Politik

Wulff-Anruf bei Diekmann "Bild" stellte sechs Fragen

Obwohl die "Bild"-Zeitung für sich beansprucht, die Kreditaffäre um Bundespräsident Wulff ans Licht gebracht zu haben, ist sie nun in der Berichterstattung relativ zurückhaltend. Während andere Zeitungen detailliert aus Wulffs Anruf bei "Bild"-Chef Diekmann zitieren, dokumentiert das Blatt selbst lediglich, was Wulffs verbalem Ausfall vorausging.

Die "Bild"-Zeitung hat im Zusammenhang mit der versuchten Einflussnahme von Bundespräsident Christian Wulff auf die Berichterstattung des Blattes über Wulffs Immobilienkredit noch einmal nachgelegt. Die Zeitung veröffentlichte die Fragen, die am 11. September um 6.49 Uhr per E-Mail an Wulffs damaligen Sprecher, Olaf Glaeseker, geschickt wurden.

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Diekmann und Döpfner im "Bild"-Newsroom in Berlin.

(Foto: picture alliance / dpa)

Im Kern geht es dabei um die Stellungnahme, die Wulff im Februar 2010 als niedersächsischer Ministerpräsident im Landtag in Hannover auf eine Anfrage der Abgeordneten Stefan Wenzel und Ursula Helmhold abgegeben hatte. Die Parlamentarier hatten nach geschäftlichen Beziehungen zwischen Wulff und Egon Geerkens gefragt. Wulff ließ daraufhin erklären, zwischen ihm und "den in der Anfrage genannten Personen und Gesellschaften hat es in den letzten zehn Jahren keine geschäftlichen Beziehungen gegeben."

Sechs Fragen

Unter anderem fragten die Journalisten, warum Wulff den privaten Kreditvertrag über 500.000 Euro mit der Ehefrau des Osnabrücker Unternehmers Egon Geerkens zum Kauf eines Hauses Im Landtag verschwiegen habe. Außerdem wollten sie wissen, wie das Geld aus dem Kredit zu Wulff geflossen ist und warum der Darlehensvertrag "nach der parlamentarischen Anfrage gekündigt und durch einen Darlehensvertrag mit der BW-Bank abgelöst" wurde. Gefragt wurde Wulff auch, "wann und in welcher Form" der Kredit an Geerkens zurückgezahlt wurde.

Glaeseker habe die Fragen am Montag, dem 12. Dezember, zunächst beantwortet. Die Antworten seien dann jedoch kurz vor Redaktionsschluss zurückgezogen worden. Um 18.19 Uhr habe Wulff dann auf dem Handy des "Bild"-Chefredakteurs Kai Diekmann angerufen. Da Diekmann sich zu diesem Zeitpunkt auf einer Dienstreise befand, hinterließ Wulff eine längere Nachricht auf der Mailbox. Darin zeigte sich der Bundespräsident empört über die Recherchen zu dem Hauskredit und drohte unter anderem mit strafrechtlichen Konsequenzen für den verantwortlichen Redakteur.

Laut "Süddeutscher Zeitung" drohte Wulff Diekmann den "endgültigen Bruch" mit dem Springer-Verlag an - für den Fall, dass diese "unglaubliche" Geschichte tatsächlich erscheine. Dabei sei auch die Formulierung "Krieg führen" gefallen. Für ihn und seine Frau sei "der Rubikon überschritten", habe sich Wulff ereifert.

Entschuldigung und Entlassung

Am 13. Dezember 2011 hatte die "Bild"-Zeitung erstmals über den Verdacht berichtet, Wulff habe als Ministerpräsident von Niedersachsen womöglich den Landtag getäuscht. Über seinen Sprecher ließ der Bundespräsident daraufhin mitteilen, die damalige Anfrage sei "korrekt beantwortet" worden.

Am 15. Dezember entschuldigte sich Wulff in einem Telefonat mit Diekmann für den Ton und Inhalt der Mailbox-Nachricht. Daraufhin habe die Zeitung davon abgesehen, über den Vorfall zu berichten, hieß es später in einer Erklärung der "Bild"-Zeitung dazu. Am 2. Januar bestätigte das Blatt jedoch Wulffs Anruf. Recherchen zu Wulffs Kredit habe es unabhängig davon weiter gegeben. Seinen Sprecher Glaeseker hatte Wulff am 22. Dezember entlassen.

Nachtrag 5. Januar: Die "Bild"-Zeitung hat Wulff gebeten, einer Veröffentlichung des Anrufs zuzustimmen.

Quelle: ntv.de, sba

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