Politik
Chinesische Soldaten patroullieren in Hohhot.
Chinesische Soldaten patroullieren in Hohhot.(Foto: AP)
Montag, 30. Mai 2011

Proteste nach Todesfällen: China riegelt Innere Mongolei ab

In der chinesischen Provinz Innere Mongolei regt sich der Widerstand gegen den Kohlebergbau Chinas. Die Behörden reagieren mit harter Hand gegen Demonstranten und sperren öffentliche Plätze und Universitäten ab, um weitere Proteste zu unterdrücken. Zuvor hatte es Todesopfer gegeben.

Aus Angst vor neuen Protesten haben chinesische Sicherheitskräfte weite Teile der nördlichen Provinz Innere Mongolei abgeriegelt. In mehreren Städten wurden Universitäten und öffentliche Plätze abgesperrt, wie das in den USA ansässige "Informationszentrum für Menschenrechte in der südlichen Mongolei" berichtete.

Die Sicherheitsvorkehrungen in der Hauptstadt Hohhot und in anderen Städten wie Tongliao und Chifeng wurden verschärft. Ein Großaufgebot von Polizei riegelte in Hohhot den Xinhua-Platz ab, wo heute zu einem großen Protest aufgerufen worden war. "Alle paar Meter ist Polizei auf der Straße zu sehen", sagte ein Angestellter eines Hotels.

Gabelstapler überfährt Mann

In den vergangenen Tagen hatte es immer wieder Demonstrationen wegen des Todes zweier Mongolen gegeben. Am 15. Mai war ein Mann ums Leben gekommen, als ihn ein Gabelstapler überfuhr. Der 22-Jährige hatte mit anderen Dorfbewohnern gegen die Wasser- und Luftverschmutzung durch eine Kohlegrube in Abag Qi protestiert und war mit Bergarbeitern aneinandergeraten. Der chinesische Staplerfahrer werde in Xilinhot unter Mordanklage vor Gericht gestellt, berichtete die Staatsagentur. Zuvor überrollte am 10. Mai ein Mitglied der in China dominierenden ethnischen Han-Gruppe einen mongolischen Hirten, der Anführer eines Widerstandes gegen Konvois mit Kohlelastern war, die über Weiden von Hirten fahren.

"Die Situation ist hier derzeit sehr angespannt", sagte ein Polizist vor einer Schule in der Stadt Xilinhot . Nach Angaben von Bewohnern verschiedener Regionen der Inneren Mongolei stoppten die Polizisten Autos und überprüften Ausweise, am Sonntag hatten die chinesischen Behörden zudem offenbar die Internetverbindungen in der Region gekappt. Die starken Sicherheitsvorkehrungen wurden als Zeichen für Befürchtungen der Behörden gesehen, es könnte in der Provinz Massenproteste wie zuletzt in einigen arabischen Ländern geben.

Sechs Millionen Mongolen

Ob die Probleme eine Rolle bei der Sitzung des Politbüros der Kommunistischen Partei in Peking spielten, ist offen. Thema des Treffens des obersten Machtgremiums war der Umgang mit den wachsenden sozialen Problemen in China.

In China leben schätzungsweise sechs Millionen Mongolen, die sprachlich und kulturell mit dem Staat Mongolei verbunden sind. Sie machen rund 17 Prozent der Bevölkerung in der chinesischen Provinz aus und klagen über Diskriminierung politischer und kultureller Art. Der Regierung in Peking werfen sie vor, ihren Lebensstil zu missachten, wohingegen China versichert, große Anstrengungen für die Entwicklung der Region zu unternehmen. Die Hirten machen den Ausbau des Bergbaus für den Verlust von Weideland und Vieh verantwortlich.

Quelle: n-tv.de