Politik

KSKDie "Schattenmänner" der Bundeswehr

24.02.2002, 15:53 Uhr

Sie sind die "Schattenmänner" der Bundeswehr: Einsatzfelder geheim, Namen unbekannt und in aller Stille stets einsatzbereit - die rund 1000 Männer des "Kommandos Spezialkräfte" (KSK), stationiert im baden-württembergischen Calw.

Fast unscheinbar wird in der Truppenzeitschrift "Bundeswehr aktuell" jetzt für die Reihen der "harten Alleskönner" Nachwuchs gesucht. "Am liebsten hätten wir die berühmte Eier legende Wollmilchsau, die noch mehr als alles kann ", meinte lächelnd ein KSK-Nachwuchswerber.

Der Offizier weist darauf hin, bei der KSK handele es sich um eine "normale Kampftruppe", die eben nur ein bisschen mehr "kann und können muss" als die anderen Truppenteile der Bundeswehr. "Nur übers Wasser laufen, das können wir nicht", fügt er hinzu. Die KSK suche wie ein ganz normales Unternehmen wieder einmal qualifizierten Nachwuchs. Auch ein solcher Verband müsse sich regenerieren.

Gesucht werden Soldaten aus der Truppe, die eine abgeschlossene Ausbildung zum Unteroffizier oder Offizier haben. Bedingung: Besser trainiert als die anderen Kameraden, Fallschirmsprungtauglichkeit und psychisch gut belastbar. Nicht erwünscht: Rambotypen mit "dicken Armen" und ausschließlichen Draufgängermanieren. Das überaus harte Auswahlverfahren beginnt am 2. April und endet am 28. Juni. Die Ausfallquoten bei solchen Verfahren liegen nach Auskunft der KSK bei durchschnittlich 70 bis 80 Prozent.

Eine "Einstiegsprämie" bei bestandener Prüfung gibt es bei der Bundeswehr nicht. Da haben es die GIs besser. Das US-Verteidigungsministerium lockt in diesem Fall die Männer für die Special Operations Forces (SOF) mit dicken Schecks: 20.000 Dollar für den Eintritt in die Truppen, die gerade die Hauptlast am Boden in Afghanistan tragen. Nach geglücktem Eintritt in die KSK werden die Soldaten drei Jahre lang für ihre Spezialeinsätze als Kommandosoldaten ausgebildet. Danach können sie unter und über Wasser operieren, kommen lautlos aus der Luft und sind am Boden die Härtesten.

Der Bundestag hatte zugestimmt, rund 100 KSK-Soldaten für den Kampf gegen den internationalen Terrorismus zur Verfügung zu stellen. Sie gehören zum Kontingent der 3.900 deutschen Soldaten im Rahmen der Operation "Enduring Freedom". KSK-Männer waren schon mehrfach bei der Festnahme von mutmaßlichen Kriegsverbrechern auf dem Balkan beteiligt. Vier von ihnen wurden dabei schwer verwundet. Auch darüber schwieg sich die Bundeswehrführung aus.

Die Soldaten mit den schwarzen Tarnanzügen und Tarnschutzmasken über dem Kopf sind mit den modernsten Waffen ausgerüstet: Neben Splitterschutzwesten und Nachtsichtgeräten haben sie unter anderem eine Weste mit speziellen Haltevorrichtungen, Magazintaschen mit besonderen Zugriffsmöglichkeiten und ein Mikrofon, das mit der Bewegung der Lippen aus- und eingeschaltet werden kann. Die KSK-Scharfschützen verwenden das AWM-F Gewehr der britischen Firma Accuray, das noch auf 1000 Meter haarscharf trifft.

"So schnell, wie wir auch hinter die gegnerischen Linien gekommen sind, sind wir auch wieder weg", berichtete der KSK-Mann. Das Kommando, das 1996 in Dienst gestellt wurde, hat nach Aussage der Militärs jetzt im weltweiten Kampf gegen den Terrorismus eine "überragende Bedeutung" gewonnen.