Politik

Alles spricht für Demokraten Biden kann noch heute Nacht die Wahl gewinnen

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Demokrat Joe Biden gibt sich bereits siegessicher, sein Einzug ins Weiße Haus steht aber nicht fest - noch.

(Foto: picture alliance/dpa)

Mehrere Bundesstaaten brauchen noch länger für ihre Auszählung. Dennoch könnte alles ganz schnell gehen, und zwar zugunsten von Joe Biden. Die Aufmerksamkeit richtet sich auf den Bundesstaat Pennsylvania.

Im Kopf-an-Kopf-Rennen um die US-Präsidentschaft steht eine Entscheidung womöglich binnen Stunden bevor. Stand Donnerstagabend (deutscher Zeit) werden sechs Staaten zwar noch keinem Kandidaten zugerechnet, im unter Umständen alles entscheidenden Pennsylvania aber kündigte Innenministerin Kathy Boockvar an, die Auszählung bis zur Nacht über die Bühne zu bringen. Boockvar sagte im Sender CNN, das sei "definitiv" möglich. Bis zum Abend könne die "überwältigende Mehrheit" der Stimmen ausgezählt sein. Der republikanische Amtsinhaber Donald Trump muss Pennsylvania gewinnen, um die Präsidentschaft zu verteidigen. Für den demokratischen Herausforderer Joe Biden führen auch andere Wege zum Sieg. Trump werden aktuell 213 Wahlleute aus den Staaten zugerechnet, Biden 253. 270 werden für einen Sieg benötigt.

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So steht es in den Bundesstaaten derzeit:

Alaska, 3 Wahlleute: Im nordwestlichen Bundesstaat dauert die Zählung an, hier sind nach CNN-Schätzung erst 47 Prozent der Stimmen gewertet. Deshalb werden die drei Wahlleute Trump noch nicht zugerechnet, auch wenn hier ein klarer Sieg winkt. Aktuell führt der Amtsinhaber mit mehr als 60 Prozent der Stimmen.

North Carolina, 15 Wahlleute: An der Ostküste geht es noch knapp zu, lange hatten die Demokraten hier auch auf einen Sieg gehofft. Nur etwa 80.000 Stimmen beziehungsweise 1,4 Prozent trennen Biden von Trump. Bei allerdings schon 95 Prozent ausgezählten Stimmen wird eher nicht mehr damit gerechnet, dass der Herausforderer den Republikaner noch überholt.

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Nevada, 6 Wahlleute: In dem Staat im Westen der USA führt Biden knapp vor Trump. Bei einem Stand von 49,4 Prozent zu 48,5 Prozent hat Biden rund 12.000 Stimmen Vorsprung. CNN schätzt, dass etwa 89 Prozent der Stimmen ausgezählt sind. Es wird damit gerechnet, dass der Demokrat den Staat, den 2016 auch Hillary Clinton gewann, knapp verteidigen kann. Mit den letzten hier gemeldeten Zahlen konnte er seinen Vorsprung minimal ausbauen. Das Rennen ist aber noch offen. Auch Trumps Team rechnet sich Siegchancen aus und hat außerdem Klage wegen angeblichen Wahlbetrugs eingereicht. Weitere Ergebnisse aus Nevada werden frühestens im späteren Tagesverlauf des Freitags erwartet. Es ist möglich, dass Trump Biden dann überholt.

Arizona, 11 Wahlleute: Die Nachrichtenagentur Associated Press und der US-Sender Fox News hatten den südwestlichen Staat bereits früh Biden zugerechnet. Inzwischen ist das Rennen aber wieder überraschend offen. Bei etwa 86 Prozent ausgezählten Stimmen führt Biden mit 50,5 Prozent zu 48,1 Prozent vor Trump. Bidens zwischenzeitlich großer Vorsprung ist inzwischen auf knapp 70.000 Stimmen geschrumpft, blieb bei den letzten Meldungen neuer Zahlen aber stabil. Dennoch ist dieses Rennen eng und ein Sieg Trumps bleibt möglich. Die allermeisten Stimmen, die hier - wie auch in den anderen Staaten - noch gezählt werden, sind Briefwahlstimmen. Trends aus anderen Bundesstaaten zeigen, dass diese vor allem den Demokraten helfen, weil deren Anhänger verstärkt diese Form des Votums nutzten. Arizona könnte von diesem Muster aber abweichen, berichtet die "New York Times". Die nächsten Stimmen sollen gegen 4 Uhr deutscher Zeit bekanntgegeben werden. Siege in Arizona und Nevada würden Biden zusammen auf genau 270 Wahlleute-Stimmen bringen.

Georgia, 16 Wahlleute: In dem Südstaat sind zwar bereits 98 Prozent der Stimmen ausgezählt, mit jeder neuen Ladung Stimmen aber schrumpfte Bidens Rückstand auf Trump. Aktuell führt der Republikaner mit 49,5 zu 49,2 Prozent. Die absolute Stimmendifferenz beträgt knapp 13.000. Da fast alle noch offenen Stimmen hier Briefwahlstimmen (tendenziell klar pro Biden) und die mehreren Zehntausend noch fehlenden Stimmen mehrheitlich aus demokratisch dominierten Ballungszentren kommen, rechnet sich Bidens Lager gute Chancen aus, den Rückstand noch aufzuholen. Gewinnt Biden in Georgia und holt dazu Arizona oder Nevada, würde das für die benötigten 270 Wahlleute-Stimmen reichen - auch wenn Trump alle anderen Staaten für sich entscheidet.

Pennsylvania, 20 Wahlleute: Trump muss Pennsylvania gewinnen, ohne diesen Staat kann er nicht mehr auf 270 Wahlleute kommen. Aktuell führt der Amtsinhaber hier mit knapp 100.000 Stimmen. Nach Angaben Boockvar mussten hier am Donnerstagabend (deutscher Zeit) aber noch rund 550.000 Stimmen ausgezählt werden. Dabei handelt es sich ebenfalls zum allergrößten Teil um Briefwahl-Stimmen aus den Metropolen Pittsburgh und Philadelphia. Nach Auszählung der am Wahltag in Lokalen abgegebenen Stimmen hatte Trump hier mit mehr als 600.000 Stimmen geführt, mit jeder späteren Auszählung holte Biden auf: In jeder Tranche aus diesen bevölkerungsstarken Wahlkreisen liegt Biden mit bis zu 80 Prozent vorn. Mit einem Ergebnis wird am Abend (Ortszeit) gerechnet. Überholt Biden Trump in Pennsylvania käme er auch ohne alle anderen noch offenen Staaten auf 273 Wahlleute - und hätte die Wahl gewonnen. Fällt die Entscheidung hier knapp im Rahmen weniger Tausend Stimmen aus, könnte insbesondere um Pennsylvania ein zäher Rechtsstreit drohen.

Trumps Wahlkampfteam will den Ausgang der Wahl mit Klagen in Pennsylvania, Georgia, Michigan und Nevada beeinflussen und verlangt eine neue Stimmauszählung in Wisconsin. In Georgia und Michigan wurden die Klagen aber abgewiesen. Bereits in der Wahlnacht hatte der Präsident in einem beispiellosen Schritt angekündigt, bis vor den Obersten Gerichtshof ziehen zu wollen. Beweise für seinen Vorwurf der Wahlmanipulation gibt es nicht. Auch Nach- und Neuauszählungen von Stimmen sind in mehreren Bundesstaaten noch möglich. Historisch bringen die jedoch meist nur eine Korrektur von wenigen Hundert Stimmen.

Quelle: ntv.de, mra