Politik
Donnerstag, 08. November 2007

Der Fall Sammar: Deutsche Daten an die USA

Das Bundeskriminalamt (BKA) hat im Herbst 2001 Reisedaten des Deutsch-Syrers Mohammed Haydar Sammar an die USA geliefert, was in Marokko zu seiner Festnahme und dann zur Überstellung nach Syrien in ein Foltergefängnis führte. Das wurde bei der Vernehmung des BKA-Beamten Paul Kröschel im Bundestags-Ausschuss zur Untersuchung von Geheimdienstaktivitäten während des Irak-Kriegs deutlich. Dieser Ausschuss war um mehrere Themen erweitert worden, auch um den "Fall Sammar".

Wegen Mitgliedschaft in der Moslembruderschaft wurde der 1982 in Deutschland eingebürgerte Syrer in Damaskus zunächst zum Tode verurteilt. Später wurde diese Strafe nach Angaben von Menschenrechtlern auf zwölf Jahre Haft festgelegt, die Sammar derzeit in Syrien verbüßt. Akten über das Urteil liegen in Berlin nicht vor. Sammar war im Gefängnis auch von BKA-Beamten verhört worden.

Lange vor dem Anschlag observiert

Sammar soll der Hamburger Terrorzelle um Mohammed Atta, einem der Attentäter vom 11. September 2001, eng verbunden gewesen sein. Deshalb wurde gegen ihn von der Bundesanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung eingeleitet. Auch sei Sammar lange vor dem New Yorker Anschlag geheimdienstlich observiert worden. Die Verdachtsmomente hätten jedoch nicht für einen Haftbefehl ausgereicht, sagte der BKA- Beamte, der als Zeuge vernommen wurde.

Die Opposition, vor allem die Partei Die Linke, wirft den deutschen Sicherheitsbehörden vor, Sammar mit der Marokko-Reise am 27. Oktober 2001 bewusst in die Hände der amerikanischen Terrorfahnder gespielt zu haben. Das SPD-Ausschussmitglied Thomas Oppermann nannte entsprechende Behauptungen dagegen infam.

Der BKA-Beamte sagte vor dem Ausschuss ferner, "eine Fülle von Informationen" hätten Sammar als Anhänger des weltweit gesuchten Terroristen Osama bin Laden ausgewiesen. Er sei auch einige Jahre vor dem Anschlag auf das World-Trade-Center in einem afghanischen Lager gewesen und habe dort eine militärische Ausbildung erhalten.

Deutschen Pass als verloren gemeldet

Der BKA-Beamte bestätigte Angaben des SPD-Obmanns Oppermann, wonach der Deutsch-Syrer trotz des Bezugs von Sozialhilfe eine Unzahl von Reisen nach Afghanistan, die Türkei, Sudan, Pakistan oder Mauretanien unternommen habe. Vor seiner letzten Reise habe Sammar seinen deutschen Pass als verloren gemeldet. Dieser sei später in einem als Al-Kaida-Objekt bekannten Anwesen in Afghanistan gefunden worden sei.

Der BKA-Beamte gab zu bedenken, dass die US-Behörden über Sammars Reisedaten bereits im Voraus informiert gewesen seien, da das FBI in einer in Hamburg gebildeten Sonderkommission des BKA mitgearbeitet habe. Am 27. November 2001 - zwölf Tage vor der geplanten Rückkehr Sammars nach Deutschland - seien diese Daten offiziell übermittelt worden. Der BKA-Beamte betonte, es sei bei der Weitergabe der Daten überhaupt nicht zu erkennen gewesen, was anschließend mit dem Deutsch-Syrer passieren würde. Angeblich wurde er auf Wunsch der USA an Syrien überstellt.

Quelle: n-tv.de