Politik

Somalische Miliz bekennt sich Anschläge auf Fußball-Fans

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Ein verletzte Frau nach den Anschlägen im äthiopischen Viertel von Kampala.

(Foto: AP)

Mehrere Bombenanschläge töten in der ugandischen Hauptstadt Kampala mehr als 70 Menschen, die sich das WM-Finale im Fernsehen anschauen. Mindestens 60 Menschen werden verletzt. Zu den Attentaten bekennt sich die somalische Al-Shabaab-Miliz - Uganda stellt in Somalia Soldaten für die Friedenstruppe.

Bei Bombenanschlägen auf Fußballfans in der ugandischen Hauptstadt Kampala sind mindestens 70 Menschen getötet worden. Die Polizei sprach zunächst noch von 64 Toten, doch bis zum Nachmittag erlagen weitere Menschen ihren schweren Verletzungen. Ärzte kämpften weiterhin um das Leben vieler der mehr als 60 Verletzten. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin wurde auch ein Deutscher leicht verletzt. Die somalische Extremistengruppe Al-Shabaab bekannte sich zu den beiden Bombenanschlägen.

Zwei Bomben waren am späten Sonntagabend, kurz vor dem Ende der WM-Finals, hintereinander in einem äthiopischen Restaurant und in einem Rugbyclub explodiert, wie Sicherheitskräfte sagten. Dutzende Fußballfans, die dort das Endspiel der WM zwischen Spanien und den Niederlanden in Südafrika auf Großleinwänden verfolgten, wurden in den Tod gerissen. Schwer bewaffnete Polizisten riegelten beide Tatorte ab und durchsuchten das Gebiet mit Spürhunden. Derweil halfen Überlebende, Verletzte aus den Trümmern zu graben.

Somalier fürchten Racheakte

Nach der Nachricht über das Massaker herrschte in den Straßen Kampalas deutlich weniger Betrieb, mehrere Geschäfte in belebten Stadtvierteln blieben zunächst geschlossen. Radiostationen erhielten zahlreiche Anrufe von besorgten Menschen, die Freunde und Verwandte unter den Opfern der Anschläge vermuteten. Unter den somalischen Bewohnern Kampalas ging die Furcht vor Racheakten von Ugandern um. "Wir haben Angst und schließen uns heute in unseren Häusern ein. Einige Ugander rufen 'Tötet Somalier'", sagte der Flüchtling Bisharo Abdi.

"Wir stecken hinter dem Angriff", sagte der Sprecher der Shabaab-Milizen, Ali Mohammed Rage, in der somalischen Hauptstadt Mogadischu. Die Shebab-Miliz befinde "im Krieg" mit Uganda, das die somalische Übergangsregierung militärisch unterstützt. Ein Kommandeur der Shabaab, Scheich Yusuf Isse, billigte die Attentate mit den Worten: "Wir wissen, Uganda ist gegen den Islam. Deshalb sind wir sehr glücklich über das, was in Kampala passiert ist. Das ist die beste Nachricht, die wir je gehört haben."

"Wir hatten den Verdacht"

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Die genau Anzahl von Toten und Verletzten ist noch unklar.

(Foto: Reuters)

Die Täter hätten die Anschläge sorgfältig vorbereitet und eine möglichst große Zahl von Menschen töten wollen. "Wir hatten den Verdacht, dass diese Leute etwas planen", sagte Polizeichef Kale Kayihura der Zeitung "New Vision". Die Al-Shabaab-Miliz mit Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida hatte erst in der vergangenen Woche zu Anschlägen auf diplomatische Einrichtungen Burundis und Ugandas aufgerufen. Die beiden Staaten stellen das Kontingent der Friedenstruppen der Afrikanischen Union in Somalia zur Unterstützung der Regierung. Der ugandische Vize-Außenminister Okello Oryem sagte, seine Regierung halte dennoch an dem Somalia-Einsatz fest.

Auch ein äthiopischer Regierungssprecher machte die Al-Shabaab für den Anschlag verantwortlich, dessen eines Ziel ein äthiopisches Restaurant war. Auch Äthiopien stellt Soldaten für die Somalia-Friedenstruppe. Zudem trafen die Anschläge mit Kampala den Veranstaltungsort des AU-Gipfels kommende Woche sowie das von der Shebab-Miliz geächtete Fußballschauen.

Auswirkungen auf Friedenstruppe befürchtet

"Wir werden die Täter finden und zur Verantwortung ziehen, wo immer sie auch sind", kündigte der ugandische Präsident Yoweri Museveni bei einem Besuch der beiden Tatorte an. "Wenn ihr kämpfen wollt, nehmt euch Soldaten vor, aber werft keine Bomben auf Menschen, die nur Fußball sehen wollen", sagte Museveni an die Adresse der Attentäter. Der somalische Präsident Sheik Sharif Ahmed sprach in einer in Mogadischu veröffentlichten Stellungnahme von einem "abscheulichen Terrorakt".

Auch in westlichen Geheimdienstkreisen wurde eine Urheberschaft al-Shabaabs als plausibel eingestuft. Es wäre der erste Anschlag der Miliz auf ausländischem Boden. Dies werde auch negative Auswirkungen auf die Unterstützung der Friedenstruppe für Afrika haben, zeigte sich der Londoner Analyst Gus Selassie sicher. "Nach diesem Ereignis werden die Länder nicht Schlange stehen, um sich an der Truppe zu beteiligen." Die Truppe soll der instabilen, vom Westen unterstützten Regierung in Mogadischu gegen den Vormarsch der Islamisten helfen.

Täter "ohne Seele"

Bundesaußenminister Guido Westerwelle verurteilte die Anschläge. Es sei an Heimtücke kaum zu überbieten, wenn Menschen, die sich ein friedliches Sportfest ansehen wollten, durch solche Anschläge getötet würden, sagte er. Die EU-Chefdiplomatin Catherine Ashton sprach von "feigen Angriffen auf unschuldige Zivilisten." Auch die USA verurteilten den Anschlag, bei dem ein US-Bürger starb. Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats der USA, Mike Hammer, erklärte in Washington, Präsident Barack Obama sei "zutiefst betrübt" über die "feigen Angriffe". "Unser Mitgefühl ist mit den Familien und Freunden der Opfer in Uganda und den USA", sagte Außenministerin Hillary Clinton. Die USA würden mit Uganda zusammen daran arbeiten, die Täter vor Gericht zu bringen.

Auch in Südafrika, wo der erfolgreiche Abschluss der ersten Fußballweltmeisterschaft auf dem afrikanischen Kontinent gefeiert wurde, herrschte Trauer. "Man kann die Verbrechen in der Welt nicht stoppen, selbst wenn man sich wünschen würde, dass während der WM Frieden herrscht und alle Menschen von ihren Gefühlen geleitet werden", sagte FIFA-Chef Joseph Blatter. Die südafrikanische Regierungspartei ANC sprach von Tätern "ohne Seele".

Quelle: ntv.de, dpa/rts/AFP

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