Politik

Norddeutsche AKW fallen durch EU mahnt Erdbebenalarm an

33433933.jpg

In Brokdorf sollte in den Augen der EU nachgerüstet werden.

(Foto: picture alliance / dpa)

Atomkraftwerke in Norddeutschland müssen in den Augen der EU-Kommission sicherer werden. Der europaweite Stresstest stellt sechs Anlagen ein mangelhaftes Zeugnis bei der Erdbebenwarnung aus. Eine Nachrüstung dürfte Milliarden verschlingen. Atomgegner sind wenig überrascht und kritisieren den EU-Stresstest als zu lasch.

Bei den Atomkraftwerken in Norddeutschland sieht die EU bei der Erdbebenwarnung Handlungsbedarf. Als Ergebnis eines EU-Stresstests empfahlen die Experten, in den Anlagen Erdbebenwarnsysteme zu installieren. Insgesamt bemängeln die Fachleute sechs Anlagen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein, von denen nur noch Brokdorf, Emsland und Grohnde aktiv sind. Auf dem Prüfstand standen in Deutschland zwölf Standorte mit 17 Reaktoren.

Die Betreiber müssten nach Ansicht der EU-Kommission nachrüsten - vorschreiben kann Brüssel dies aber nicht. Am Standort Brokdorf ist eine Modernisierung schon geplant. "Die Abstimmungen dazu laufen zwischen der Atomaufsicht und den Betreibern des Brokdorfer Kernkraftwerks schon seit Monaten", sagte der Leiter der schleswig-holsteinischen Atomaufsicht, Wolfgang Cloosters.

Für die gesamte EU schätzen die Experten die Nachrüstungskosten für alle aktiven Meiler auf 10 bis 25 Milliarden Euro. Fast alle europäischen Meiler - 121 von 132 getesteten - müssten überarbeitet werden. Der Löwenanteil entfällt dabei auf Frankreich, das besonders viel Strom aus Atomkraft erzeugt. Der Test deckte bei französischen Kernkraftwerken zahlreiche Mängel auf.

EU-Energiekommissar Günther Oettinger sagte bei der Vorstellung der Ergebnisse: "Die Sicherheitsstandards der Kernkraftwerke in Europa sind im Allgemeinen hoch, doch werden weitere Verbesserungen bei den sicherheitstechnischen Merkmalen nahezu aller europäischen Kernkraftwerke empfohlen."

"Stresstest war ein Schnarchtest"

Die Stresstests für die europäischen Atomkraftwerke waren im Juni 2011 begonnen worden. Sie sollten die Lehre aus der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima ziehen. In der EU stehen Angaben der Kommission zufolge 145 Atomreaktoren, derzeit sind noch 132 in Betrieb.

Atomkraftgegner halten den durchgeführten Test für zu anspruchslos. "Der Stresstest war in Wirklichkeit ein Schnarchtest", heißt es in einer Mitteilung der Organisation. So wird bemängelt, dass nur ein Drittel der Reaktoren von Prüfern besucht worden sei, in Deutschland lediglich zwei. Die übrigen Angaben seien von den Betreibern übernommen worden.

Zudem kritisieren die Aktivisten den Kriterienkatalog des Stresstests. Szenarien wie Flugzeugabstürze oder Probleme mit der Notstromversorgung seien nicht durchgespielt worden. Dass die Erdbebensicherheit bei einigen Standorten nicht ausreichend sei, sei der Regierung darüber hinaus schon seit Monaten bekannt.

Greenpeace-Atomexperte Tobias Riedl sagte: "Selbst dieser für die Atomindustrie freundliche Stresstest kommt zu alarmierenden Ergebnissen. Bei einer strengeren Überprüfung wäre das Urteil für die meisten Reaktoren vernichtend ausgefallen. So wurden die Alterung der Reaktoren und bestimmte Unfallabläufe nicht mit berücksichtigt."

Quelle: ntv.de, jog/dpa/AFP