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Bombenbauer und Terrorfürst Asiri immer stärker unter Verdacht

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Auf Ibrahim Hassan al-Asiri konzentrieren sich inzwischen die Ermittlungen.

REUTERS

Ibrahim Hassan al-Asiri steht auf Platz eins der Liste der gefährlichsten Terroristen des Königreichs Saudi-Arabien. Der heute 28 Jahre alte Muslim steht im Verdacht, der Drahtzieher hinter den Paketbomben aus dem Jemen zu sein. Deutschland macht unterdessen den Luftraum für Maschinen aus dem Land dicht.

Ibrahim Hassan al-Asiri gilt als einer der meistgesuchten Männer Saudi-Arabiens und soll nicht nur den verhinderten Attentäter von Detroit, sondern auch seinen eigenen Bruder für einen Selbstmordanschlag mit dem hochexplosiven Sprengstoff PETN ausgerüstet haben. Nach dem Fund zweier Paketbomben aus dem Jemen rückt der saudi-arabische Staatsbürger als mutmaßliche Schlüsselfigur immer stärker ins Visier der Ermittler. Der 28-Jährige gilt als oberster Bombenbauer der Terrororganisation Al Kaida auf der Arabischen Halbinsel und soll in regelmäßigem Kontakt zu dem radikalen Prediger Anwar al-Aulaqi stehen, der aus dem Jemen wiederholt zu Anschlägen gegen die USA aufrief.

Auf die Fährte Asiris führt die Ermittler vor allem der Fund von PETN in den beiden Paketen, deren Entdeckung in der Nacht zum Freitag die Sicherheitsbehörden weltweit in höchste Alarmbereitschaft versetzte. Denn PETN, ein Bestandteil des Plastiksprengstoffs Semtex, wurde bereits bei dem vereitelten Anschlag auf ein US-Passagierflugzeug auf dem Flug von Amsterdam nach Detroit am ersten Weihnachtstag 2009 verwendet. Der Nigerianer Umar Farouk Abdulmutallab schmuggelte damals den Sprengstoff - eingenäht in seiner Unterhose - in das Flugzeug. Es gelang ihm allerdings nicht, den Sprengsatz mithilfe einer Chemikalie zur Explosion zu bringen. Er erlitt schwere Verbrennungen und konnte überwältigt werden. Bereits damals fiel der Verdacht auch auf Asiri.

Am Sonntag bestätigte der Anti-Terror-Berater von US-Präsident Barack Obama, John Brennan, dass "kriminaltechnische Analysen" darauf hindeuteten, dass die Sprengsätze der Paketbomben und vom Anschlagsversuch in Detroit von demselben Bombenbauer zusammengesetzt worden seien. Ein Verantwortlicher der US-Anti-Terror-Behörden sagte, dass Asiri ein "Hauptverdächtiger" sei. Der Unterschied zwischen den Sprengsätzen bestand offenbar lediglich darin, dass die Pakete mit Hilfe von Schaltplatinen und Mobiltelefonteilen zur Explosion gebracht werden sollten.

Bruder mit Sprengstoff versehen

Auf besonders perfide Weise setzte Asiri PETN nach Erkenntnissen der Behörden in Saudi-Arabien bereits vier Monate vor dem Anschlagsversuch von Detroit ein. Im August 2009 heftete er seinem jüngeren Bruder Abdullah 100 Gramm des Sprengstoffes an den Körper. Der damals 23-jährige ließ sich vorsätzlich gefangenen nehmen und wurde vom saudi-arabischen Prinzen Mohamed bin Najef, der damals für den Antiterrorkampf seines Landes zuständig war, in seinem Privatflugzeug in den Palast der Königsfamilie gebracht. Dort zündete Abdullah al-Asiri den Sprengsatz. Der Prinz erlitt dabei nur leichte Verletzungen, doch der jüngere Bruder von Al Kaidas Bombenbauer auf der arabischen Halbinsel wurde durch die Wucht der Explosion in Stücke gerissen.

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Ein Frachtflugzeug auf dem Flughafen Köln/Bonn.

(Foto: Reuters)

Das Terrornetzwerk Al Kaida veröffentlichte nach dem Selbstmordattentat auf den saudi-arabischen Prinzen ein Video, in dem es hieß, auch Ibrahim al-Asiri habe als Märtyrer sterben wollen. Es sei jedoch erforderlich gewesen, ihn im Hintergrund zu halten und den Anschlag überwachen zu lassen. Sowohl im Jemen als auch in Saudi-Arabien steht Asiri ganz oben auf den Fahndungslisten. Geboren wurde er 1981 im Süden Saudi-Arabiens an der Grenze zum Jemen. Al Kaida schloss er sich nach Informationen des Innenministeriums in Riad nach einer Reihe von Attentaten an, die das Terrornetzwerk zwischen 2003 und 2006 verübte. Im Jemen, wo die Ermittler ihn auch heute vermuten, soll er im Umgang mit verschiedenen Waffen - darunter Panzerabwehrraketen und Granatwerfer - sowie im Gebrauch von Spreng- und Giftstoffen ausgebildet worden sein.

Nach Auffassung des US-Sicherheitsexperten Pat Ryan dient Asiri dem Al-Kaida-Ableger auf der Arabischen Halbinsel als Sprengstoffexperte und Bombenbauer. "Das ist eine entscheidende Position, die ein relativ hohes Maß an technischem Verständnis und Erfahrung voraussetzt", sagte Ryan. Die meisten Terrornetzwerke hätten nur "wenige Einzelpersonen mit den notwendigen Fähigkeiten" um diese besondere Rolle auszufüllen. Ihre Gefangennahme oder Tötung sei daher "sehr wertvoll um die Leistungsfähigkeit des Terrornetzwerks zu schwächen."

Maschinen aus dem Jemen gesperrt

Deutschland verhängte unterdessen für alle Flüge aus dem Jemen ein Einflugverbot. Die Flugsicherung sei angewiesen worden, direkte und indirekte Flüge aus dem Jemen abzuweisen, sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums. Bis auf weiteres werde kein Einflug aus dem Jemen in oder über deutsches Gebiet zugelassen. Wie aus Regierungskreisen verlautete, gibt es derzeit einmal wöchentlich einen Flug der Airline Yemenia über Rom nach Deutschland.

Der Sprecher des Verkehrsministeriums hob hervor, dass aus dem Jemen kommende Frachtmaschinen seit dem Wochenende "zu hundert Prozent" kontrolliert würden. Die Bundesregierung prüft derzeit eine Ausweitung der Maßnahmen. Es werde überprüft, ob ein Frachtverbot nicht für den Jemen, sondern auch für andere Länder eingeführt werde, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Quelle: n-tv.de, AFP/dpa

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