"Eine unvergessliche Erfahrung"Castro übersteht Sturz
Kubas Partei- und Staatschef Castro hat das Beste aus seinem Sturz gemacht: Er ist mit einem ausführlichen OP-Bericht vor die Fernsehkameras getreten.
Kubas Staats- und Parteichef Fidel Castro hat sich nach einem Sturz einer dreieinviertelstündigen Knieoperation unterziehen müssen. Wie der 78-Jährige 24 Stunden nach dem Unfall im kubanischen Fernsehen berichtete, war seine linke Kniescheibe bei dem Sturz in acht Teile zersplittert. Außerdem zog er sich auch einen Bruch am rechten Oberarm zu.
Vor der Fernsehkamera gab Castro einen ausführlichen Operationsbericht. Er hob hervor, dass der Eingriff nur mit örtlicher Betäubung vorgenommen wurde. Castro: "Wirklich, meine Landsleute, es war eine unvergessliche Erfahrung. Die Spezialisten und der Patient analysierten perfekt, was unter den konkreten Umständen, die das Land erlebt, getan werden musste, ohne eine einzige Minute zu verlieren."
Castro war am Mittwochabend nach einer Rede in der Stadt Santa Clara der Länge nach zu Boden gestürzt, weil er beim Verlassen einer Bühne eine Stufe übersehen hatte. Stolpern und Sturz des Revolutionsführers wurden vom kubanischen Fernsehen live mitgefilmt. Einige der 30.000 Zuhörer brachen angesichts des Malheurs des "maximo lider" in Tränen aus. Der versuchte, den Zwischenfall herunterzuspielen: "Ich bitte um Verzeihung, dass ich hingefallen bin. Damit niemand spekuliert, stelle ich fest, dass ich eine Fraktur am Knie und vielleicht auch eine am Arm habe, vielleicht, ich bin noch nicht sicher. Aber ich bin heil." Er werde seine Arbeit fortsetzen können. Er sei auf die Pressefotos seines Sturzes gespannt, scherzte der traditionell in Olivgrün gekleidete Castro auf einem Stuhl sitzend.
Nach der ärztlichen Untersuchung teilte die Regierung in einem kurzen Kommunique mit, Castros linkes Knie sei gebrochen und außerdem gebe es einen glatten Bruch am rechten Arm. "Sein allgemeiner Gesundheitszustand ist gut und seine Laune glänzend", ergänzte das offizielle Bulletin.
Der für seine langen Ansprachen berüchtigte Staatschef hatte in Santa Clara, rund 300 Kilometer östlich von Havanna, eine einstündige Rede vor Absolventen einer Hochschule für Kunstlehrer gehalten. In der Stadt liegt sein alter Weggefährte Ernesto Che Guevara (1928-1967) bestattet. Zusammen mit dem Flüchtlingsjungen Elin hatte Castro des Revolutionärs gedacht und an dessen Grab Blumen niedergelegt.
Über den Gesundheitszustand des Staats- und Parteichefs wird seit vielen Jahren spekuliert. Im Juni 2001 war Castro bei einer Rede unter glühender Sonne in Havanna zusammengebrochen. Seitdem halten sich in Kuba Gerüchte über den Gesundheitszustand des seit 45 Jahren regierenden Revolutionsführers und damit die Frage, wie lange er noch die Zügel in der Hand halten kann.