Politik

Seine Sprecherin, sein Anwalt, seine Frau Die Menschen hinter Wulff

Auch Politiker sind Menschen. Sie haben um sich andere, die sie unterstützen, ihnen raten - vor allem in Krisenzeiten. Auch Bundespräsident Christian Wulff steht in der Krise nicht allein, aber wer sind die Menschen, auf die er möglicherweise hört?

Lothar Hagebölling

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Wulff und Hagebölling nach dem Fernsehinterview im Auto.

(Foto: picture alliance / dpa)

Seit Juli 2010 ist Lothar Hagebölling Chef des Bundespräsidialamtes. Hagebölling war schon seit 2006 in Hannover Chef der niedersächsischen Staatskanzlei unter dem Ministerpräsidenten Christian Wulff, der ihn nun nach Berlin holte. Er gilt als enger, diskreter und loyaler Vertrauter von Wulff. Hagebölling leitet nicht nur die Behörde mit einem Jahresetat von 29 Millionen Euro und ihren 170 Stellen. Er bildet auch das Verbindungsglied zwischen Bundespräsident und Regierung. So hat er das Recht, an Kabinettssitzungen teilzunehmen.

Hagebölling gilt als solider Arbeiter mit wertkonservativen Grundsätzen. Nach den Unruhen um Wulffs Amtsvorgänger Horst Köhler ist unter seiner Leitung wieder Ruhe im Schloss Bellevue eingekehrt. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" sieht in ihm den Mann, der im inneren Kreis versucht, Unbill von Wulff abzuwenden. Dabei sei er mehr der Mann für Generallinien oder Detailkenntnis, als der für konkrete Handlungsanweisungen. Seinen Wohnsitz in Braunschweig hat Hagebölling trotz des Jobs in Berlin behalten. Neben seiner Funktion in Berlin ist er Honorarprofessor an der Technischen Universität Braunschweig. Thema seiner Antrittsvorlesung: "Der Bundespräsident - Staatsnotar oder staatspolitischer Libero".

Hinter den Kulissen arbeitet Hagebölling daran, wieder andere Schwerpunkte in der Wahrnehmung des Bundespräsidenten zu setzen. Dazu gehören nicht nur die Planungen für weitere Auslandsreisen, sondern besonders die Vorbereitung des Empfangs für die Angehörigen der Opfer der Zwickauer Neonazis am 23. Februar.

Petra Diroll

Nach der Entlassung seines zweiten Hannoverschen Vertrauen Olaf Glaeseker stieg die bisherige Vize-Sprecherin Petra Diroll zur Chefin der Pressestelle auf. Diroll sollte den Job schon unter Bundespräsident Horst Köhler bekommen, einen Tag vor Dienstantritt trat Köhler allerdings zurück. Diroll, vom "Mediummagazin" zum "Pechvogel des Monats" gekürt, blieb dennoch. Nun ist die gelernte Journalistin doch noch auf dem Chefsessel angekommen.

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Diroll und Wulff 2010 gemeinsam im Flugzeug.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ihr dürfte dabei nützen, dass sie als langjährige politische Korrespondentin das journalistische Geschäft – und seine wissbegierigen Akteure – gut kennt. Die aus Kulmbach in Franken stammende Journalistin arbeitete lange für den Bayerischen Rundfunk, war im ARD-Generalsekretariat tätig und diente als Vorstandsmitglied der Bundespressekonferenz in Berlin. Menschen in ihrer Umgebung beschreiben Diroll als ehrgeizig, stressresistent und hochprofessionell, in Berlin ist die Mittvierzigerin gut vernetzt in Politik und Medien.

Auch wenn Diroll wohl noch nicht als Wulff-Vertraute gelten kann – auf Bildern wirkt Wulff mit seiner Sprecherin freundlich im Umgang. Da das Krisenmanagement bisher vom Bundespräsidialamt weg verlagert wurde, steht die wirkliche Bewährungsprobe für Diroll aber auch noch aus.

Gernot Lehr

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Wulff wäre nicht der erste Bundespräsident, den Lehr raushaut.

(Foto: picture alliance / dpa)

Was Wulff in den vergangenen Wochen mitzuteilen hatte, kam meist von seinem Anwalt Gernot Lehr. Der Jurist betont immer wieder, dass er Christian Wulff vertrete und nicht den Bundespräsidenten. Der Sohn der ehemaligen Bundesfamilienministerin Ursula Lehr (CDU) studierte Jura und Volkswirtschaft in Bonn und München. Seit 24 Jahren ist er für die bekannt Bonner Kanzlei Redeker Sellner Dahs aktiv, die gute Verbindungen in die Politik besitzt. Lehr vertrat schon Bundespräsident Johannes Rau, aber auch Kurt Beck, Rita Süssmuth und Wolfgang Thierse.

Wulffs Anwalt beantwortete bereits Hunderte Anfragen, organisierte Experten für knifflige Sachverhalte und fasste die wesentlichen Antworten schließlich handlich zusammen. Die Spezialgebiete des 54-Jährigen sind Presse- und Äußerungsrecht, Rundfunkrecht, Recht der neuen Medien, Urheberrecht, Glücksspielrecht und Medienverfassungsrecht. Seine Arbeit für Bundespräsident Wulff nennt er "gar nicht so ungewöhnlich". Ziel sei es, präventiv tätig zu werden, also rechtzeitig zu sehen, wo Berichterstattung "falsch werden könnte".

Dafür hat Lehr ein klares Prozedere festgelegt. Fragen an den Bundespräsidenten gehen über seinen Tisch. Er bereitet die Antworten vor, sendet sie an Wulff und gibt sie schließlich frei. In der eigenen Zunft gilt Lehr als schlauer Kopf, der mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg hält, sich jedoch nie aufspielt. Lehr hat wie kaum ein anderer bisher Wulffs Krisenmanagement geleistet. Während das politische Berlin verstummte, verteidigt Lehr den Bundespräsidenten unverdrossen, und das nicht nur juristisch.

Wulff sei "selbstkritisch, offen für kritische Hinweise, auch für Beratung", sagte er der "Allgemeinen Zeitung". Der Bundespräsident sei ein "ehrenwerter Mann", der keine juristischen Verfehlungen begangen habe. Die "Frankfurter Rundschau" bezeichnete ihn als Wulffs schärfste Waffe, der sich in der Mischung als menschlicher Prellbock und "Medienflüsterer" für Wulff als unersetzlich erweisen könnte.

Bettina Wulff

Unverzichtbar in Wulffs Kreis ist auch seine Frau Bettina. Die Begegnung mit seiner zweiten Ehefrau hat in Wulff einen offensichtlichen Wandel bewirkt. Hugo Müller-Vogg hat beobachtet, wie sich Wulff veränderte: "Bettina Körner ging gern aus, liebte den Glamour, da hat er auch seinen Spaß dran gefunden. Seine erste Frau hat ihn nicht gern auf Termine begleitet, da lebte er nun anders und trat auch anders auf."

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Wulff erwähnt seine Frau auch in dem TV-Interview.

(Foto: picture alliance / dpa)

Früher eher schüchtern, zeigte sich Wulff nun gern in der Öffentlichkeit. Er sprach offen über seine Scheidung, die neue Liebe, die Geburt des gemeinsamen Kindes. Bettina Wulff mag die Frau im Hintergrund gewesen sein, die ihn ermunterte, die Tür zum Boulevard zu öffnen. Nach einem Studium des Medienmanagements und angewandter Medienwissenschaften arbeitete sie zunächst als PR-Assistentin und später als Pressereferentin bei einem Automobilzulieferer sowie bei einer Drogeriehandelskette in Hannover.

Bis zu der Affäre wurden vor allem ihre Jugend, ihr Charme und ihr Talent, die Patchworkfamilie Wulff zu managen, erwähnt. Nun werden ihr gern eigene Ambitionen unterstellt, ihren Mann im Amt zu halten. Mit ihrem Besuch beim Neujahrsempfang des "Hamburger Abendblatts" überraschte sie viele und lieferte einen kleinen Vorgeschmack darauf, wie wichtig sie in Wulffs Krisenmanagement noch werden könnte.

Quelle: ntv.de