Keine Kinder, weniger Rente?"Ein abstruser Vorschlag"
Arbeitsminister Müntefering schließt eine Rentenkürzung für Kinderlose kategorisch aus. Dies sei eine "Verrücktheit, ein abstruser Vorschlag, so wie er immer mal wieder hochkommt".
Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD) schließt eine Rentenkürzung für Kinderlose kategorisch aus. Dies sei eine "Verrücktheit, ein abstruser Vorschlag, so wie er immer mal wieder hochkommt", sagte Müntefering. "Mit seriöser Rentenpolitik, so wie sie die Bundesregierung verfolgt, hat das jedoch nichts zu tun."
Müntefering reagierte damit auf die Forderung des Kölner Wirtschaftswissenschaftlers Johann Eekhoff in der "Bild"-Zeitung, die Renten von Kinderlosen um die Hälfte zu senken. Eekhoff, der zur Regierungszeit von Kanzler Helmut Kohl (CDU) Staatssekretär im Wirtschaftsministerium war, sagte der Zeitung: "Kinderlose hätten nie in das Rentensystem aufgenommen werden dürfen, weil es nur funktioniert, wenn es von nachfolgenden Generationen finanziert wird." Deshalb sei es "dringend geboten, die Rentenansprüche von Versicherten mit Kindern zu erhöhen und die von Kinderlosen zu verringern".
Der SPD-Sozialexperte Karl Lauterbach lehnte Eekhoffs Vorstoß ab. "Kinderlosen die Rente zu kürzen halte ich für ungerecht", sagte er bei n-tv. "Niemand kann dafür bestraft werden, dass er kinderlos ist. Viele Menschen sind unfreiwillig kinderlos. Ich halte es für richtig, dass wir insbesondere für einkommensschwache Familien die Rentenansprüche erhöhen, beispielsweise indem wir die Erziehungszeiten für Einkommensschwache höher gewichten."
Auch die Oppositionsparteien wandten sich scharf gegen eine Rentenkürzung für Kinderlose. FDP, Linke und Grüne forderten stattdessen Besserstellungen für Eltern, die mit ihren Kindern zur späteren Sicherung des Rentenaufkommens beitrügen. Der CDU-Abgeordnete Michael Luther schlug vor, dass Eltern gestaffelt nach Anzahl der Kinder weniger Sozialversicherungsbeiträge leisten sollten. Dadurch würden auch Arbeitnehmer mit Kindern für Unternehmen interessanter, weil sie für diese weniger Sozialabgaben zahlen müssten.
Der CSU-Abgeordnete Norbert Geis sagte der "Bild": "Kinderlose sollten entweder eine verminderte Rente bekommen oder mehr in die Rentenkasse einzahlen müssen. Denn Mütter und Familien, die daheim bleiben und Kinder erziehen, erbringen eine Leistung für die nächste Generation. Die Leute, die dagegen voll erwerbstätig sind und keine Kinder haben, profitieren später davon, indem sie Rente beziehen."
Der familienpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Johannes Singhammer (CSU) forderte in dem Blatt, "das Verhältnis zwischen Beitragszahlern mit Kindern und ohne Kinder" neu auszurichten. "Denn Beitragszahler mit Kindern erbringen eine besondere Leistung für den Generationenvertrag, der auch honoriert werden muss."