Politik

Reporter für rechtsgerichtetes Blatt Deutscher Journalist in Syrien frei

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Syriens Vize-Außenminister Mukdad, der Journalist Six und der russische Botschafter Mohamadow (v.l.) in Damaskus.

(Foto: dpa)

Um sein Leben nicht zu gefährden, blieb das Verschwinden eines deutschen Journalisten in Syrien bisher geheim. Nun wird bekannt, dass er von Behörden des Landes an den russischen Botschafter übergeben wird. Der 26-Jährige berichtete für die rechtsgerichtete Zeitung "Junge Freiheit" aus Syrien.

Ein in Syrien verschleppter deutscher Journalist ist wieder frei. Er sei von den syrischen Behörden an den russischen Botschafter in Damaskus übergeben worden, sagte der syrische Vize-Außenminister Faisal Mukdad. Danach reiste er in den Libanon aus. Bei dem Journalisten handelt es sich um den Reporter Billy Six, der für die rechtsgerichtete Wochenzeitung "Junge Freiheit" arbeitet, wie das Blatt bestätigte. Bundesaußenminister Guido Westerwelle äußerte sich "erleichtert", dass der Reporter "in sicherer Obhut" der deutschen Botschaft in Beirut sei.

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Soldaten der Freien Syrischen Armee stehen neben einem gepanzerten Fahrzeug der Regierungstruppen in Aleppo. In der nordsyrischen Stadt wird weiterhin heftig gekämpft.

(Foto: REUTERS)

Der russische Außenminister Sergej Lawrow habe die syrischen Behörden gebeten, in dem Fall zu vermitteln und sich für die Freilassung des Reporters einzusetzen, sagte Mukdad. "Wir sagten ihm, wir seien bereit zu helfen, betonten aber erneut unseren Vorbehalt gegenüber denjenigen, die illegal nach Syrien einreisen", sagte er. Keine Angaben machte er dazu, ob Six inhaftiert worden war.

Mukdad zufolge ist Six 26 Jahre alt und stammt aus der Nähe von Berlin. Six, der einen Bart und längere Haare trug, schüttelte Mukdad und dem russischen Botschafter Asamatullah Kol Mohamadow bei der Pressekonferenz die Hand.

Vater ist erleichtert

Nach Angaben der "Jungen Freiheit" war Six seit August für das Blatt in Syrien. Kurz nach Weihnachten habe die Redaktion erfahren, dass Six festgenommen worden sei. Der Kontakt zu dem Reporter sei dann abgebrochen. Um das Leben des Mannes nicht zu gefährden, habe die Redaktion entschieden, den Fall nicht öffentlich zu machen. Unklar geblieben sei, wer genau Six festgenommen hatte und wo er festgehalten wurde.

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Der Screenshot eines Videos zeigt, wie Menschen in Raka die Statue des Vaters von Machthaber Assad zerstören.

(Foto: AP/dpa)

Der Vater des Journalisten zeigte sich nach dessen Freilassung der Zeitung zufolge erleichtert. "Eine Last ist von unseren Schultern gefallen", sagte er. Der Chefredakteur der "Jungen Freiheit", Dieter Stein, dankte den Behörden, "insbesondere auch den russischen". Diese hätten sich "nach unserer Kenntnis sehr um die Freilassung unseres Reporters Billy Six bemüht", erklärte er.

Außenminister Westerwelle dankte der russischen Regierung und Außenminister Lawrow für ihre Unterstützung, Six' Ausreise aus Syrien zu ermöglichen. Die Bundesregierung habe sich intensiv darum bemüht, seinen Verbleib aufzuklären und seine Rückkehr zu ermöglichen. Derzeit werde der Reporter von der deutschen Botschaft in Beirut "umfassend konsularisch betreut". Am Mittwoch wird Six zu einer Pressekonferenz in Berlin erwartet.

Hohe Funktionäre gefangen genommen

Unterdessen haben Rebellen bei der Einnahme der nordsyrischen Provinzhauptstadt Raka den Gouverneur der Region gefangengenommen. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte veröffentlichte ein Video, das den Gouverneur, Hassan Dschalili, und den Generalsekretär der regierenden Baath-Partei, Suleiman Suleiman, sitzend inmitten von Rebellen zeigt. Einer der Aufständischen sagt in der Sequenz: "Alles, was wir wollen, ist, uns von dem Regime zu befreien." Ein Sprecher der Freien Syrischen Armee erklärte, es werde in der Stadt "gerechte Prozesse" gegen gefangen genommene Funktionäre des Regimes geben.

Nach Angaben der Beobachtungsstelle sind Dschalili und Suleiman die beiden hochrangigsten Funktionäre, die seit dem Beginn des Syrien-Konflikts vor fast zwei Jahren von Aufständischen gefangengenommen wurden. "Raka hat unter der Korruption des Gouverneurs sehr gelitten", sagte der Chef der Organisation, Rami Abdel Rahman. Angaben der Beobachtungsstelle können von unabhängiger Seite nicht überprüft werden.

Die Rebellen hatten am Vortag die meisten Viertel von Raka eingenommen. Es wäre damit die erste Provinzhauptstadt des Landes, die vollständig unter der Kontrolle der Aufständischen ist. Rund um den Sitz des militärischen Geheimdienstes gab es laut Beobachtungsstelle aber weiterhin Kämpfe mit syrischen Truppen und Milizen. Die regierungstreue Zeitung "El Watan" berichtete, "tausende bewaffnete Männer" hätten Raka innerhalb weniger Tage in einen "Schauplatz des Terrors" verwandelt.

Das syrische Regime scheint nach der Einnahme von Raka einen Rachefeldzug vorzubereiten. Der Nachrichtensender Al-Arabija meldete, die Armee habe im Umland von Damaskus eine Scud-Rakete in Richtung Nordsyrien abgefeuert. Der Allgemeine Rat für die syrische Revolution meldete Luftangriffe auf zwei Schulen in der Stadt, in denen sich Vertriebene aufhielten. Kampfflugzeuge hätten das Stadtzentrum bombardiert, sagte ein Bewohner. Er habe 60 Raketen gezählt. Krankenhäuser hätten wegen der Verletzten an die Einwohner appelliert, Blut zu spenden. Ein Sprecher des lokalen Revolutionskomitees sagte dem syrischen Nachrichtenportal "Zaman al-Wasl", die Rebellen bereiteten sich auf eine mögliche Offensive von Truppen vor, die von Homs nach Raka verlegt würden.

Quelle: ntv.de, AFP/dpa

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