Politik

Schwerer Anschlag in Syrien Bekennerschreiben weckt Zweifel

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Rache für den Beschuss von Wohnvierteln: Hunderte Menschen wurden verletzt, bis zu 70 getötet.

(Foto: picture alliance / dpa)

Das Schreiben, mit dem sich eine Al-Kaida-nahe Islamistenorganisation zu dem verheerenden Bombenanschlag in Damaskus bekennt, ist womöglich gefälscht. Die "Al-Nusra Front zum Schutz des Volkes der Levante" erklärt darin, der Anschlag vom Donnerstag auf ein Gebäude der Sicherheitskräfte sei eine Rache für den Beschuss von Wohnvierteln gewesen. Einige Formulierungen in der Botschaft lassen allerdings Zweifel daran aufkommen, dass dieses Schreiben authentisch ist. Außerdem wurde es nicht in den Foren radikaler Islamisten veröffentlicht, die sonst derartige Botschaften publizieren.

Bei dem Anschlag in der Nähe eines Foltergefängnisses waren 55 bis 70 Menschen getötet und Hunderte verletzt worden. Die Regierung macht den Widerstand dafür verantwortlich. 330 bis 600 Al-Kaida-Kämpfer seien im Großraum Damaskus aktiv, heißt es. Die Opposition beschuldigt dagegen das Regime, die Anschläge selbst zu inszenieren, und fordert eine internationale Untersuchung. Am Freitag hätten Zehntausende Demonstranten die syrische Führung von Baschar Al-Assad wegen des Anschlags verurteilt.

Weiterer Anschlag vereitelt?

Am selben Tag haben die syrischen Sicherheitskräfte nach offizieller Darstellung einen weiteren schweren Selbstmordanschlag vereitelt. In der Provinz Aleppo seien ein Kleinbus mit mehr als einer Tonne Sprengstoff abgefangen und ein Selbstmordattentäter getötet worden.

Ein Regimekritiker aus der Stadt stellte den Vorfall anders dar. Er sagte, zwei Ingenieure aus den Reihen der Sicherheitskräfte hätten auf dem Gelände des lokalen Hauptquartiers der regierenden Baath-Partei ein Fahrzeug mit Sprengstoff präpariert, um es an einer Kreuzung in der Stadt in die Luft zu jagen. Der Sprengstoff sei jedoch bereits auf dem Weg dorthin detoniert. Die beiden Ingenieure, ein Passant und drei Wachleute seien ums Leben gekommen.

Seit dem Beginn der Protestbewegung gegen die Regierung Assads Mitte März 2011 wurden in Syrien nach Angaben von  Menschenrechtsaktivisten mehr als 12.000 Menschen getötet, die  meisten von ihnen Zivilisten. Seit dem 12. April gilt eine international vermittelte Waffenruhe, die jedoch regelmäßig von Sicherheitskräften und Rebellengruppen gebrochen wird. Angaben der Regierung wie der Opposition sind in Syrien wegen der Einschränkung der Pressefreiheit nur schwer objektiv nachprüfbar.

Verschleppte Journalisten frei

Zwei türkische Journalisten, die im März verschleppt worden waren, hat das syrische Regime nach Vermittlung durch den Iran jetzt freigelassen. Der Reporter Adem Özköse und der Kameramann Hamit Coskun hätten mittlerweile Teheran per Flugzeug erreicht und würden in die Türkei weiterreisen, heißt es in Medienberichten. Sie seien bei guter Gesundheit.

Die beiden Journalisten waren Anfang März nach Syrien gegangen, um über den blutigen Konflikt  zwischen der Opposition und der Regierung unter Präsident Baschar  al-Assad zu berichten. Wenige Tage später sind sie bei der grenznahen syrischen Stadt Idlib von regierungstreuen Milizen verschleppt worden. Idlib gehört zu den Hochburgen der Proteste gegen das syrische Regime.

Türkische Medien hatten berichtet, die Führung in Damaskus halte die Männer als menschliches Faustpfand fest. Das Regime von Präsident Baschar al-Assad wolle sie gegen in die Türkei geflüchtete syrische Generäle austauschen. Von offizieller türkischer Seite gab es dafür keine Bestätigung. Ein Sprecher des Außenministeriums in Ankara hatte einen solchen Austausch aber ausgeschlossen.

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP

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