Politik

Droht ein neuer Bürgerkrieg? Blutigster Monat im Irak seit fünf Jahren

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Drei Iraker begutachten am 27.10.13 den Tatort eines Attentates im Osten Bagdads, das 25 Menschen das Leben kostete.

(Foto: dpa)

Die seit dem Abzug der amerikanischen Truppen anhaltende Gewalt im Irak gipfelt im Oktober 2013. Es ist der blutigste Monat seit fünf Jahren. Terroristische Gruppierungen wie Al-Kaida nutzen die Situation zu ihren Gunsten.

Im Irak sind im Oktober so viele Menschen bei Anschlägen getötet worden wie seit mehr als fünf Jahren nicht mehr. Mit 964 Toten war der vergangene Monat derjenige mit der höchsten Zahl an dokumentierten Toten seit dem April 2008. Dies belegen Daten der irakischen Regierung. Demnach wurden 855 Zivilisten, 65 Polizisten und 44 Soldaten getötet. Darüber hinaus seien 1600 Menschen verletzt worden, davon 1445 Zivilisten, teilten die Ministerien für Gesundheit, Inneres und Verteidigung mit. Dabei starben 33 Kämpfer und 167 von ihnen konnten festgenommen werden.

Im April 2008 waren bei Anschlägen 1073 Menschen getötet worden. Damals stand das Land in den Anfängen eines religiösen Bürgerkrieges, der zehntausende Menschenleben kostete. Auch heute könnte konfessionell motivierte Gewalt Grund für die hohen Opferzahlen sein. Trotz massiv verschärfter Sicherheitsvorkehrungen im Land und der gezielten Verfolgung bewaffneter Gruppen, hat diese seit Januar 2013 wieder deutlich zugenommen. Hintergrund ist unter anderem ein Machtkampf zwischen dem schiitischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki und der sunnitischen Opposition, die ihm einen autoritären Regierungsstil und die Diskriminierung ihrer Minderheit vorwerfen. Extremistengruppen mit Verbindungen nutzen die angespannte Lage, um Kämpfer im Irak zu rekrutieren und Anschläge zu verüben. Besonders der irakische Ableger von Al-Kaida, "Islamischer Staat im Irak und in Großsyrien", schürt immer wieder Hass zwischen den Konfessionen und attackiert gezielt schiitische Ziele.

Obama bietet Hilfe an

Ministerpräsident Al-Maliki hält sich derzeit in Washington auf und trifft am Freitag US-Präsident Barack Obama. Amerikanische Regierungsvertreter kündigten bereits Hilfe für die irakische Regierung im Kampf gegen Extremisten an. Geplant sind den Angaben zufolge Rüstungshilfen und geheimdienstliche Unterstützung. Sie sollen insbesondere mit Blick auf Gruppierungen zur Verfügung gestellt werden, die mit Al-Kaida in Verbindung stehen. Nachdem sich die US-Truppen Ende 2011 aus dem Irak zurückgezogen haben, stieg die Gewalt wieder stark an. Laut Angaben starben dieses Jahr bereits über 6000 Iraker durch terroristische Anschläge.

Quelle: ntv.de, lou/AFP