Politik
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Freitag, 02. September 2011

Medienpartner sauer über Daten-Leak: Assange verspielt Vertrauen

Als Konsequenz aus einem Datenleck stellt Wikileaks den gesamten Bestand der mehr als 250.000 Depeschen von US-Botschaften ins Internet - unredigiert. Der Schritt sorgt für Empörung bei den Medienpartnern der Enthüllungsplattform. Wikileaks-Gründer Assange gefährde Menschenleben, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung.

Die Medienpartner von Wikileaks haben die Veröffentlichung ungeschwärzter US-Diplomatendepeschen durch die Enthüllungsplattform scharf verurteilt. Sie bedauerten die Entscheidung von Wikileaks, die unbearbeiteten Depeschen zu veröffentlichen, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der Zeitungen "Guardian", "New York Times" und "El País" sowie des Nachrichtenmagazins "Spiegel". Dadurch könne das Leben der Quellen gefährdet werden. Die Veröffentlichung der mehr als 250.000 US-Depeschen sei die "alleinige" Entscheidung von Julian Assange gewesen.

Im Juli 2010 hatten der Guardian und Assange noch kooperiert.
Im Juli 2010 hatten der Guardian und Assange noch kooperiert.(Foto: dpa)

Ursprünglich hatten der Wikileaks-Gründer und seine Medienpartner die Identifikation der Informanten unterbinden wollen, indem sie ihre Namen unkenntlich gemacht hatten. Allerdings geriet die verschlüsselte Datei mit den unredigierten Namen in Umlauf. Außerdem veröffentliche der britische Journalist David Leigh in einem Buch über Wikileaks das Passwort zur Entschlüsselung der Botschafts-Telegramme.

Der Mitarbeiter der britischen Zeitung "Guardian" hatte die sensible Daten zu einer Zeit erhalten, als Wikileaks noch mit dem Blatt zusammenarbeitete. Nach mehreren kritischen Artikeln im "Guardian" über Vergewaltigungsvorwürfen gegen Assange brach diese Kooperation auseinander.

Leigh rechtfertigte die Veröffentlichung des Passworts in seinem Buch mit dem Hinweis, er sei davon ausgegangen, dass es damals nur für wenige Stunden gültig gewesen sei.

"Viel Vertrauen verloren"

Wikileaks hat den kompletten Datensatz jetzt selbst online gestellt. Damit reagiert die Plattform offenbar auf den Vorwurf, Informanten zu gefährden. Die totale Offenlegung ist zudem als ein letzter Versuch zu werten, den durch das Datenleck entstandenen Vertrauensbruch zu beheben. Mit der Veröffentlichung sind nun auch die Namen von Informanten der US-Botschaften öffentlich, die teilweise sensible Informationen lieferten.

"Spiegel"-Chefradakteur Georg Mascolo kann nicht erkennen, dass Wikileaks Schadensbegrenzung betreibt. Stattdessen habe die Plattform erneut "viel an Vertrauen eingebüßt", erklärte er. Der Schutz von Informanten sei für den "Spiegel" von Anfang an außerordentlich bedeutsam gewesen. "Dass Wikileaks dies nicht gelungen ist, bedaure ich sehr." Ob das Nachrichtenmagazin auch künftig Enthüllungsplattformen als Quelle nutzen werde, "hängt davon ab, ob sie vertrauenswürdig sind", betonte Mascolo.

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Quelle: n-tv.de