bild 60 von 63 Für viele Beteiligte sind die Endsechziger-Jahre zu ihrem persönlichen Mythos geworden. Diese Überhöhung speist sich nach Ansicht des Historikers Axel Schildt "nicht zuletzt aus ihrem unerwarteten Ausbruch, ihrer Vehemenz ...Bild 61 von 63 ... und dem auch von den Massenmedien vermittelten Gefühl der weltweiten Gleichzeitigkeit sowie dem Ineinandergreifen politischer und kultureller Momente.Bild 62 von 63 Für die meisten Beteiligten war der Protest mehr Lebensgefühl als Ergebnis theoretischer Analyse. Aber deshalb war er noch lange nicht unpolitisch, sondern umschloss durchaus Utopien einer radikalen Gesellschaftsveränderung."Bild 63 von 63