Politik

Vom Tag, an dem alle Ausländer verschwinden "Das wäre der Untergang"

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Keine leichte Denkaufgabe: Sieben Millionen Menschen müssen gehen.

(Foto: Redline Verlag)

Es ist heiß an diesem Juni-Sonntag. Am Himmel ist kein Wölkchen auszumachen, viele Menschen vergnügen sich im Freibad. Doch die Idylle trügt. Denn auf den Autobahnen und an den Grenzen tobt das blanke Chaos: Per Regierungsbeschluss sind zum heutigen Tag alle Menschen ohne deutschen Pass zur Ausreise gezwungen.

Die Regierung hat zuvor die Deutschen in einem Referendum befragt: "Wollen Sie, dass Ausländer im Land bleiben dürfen?" Eine schwere Wirtschaftskrise bedrückt die Menschen, viele bangen um ihr Vermögen und ihre Rente. Und da entscheiden sich die Deutschen mehrheitlich für ein Land ohne Fremde.

Alles reine Fiktion? Gott sei Dank. Entworfen haben dieses Szenario Pitt von Bebenburg und Matthias Thieme in ihrem Buch "Deutschland ohne Ausländer". Im n-tv.de Interview erklärt Thieme, wie realistisch diese Vorstellung ist und welche Folgen es hätte, wenn sieben Millionen Ausländer mit einem Mal nicht mehr hier wären.

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Matthias Thieme (l.) und Pitt von Bebenburg

n-tv.de: Ein "Deutschland ohne Ausländer" ist die Wunschvorstellung rechter Spinner, meinen viele. Sie beschreiben dieses Szenario, als wäre es real. Kann das wirklich so kommen?

Matthias Thieme: Eines vorweg: Wir entwerfen in unserem Buch ein Szenario, von dem wir uns nicht wünschen, dass es eintritt. Allerdings halten wir es auch für nicht so weit hergeholt. Wir haben darauf geachtet, dass alles logisch abläuft. Es ist denkbar, dass in einer Krise, wie wir sie voraussetzen, eine Partei an die Macht kommt, die Volksbefragungen auf Bundesebene einführt. Und es ist möglich, das belegen aktuelle Umfragen immer wieder, dass sich die Mehrheit der Deutschen gegen Ausländer im Land ausspricht.

Wie kommen Sie zu Ihrem Szenario?

Das Buch besteht durchgehend aus zwei Teilen. Ein Teil ist eine erfundene Geschichte, die wie ein Film abläuft. Es ist die Geschichte, wie sieben Millionen Ausländer Deutschland verlassen und wie Deutschland danach aussähe. Der zweite Teil stellt eine Vielzahl von aktuellen Fakten und Statistiken dar, die uns Experten aus den unterschiedlichsten Fachbereichen zur Verfügung gestellt haben. Da haben wir die renommiertesten Köpfe unserer Zeit gewonnen. Was passiert an dem Tag, an dem die Ausländer gehen müssen? Wir bleiben aber nicht am ersten Tag stehen, sondern stellen detailliert dar, was nach einer Woche, einem Monat, einem Jahr passieren würde.

Angenommen, es kommt, wie Sie es beschreiben. Was wären denn die wirtschaftlichen Folgen?

Das würde in einen wirtschaftlichen Totalschaden münden. Unsere Gesellschaft hängt in vielen Bereichen von Ausländern ab. Zum Beispiel wissen die wenigsten, dass die meisten deutschen Autos von Ausländern designt werden. Auch das Finanzwesen wäre betroffen. Experten prognostizieren in unserem Szenario den sofortigen Börsencrash. Man müsste zudem die Abwanderung von großen Banken und Unternehmen annehmen. Viele urdeutsch angesehene Firmen werden zu einem hohen Anteil von ausländischen Eigentümern gehalten. Bei Daimler sind das zum Beispiel 63 Prozent, bei Eon 70 Prozent, bei Bayer und der Deutschen Börse sogar über 80 Prozent. Auch die deutschen Staatsanleihen werden zu über 60 Prozent von ausländischen Investoren gehalten.

Aber da gibt es ja auch noch sehr viel näherliegende Bereiche, die nicht mehr funktionieren würden.

Ganz viele Dienstleistungen, von denen unser modernes Leben abhängt, wären mit dem Verschwinden der Ausländer nicht mehr verfügbar oder würden so teuer, dass es sich kaum noch jemand leisten kann. Die Beschäftigung einer Putzfrau etwa wäre nicht mehr für die Mittelschicht erschwinglich. Die Preise dafür lägen auf dem Niveau von Butlern, wie sie in sehr wohlhabenden Haushalten zu finden sind. Oder denken Sie an die Pflege. Jeder sechste Mitarbeiter in Pflegediensten ist ausländischer Herkunft. Viele alte Menschen könnten nicht mehr ausreichend gepflegt werden und würden in der Folge früher sterben. Sofern sie nicht selbst das Land verlassen und ihren Pflegekräften hinterherziehen. Es könnte dann massenhaft ältere Deutsche geben, die sich beispielsweise in Thailand oder in der Türkei pflegen lassen.

Es gibt doch rund drei Millionen Arbeitslose. Könnten diese Menschen das denn nicht zum Teil auffangen?

Theoretisch ja, praktisch nein: Wir entlarven in unserem Buch einige Vorurteile, die es über Ausländer gibt. Eines davon ist das des Ausländers, der den Deutschen die Arbeitsplätze wegnimmt. In den meisten Jobs, die im gering qualifizierten Sektor von Ausländern übernommen werden, sind Deutsche nicht bereit, zu arbeiten. Wo bringt man seine Schuhe zum Flicken hin? Wer führt den Gemüseladen an der Ecke, der bis spät abends geöffnet ist? Wer putzt nachts die Büros? Denkt man sich nun die Ausländer weg, gibt es nur zwei Lösungen: Entweder fallen diese Tätigkeiten weg - Deutschland würde dreckiger und das Leben viel anstrengender. Oder das Lohnniveau müsste in diesen Jobs so ansteigen, dass sie wieder attraktiv werden für deutsche Arbeitskräfte.

Mit vielen Ausländern besetzt sind auch die Kader von Profi-Fußballmannschaften.

Ja, das ist richtig. Wir haben gemeinsam mit Ex-DFB-Präsident Theo Zwanziger nachgezählt und kamen auf 228 Bundesligaspieler, die fehlen würden. Der Anteil der Ausländer in der Fußball-Bundesliga liegt bei 43 Prozent. Wenn man die wegdenkt, hätten manche Vereine Probleme, elf Spieler auf den Platz zu stellen. Und man würde wahrscheinlich sehr viel langweiligere Spiele erleben.

Deutschland schmückt sich ja gerne mit den Begriffen Bildungsnation oder Wissenschaftsnation. Wie würden den deutsche Hochschulen aussehen ohne Ausländer?

Der Hochschulbereich ist sehr auf internationalen Austausch angewiesen. Wenn man sich die ausländischen Professoren, Doktoranden, wissenschaftlichen Mitarbeiter und Studenten wegdenkt, dann hätte man da in Deutschland schnell den Anschluss schnell verloren. Das wäre ein Rückfall ums Ganze.

Ein "Deutschland ohne …" hat es ja auch in der Realität schon einmal gegeben. Ist für Ihre Arbeit Deutschland nach 1945 eine Blaupause gewesen?

Manche Experten haben uns gesagt, dass unser Gedankenspiel tatsächlich nur zu vergleichen ist mit der Judenvernichtung im Dritten Reich und den Folgen für das Land. Diesen Aderlass an Ideen, kulturellen Einflüssen und Menschen hat das Land bis heute nicht ganz verkraftet.

Und heute ohne Ausländer? Ließe sich das kompensieren?

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Ganz klar: Nein. Es gibt auch einen entscheidenden Unterschied zur Situation nach 1945. Wir leben in einer vernetzten Welt, in der der Austausch von Menschen und Ideen immer wichtiger wird. Wenn man das auseinanderreißen würde, würde man sich aus der Weltgemeinschaft herauskatapultieren. Das wäre der Untergang des Landes. Am Ende ist Deutschland ein stark alternder, kulturell verarmter, wirtschaftlich zugrunde gehender Rumpfstaat, der von seinen Nachbarn und der Welt bemitleidet werden würde.

Mit Matthias Thieme sprach Johannes Graf

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Quelle: n-tv.de