Politik
Montag, 20. Mai 2002

Palästinenser getötet: Attentat in Beirut

Bei einem Anschlag in Beirut, der Hauptstadt des Libanon, ist ein Sohn des radikalen Palästinenserführers Ahmed Dschibril ums Leben gekommen. Der Wagen von Dschihad Ahmed Dschibril explodierte gegen Mittag in einer Seitenstraße des belebten Einkaufsviertels Corniche Masraa im muslimischen Viertel Beiruts. Ein Polizist am Tatort sagte, bei der Autobombe habe es sich um hochexplosiven Plastiksprengstoff gehandelt, dessen Kraft der von zwei Kilogramm TNT vergleichbar gewesen sei. Der Sprengsatz war mit dem Zündschloss gekoppelt.

Ahmed Dschibril äußerte sich zunächst nicht zu dem Anschlag auf seinen Sohn. In seinem Büro in der syrischen Hauptstadt Damaskus nahm er am Montag Beileidsbekundungen entgegen. PFLP-GC-Vertreter sagten, Dschihad Dschibrils Leiche werde von Beirut nach Damaskus gebracht, wo er am Mittwoch beigesetzt werden soll.

Sein Vater leitet seit vielen Jahren das "Volksfront für die Befreiung Palästinas-Generalkommando". Dabei handelt es sich um eine von zehn Palästinenserorganisationen mit Sitz in der syrischen Hauptstadt Damaskus. Die Organisation macht "Israel oder seine Handlanger" für den Anschlag verantwortlich und schwor Rache. Die PFLP-GC steht auf der vom US-Außenministerium erstellten Liste terroristischer Organisationen. Sie ist gegen ein Friedensabkommen zwischen Israel und den Palästinensern und hat sich in der Vergangenheit mehrmals zu Anschlägen auf israelische Ziele bekannt.

Israels Verteidigungsminister Benjamin Ben-Elieser wies im israelischen Armeerundfunk jede Beteiligung seines Landes an dem Anschlag zurück.

Der Fall weckt Erinnerungen an den Tod des frühere Milizenführer und Politiker Elie Hobeika, der auf ganz ähnliche Weise am 24. Januar der im christlichen Ost-Beirut ums Leben gekommen war. Auch damals hatten die Libanesen fast einhellig Israel für den Anschlag verantwortlich gemacht. Hobeika hatte 1982 die Christenmiliz angeführt, die das Massaker in den Beiruter palästinensischen Flüchtlingslagern Sabra und Schatila verübt hat. Damals spekulierten Politiker in Beirut, der israelische Geheimdienst Mossad habe Hobeika getötet, weil dieser angekündigt hatte, Beweise für die Verantwortung des damaligen israelischen Verteidigungsministers und heutigen Ministerpräsidenten Ariel Scharon für das Massaker von Sabra und Schatila zu veröffentlichen.

Quelle: n-tv.de